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Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse
Sitzungsberichte
Abteilung I
124. Band Jahrgang 124 — Heft 1 bis 10
(Mit 28 Tafeln und 35 Textfiguren)
Wien, 1915
Aus der kaiserlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei In Kommission bei Alfred Holder
k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler Buchhändler der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften
III
Inhalt
Seite Doelter C, Über natürliches und künstliches Ultramarin [Preis: 50 h] . 37
— Über die Natur der Mineralfarben [Preis : 60 h] 409
Figdor W., Mitteilungen aus der Biologischen Versuchsanstalt der Kaiserl.
Akademie der Wissenschaften. Botanische Abteilung, Vorstand Wilhelm Figdor. 13. Über die thigmotropische Empfindlichkeit der Asparagus-Sprosse. (Mit 1 Textfigur.) [Preis: 90 h] .... 353 Fritsch K., Untersuchungen über die Bestäubungsverhältnisse süd- europäischer Pflanzenarten, insbesondere solcher aus dem öster- reichischen Küstenlande. (Fünfter und letzter Teil.) [Preis:
1 K 20 h] 255
Hamorak N., Beiträge zur Mikrochemie des Spaltöffnungsapparates.
(Mit 3 Tafeln und 2 Textfiguren.) [Preis: 1 K 60 h] 447
Heinricher E., Beiträge zur Biologie der Zvvergmistel, Arcenthobinin Oxycedri, besonders zur Kenntnis des anatomischen Baues und der Mechanik ihrer explosiven Beeren. (Mit 4 Tafeln.) [Preis:
2 K 40 h] . ., ■ 181
— Die Keimung und Entwicklungsgeschichte der Wacholdermistel, Ai'centhobiiun Oxycedri, auf Grund durchgeführter Kulturen geschildert. (Mit 3 Tafeln und 5 Textfiguren..) [Preis: 2 K 80 h] . 319
— Über Bau und Biologie der Blüten von Arceuthobiiim Oxycedri (DC.) MB. (Mit 2 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 1 K 10 h] . . 481
Höhnel F., v., Fragmente zur Mykologie. (XVIi. Mitteilung, Nr. 876
bis 943.) [Preis: 3 K 20 h] 49
Klein G., Zur Chemie der Zellhaut der Cyanophyceen. (Mit 1 Tafel.)
[Preis: 90 h] 529
Leitmeier H., Der Meerschaum von Kraubath in Steiermark. [Preis:
60 h] 163
Molisch H., Über einige Beobachtungen an Miinosa pndica und anderen
Pflanzen. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 1 K 20 h] 507
Pesta O., Bemerkungen zu einigen Langusten {Palinuridae) und ihrer
geographischen Verbreitung. (Mit 1 Tafel und 2 Textfiguren.)
[Preis: 70 h] 3
Schussnig B., Bemerkungen zu einigen adriatischen Planktonbacillarieen.
(Mit 14 Textfiguren) [Preis: 1 K 50 h] 377
— Algologische Abhandlungen. Über einige neue und seltene Chlorophyceen der Adria. (Mit 4 Tafeln) [Pieis: 2 K 10 h] . . . 425
A ^sq
I\'
Siebenrock F., Die Schildkrütcngattung Chelodina Fitz. (Mit 3 Tafeln.)
[Preis: 1 K 80 h] 1-3
Steindachner F., Ichthyologische Beiträge (XVIIIi. (.Mit 5 Tafeln und
1 Te.xtfigur.) [Preis: 3 K 90 h] •. . 507
Trojan E., Die Leuchtorgane von Cyclothone signata G arm an. (Mit
1 Tafel und 2 Textfiguren.) [Preis: 1 K 20 h] 291
Wagner R., \'erz\veigungsanomalien bei Vernouia rtibricaiilis H. B. (Mit
7 Textfiguren.) [Preis: 90 h] 547
Wiesner J. v., Naturwissenschaftliche Bemerkungen über Entstehung
und Entwicklung. [Preis: 80 h] 231
Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien Mathematisch-naturwissenschaftliciie Klasse
Sitzungsberichte
Abteilung I
Mineralogie, Krystallographie, Botanik, Physiologie der
Pflanzen, Zoologie, Paläontologie, Geologie, Physische
Geographie und Reisen
124. Band. 1. und 2. Heft
Bemerkungen
zu einigen Langusten (Palinuridae) und ihrer
geographischen Verbreitung
von
Dr. Otto Pesta (Wien).
(Mit 1 Tafel und 2 Textfiguren.) (Vorgelegt in der Sitzung am 18. Februar 1915.)
Die Familie der Paliuitridae umfaßt die fünf Genera Palinurcllus Martens, Liuiipanis Gray, Jasus Parker, Pali- ntirus Fabricius und Pauiilinis Gray; die außerdem noch hierhergehörige Gattung Pucndus (= Puer) Ort mann besteht nicht als systematische Einheit, sondern nur als Sammel- begriff unreifer Stadien von unsicher bestimmbaren Pauuliriis- Arten. Der Gruppe der vier zuerst genannten, artenarmen Genera, die durch den Besitz kurzer Geißeln an den ersten Antennen charakterisiert ist, steht die artenreiche Gattung PamiJii'iis, deren Angehörige lange Geißeln an den ersten Antennen zeigen, allein gegenüber. Ihre Jugendformen (Pitcrii- liis) haben statt des bestachelten Antennalsegmentes und des im Querschnitt gerundeten Cephalothorax ein stachelloses Antennalsegment und einen mit zwei seidichen Längskanten und einer medianen Rückenkante versehenen Cephalothorax aufzuweisen. Die Gattungen der ersten Gruppe können nach A. Gruvel bei Beachtung folgender Merkmale unterschieden werden:
■ Augenhörner fehlen Paliniirellus
Augenhörner vorhanden, voneinander getrennt 2
Augenhörner vorhanden, median zusammen- stoßend Linupanis
.^ ( Stridulationsapparat fehlt Jasus
~ \ Stridulationsapparat vorhanden PaUiiiinis
4 0. Pesta,
Über einige Arten der Gattungen Jusiis und Paniilirns nun werden auf Grund der Untersuchungen des alten und neuen Materials, das sich in den Sammlungen des k. k. Natur- historischen Hofmuseums in Wien befindet, mehrere ergänzende Bemerkungen zu geben sein, die sich hauptsächlich auf die Kenntnis der geographischen Verbreitung derselben beziehen, zum Teil aber auch systematische Fragen behandeln. Zwei in den letztvergangenen Jahren erschienene Arbeiten haben dazu als gute Basis dienen können; sie werden oft erwähnt sein und sollen an dieser Stelle ein für allemal mit dem vollen Zitat angegeben werden, um die späteren gekürzten Hinweise verständlich zu machen. Sie lauten: H. Balss, '^Ost- asiatische Decapoden IL Die Natantia und Reptantia«, ent- halten in den Beiträgen zur Naturgeschichte Ostasiens, heraus- gegeben von F. Doflein (IL Suppl.-Band, 10. Abhandlung, IL Klasse der K. Akad. der Wiss. München, 1914), und A. Gruvel, »Contribution ä l'etude generale systematique et economique des Paliunridae«, enthalten in Mission Giuvel sur la cote occidentale d'Afrique 1909 — 1910, resultats scienti- fiques et economiques (III. Band, 4. Fase, der Annales de r Institut oceanographique, Paris 1911).^
1. Jasus verreauxi (Milne Edwards, 1851) 1= Pal in ums Hiloclii Heller, 1862].
Als sichere Fundorte dieser Form sind bisher Neu- südwales (Australien), Neuseeland und Tasmanien bekannt. Außerdem aber soll sie nach Heller (1862, Sitzungsber. der Akad. der Wiss, Wien, vol. 45, p. 393, und 1865, Crustaceen der »Novara«-Exp., p. 96, Taf 8) »von Baron Hügel im Indischen Ozean gesammelt« worden sein. Es ist a priori nicht \er- ständlich, warum Heller die Spezies in die Liste der »Novara«- Crustaceen aufgenommen hat, da sie nicht aus der Kollektion dieser Expedition, sondern von Baron Hügel (nach den Auf- zeichnungen in den Akquisitionsbüchern des Museums-Wien
1 Balss zitiert wohl aus V^ersehen stets »1912«; diese Jahreszahl trägt zwar der Gesamtband III, aber das Fase. 4 ist bereits 1911 erscliienenl Auch soll der Erscheinungsort nicht Monaco heißen, sondern Paris!
Geograpliisclie \'erbiciUiiii; eiiiit;cr Langusten. i^
schon im Jahre 1839 erworben I) stammt; man kann nur ver- muten, daß diese Angabe wegen des V'ergieiches mit der zweiten Art, ./. UiUiiidei, gemacht wurde. Bezüglich der un- wahrscheinlichen Fundortsangabe »Indischer Ozean«, die auch \-on Gruvel (1911) mit einem ? versehen wird, klären leider die vorliegenden Originalexemplare (zwei große, getrocknet aufgespannte 9 der Wiener Schausammlung) nicht sicher auf; auf der ursprünglichen, gemeinsamen Etikette ist »Indischer Ozean«, auf den zwei offenbar später hergestellten Etiketten ist »Australien« zu lesen. Ein drittes Exemplar (großes 9 in Alkohol) stammt aus Australien, Mus. vSidney, ein Geschenk Hufrat Steindachner's.
2. Jasus lalandei (Lamarck) [=: Püliiiiinis Panlcnsis Heller, 1862].
Diese Art kommt vor: Lüderitzbucht (Westafrikaj, Kap der guten Hoffnung, St. Paul- und Amsterdam-Insel, Süd- australien, Tasmanien, Neuseeland, Tristan da Cunha-Insel und Juan Fernandezinsel, bewohnt also eine Zone, die den südlichen Wendekreis als nördlichste Grenze hat.
Außer erwachsenen Tieren von mehreren der genannten P\mdorte liegen noch zwei Jux'enes aus Kapstadt (Dr. Capel- mann, 1884) und drei Juvenes aus St. Paul (»Novara«- Expedition 1857/59) vor; die letzteren hat Heller in seinen »Novara«-Crustaceen nicht erwähnt; zwei Exemplare sind 26 mm lang, das dritte 28 mm. Von den Jugendstadien anderer Palinuriden unterscheiden sich alle drei durch die äußerst kurzen Geißeln der ersten Antennen, ferner auch durch die im Verhältnis zur geringen Größe der Tiere ziemlich derben und dicken Pereiopoden. Bei den zwei kleineren Stücken fällt der nur in der vordersten Partie mit wenigen Spitzen be- wehrte, sonst aber vollkommen glatte und oben abgeflachte Cephalothorax auf, während derselbe bei dem 28 mm langen Exemplar seine normale, dicht bestachelte und gleichmäßig gewölbte Oberfläche zeigt; auch sind bei ihm die Querfurchen und die charakteristischen Kerbungen auf den Abdominal- segmenten schon sichtbar, die den kleineren Exemplaren bis auf kaum unter der Lupe wahrnehmbaren Anfängen fehlen.
6 O. Pesta,
Da der Größenunterschied zwischen den besprochenen Indivi- duen nur 2 mm beträgt, das Aussehen der Tiere von 26 nun auf 28 ////// Länge aber doch so merklich verändert erscheint, so darf man eine einmahge Häutung als wahrscheinliche Ursache dieser Unterschiede annehmen.
Die zwei Vergleichsexemplare aus Kapstadt messen 24 ////// und 42 mm an Länge; das erstere gleicht vollkommen den kleineren Exemplaren von der St. Paul-Insel.
3. Panulirus dasypus (Latreille).
Da Balss (1914) das Vorkommen dieser Spezies in Japan selbst anzweifelt, so sei hier erwähnt, daß die Samm- lung des Wiener Museums ein cf aus Yokohama (Dr. Haberer, Juni 1903) enthält; außerdem befinden sich dort: ein o' aus Nordformosa (Dr. Haberer, September 1903) und ein 9 und drei 'O aus Swatow, Südchinesisches Meer (Castro, 1893).
Der von Heller in den »Novara< -Crustaceen (1865, p. 100) erwähnte PaJiniii'iis dasypus gehört nicht zu dieser Art, sondern zu P. hnrgcri (de Haan); die Fund- orte Ceylon und Madras sind daher für P. dasypus zu streichen.
4. Panulirus burgeri (de Haan).
De Haan, 1849, Paliniinis hnrgcri: Faun. Japon. Crust., p. 159, tat". 43
u. 44, fig. 1 .
[!Non Heller, 1865, » » Crust. Novara-Exp., p. 95 (Bc-
stimmungstabelle !)]
Heller, 1865, Palinurus dasypus: Crust. Novara-Exp., p. 100.
Pfeffer, 1881, Senex burgeri: Verhandl. Nat. Ver. Hamburg-. Al-
tena (2), vi)l. 5, p. 35.
Ortmann, 1891, » > Zool. Jahrb. Syst., vol. 6, p. 32.
De Man, 1892, Piiliniinis burgeri: Max Weber, Zool. Erg. Reise n.
Niederl.-Ostind., vol. 2, p. 354.
De Man, 1896. > >^ Zool. Jahrb. Syst.. vol. 9, p. 512.
Ortmann, 1897, Panulirus burgeri: Zool. Jahrb. Syst., vol. 10, p. 268.
[! Non Doflein, 1900, P. bürgert: Sitzber. Ak. Wiss. .München, 1900,
Heft I, p. 129!.
Gruvel, 1911. Panulirus burgeri: Op. cit., p. 32. mit Fig. u. Tafel!
Palss, 1914, y > > p. 76.
rjeographische Verbreilung einiger Langusten. 7
Als Fundorte dieser Spezies wurden bisher angegeben:
Japan (de Haan und die späteren Autoren);
Celebes, Makassar (de Man, 1892);
Amboina (de Man, 1896);
ßorneo (Ortmann, 1897);
Port Elisabeth, Algoabai |
Fort Dauphin, Madagaskar \ (Gruvel, 1911).
Mascate j
Dazu kommt noch der Fundort Ceylon, den Heller (1865) für die irrtümlich als P. dasypus bezeichnete Form angibt [aus Madras hingegen befindet sich kein Exemplar in der Wiener Sammlung!], und Padang (Sumatra), von wo ein großes, eiertragendes 9 (Konsul Schild, 1899) und zwei kleine Exemplare (cr + 9; Konsul Schild, 1901) vorliegen. Außerdem enthält die Schausammlung des Wiener Museums ein trocken präpariertes o^, das die Etikettierung »Japan '< trägt; es ist jedoch möglich, daß diese Angabe nicht den Fundort des Exemplars, sondern das Vorkommen der Art über- haupt bezeichnen soll; das Vorkommen von P. burgeri in Japan bleibt daher unsicher. \'gl. Gru\-el (1911) und Balss(1914).
5. Panulirus burgeri (de Haan) nov. var. megasculptus.^
(Siehe Tafel.)
Von dieser auf der Oberfläche der Abdominalsegmente auffallend skulpturierten Varietät liegen sieben Exemplare (59 + 2cf) vor, die alle erwachsen sind; die Länge der zwei kleinsten Stücke, vom Vorderrande des Antennalsegmentes bis zum Telsonende gemessen, beträgt zirka lb-5ciii (9) und 17-5 cm (cT), bei einer gleichzeitigen Cephalothorax- breite von 4*2 cm (9) und 4-5 cm. (rf); das größte 9 mißt zirka 21 cm an genannter Länge, bei 5*6 cm Cephalothoraxbreite? und das größere cT mißt zirka 27 cm Länge, bei 6*8 6'/// Breite.
Von der typischen Art, wie sie de Haan (1849) und Gruvel (1911) abgebildet haben, unterscheiden sie sich ins- gesamt durch die besonders starke Kerbung und Narbung
1 Sielie: Anzeiger i.\ev Kais. Akiui. der Wiss. Wien, Jalirg. 1915, Xr. (3, p. 58 — 59, wo auf diese neue Varietät bereits hingewiesen wurde,
ö 0. Pesla,
längs der Querfurchen der Abdominalsegmente, indem die den Vorderrand der Rinne bildenden Lappen durch tiefe Ein- schnitte voneinander getrennt sind und dadurch sehr deutlich hervortreten, ferner sich auch noch größere halbkreisförmige Narben auf beiden Seiten des Verlaufes der Querfurche vor- finden, so daß ein gr(')ßerer Teil der Oberfläche ober dem Vorderrand und auch der Hinterrand selbst skulpturiert er- scheint. Dieses an die Kerbung des Abdomens von Jcisiis lülaudei (Lamarck) erinnernde Aussehen, welches der typi- schen Art vollständig fehlt, ist am stärksten beim zweiten
Sternum (9)
2. Maxilliped
und dritten Abdominalsegment ausgebildet und wird bei den folgenden Segmenten nach und nach schwächer. Die Kerben sind kurz behaart; sie gehen, allmählich kürzer werdend, in punktförmige Grübchen über, wie sie schon von de Haan für P. burgeri in der Diagnose (»abdomine eroso punctato«) angegeben werden. Außerdem ist bei der \orliegenden X'arietät eine deutliche, läppchenförmig gekerbte Linie auf den Epi- meren zu beobachten, die Jederseits von dem Ende der Quer- furche nach oben abbiegt; sie fehlt auf den Epimeren von P. bnrgeri vollständig. Ein zweites Merkmal dieser \'arietät findet sich im Bau des Sternums, dessen breite Längsfurche
Geographische N'crbreituiig einiger Langusten. 9
(hei allen sieben Exemplaren) bedeutend tiefer ist als beim Tvpus, sowie auch die schmalen Quernähte der zu den auf- einanderfolgenden Pereiopodenpaaren gehörigen Sternalteile durchwegs sehr deutlich entwickelt sind.
Endlich zeigen alle Exemplare eine intensiv gelbe, an manchen Stellen ins Rötliche gehende Färbung, während der typische P. Ivirgcri als grünlich gefärbt beschrieben wurde; die vorher erwähnten Typusexemplare besitzen ebenfalls die grüne Farbe.
P. hiir^iicri no\-. var. uicgdscnlphis wurde im Jahre 1902 von Dr. Wilhelm Hein in Gischin (= Kischin) an der Süd- küste Arabiens gesammelt.
Es ist nicht ausgeschlossen, daß bereits Gruvel (1911) diese Varietät vor sich hatte; denn er sagt über die Model- lierung der Abdominalsegmente von P. btirgeri folgendes;^ »Sillons piliferes des tergites abdominaux ininterrompus et fortement creneles, non seulement slu' le bord du sillon, mais encore un peu en dehors, plus nettement encore, peut-etre, que chez le Jasus lalanäci.-^-^
Jedenfalls aber läßt die vorzügliche, von Gruvel selbst beigegebene Tafelfigur der P. biirgeri die das Abdomen be- treffenden Differenzen gegenüber der vorliegenden Varietät mehr als deutlich genug erkennen; desgleichen weicht in diesem Punkte die Originalabbildung von de Haan ab.
6. Panulirus fasciatus (Fabricius).
Diese Spezies war bisher bekannt aus;
Pulo-Penang (Malakka),
Singapore,
Somniani fBelutschistan).
Als neuer Fundort kann nun auch Java dazugefügt werden, von wo ein 9 aus der Wiener Museumssammlung (L. van Ende, 1890) vorliegt. Im Text der Arbeit Gruvel's
1 Durch eine freundliche Mitteilung von ür. H. Balss (München) er- hielt der Verfasser schriftliche Auskunft über das angegebene Zitat. Auch ist er ihm für die Vermittlung einer leihweisen Überlassung der Gruvcl'schcn Arbeit zu besonderem Danke verpflichtet.
10 O. Pesta,
(1911) wird bei P. fascialus auf Taf. V, Fig. 3 verwiesen; es soll richtig Fig. 2 heißen!
7. Panulirus japonicus v. Siebold.
Außer den bekannten Fundstellen des indo-pazifischen Gebietes (siehe Gruvel, 1911, und Balss, 1914) kommt diese Art auch in Honolulu (Hawai-Inseln) vor (Museum Wien).
Im Text der Arbeit Gruvel's (1911) wird bei P. japo- nicus auf Taf. V, Fig. 1 und 2, verwiesen; es soll richtig Fig. 1 und 3 heißen!
8. Panulirus ornatus (Fabricius). Neu sind die Fundorte:
St. Georg-Insel (Salomo-Inseln), Djibouti (Golf von Aden) und Rotes Meer.
Die diesbezüglichen drei Exemplare befinden sich in den Sammlungen des Wiener Museums (2 cT + l^). Die übrigen afrikanischen Fundorte lauten: Mozambique, Zanzibar, Tanga (Deutsch-Ostafrika) und die Inseln Mauritinus und Reunion.
9. Panulirus penicillatus (Olivier) [=z Palinnrns Ehrenhergi Heller, 1861].
Zu den Fundorten Kap der guten Hoffnung", Reunion, Mauritius,. Rotes Meer, Indischer Ozean (Ceylon, Sumatra, Malediven), Formosa, Mariannen, Neuguinea, Neuhebriden, Samoa, .Sandwichinseln, Neucaledonien, Nordaustralien kommen ferner noch Fusan (Korea) und Honolulu (Hawai-Inseln); von Fusan liegt ein 9 (Exp. Frundsberg coli.?), von Honolulu ein c/" (Exp. »Donau« coli?) vor.
Im Anschluß an die genannten Palinuriden der Gegen- wart sei auf die früher als Cephalopodenkiefer {Rhyncho- lithes sp.) angesprochenen Fossilien der miocänen Tone und Tegel von Baden bei Wien, Sardinien und Hamburg hin- gewiesen, welche vielleicht als Reste von ausgestorbenen
rrengraphische X'cihi-eituni; 'jinii^er Langusten. 1 1
Arten dieser Decapodenfamilie gedeutet werden müssen. Die- selben wurden schon vor einigen Jahren durch H. M. Fuchs (Verhandlungen der k. k. (ieolog. Reichsanstalt, Wien, Jahrg. 11)11, Nr. 2, p. 60 bis 64) beschrieben und abgebildet und daselbst auch über alle die vielfachen Untersuchungen und Beobachtungen von Seite der Paläontologen und Zoologen berichtet, deren Endergebnis dahin zusammengefaßt werden kann, daß die genannten Fossilien weder Cephalopodenkiefer noch Dentin- oder Hornzähne sein können (laut chemischer Prüfung!), so daß es sich hier bloß um die Erörterung der Gründe handelt, welche unter Berücksichtigung der rezenten Decapoden zugunsten unserer Deutung sprechen. Denn in der vor vier Jahren von mir mündlich geäußerten Vermutung, daß die heimartigen Spitzen oder »Häkchen« des Miocäns Pali- nuridendornen wären, bin ich durch die fortgesetzten Arbeiten mit dem großen Decapodenmaterial der Sammlung des Wiener Naturhistorischen Hofmuseums weiter bestärkt worden. Erstens unterscheiden sich die Dornen, wie sie sich am Körper der Langusten vorfinden, von solchen bei anderen Decapoden durch die Eigentümlichkeit, daß nur ihre Basen die normale N'erkalkung des Decapodenpanzers zeigen, die Dornen selbst jedoch große und starke Chitinkorper repräsentieren; ja auch im Innern des verkalkten Basalteiles ist das Chitin in ziem- licher Dicke vorhanden. Bei keiner anderen Gruppe der Zehn- fußkrebse, seien es Macruren oder Brachyuren, treten Zähne, Spitzen oder Höcker gleicher J3ildung in dieser Größe auf (Klauen der Gangbeine und Scherenspitzen kommen beim Vergleich mit den fraglichen Fossilien ihrer anderen Gestalt wegen von vornherein nicht in Betracht). Chemische Be- schaffenheit, Größe und allgemeine Form der Palinuriden- dornen stimmen zweifellos auffallend mit den von Fuchs beschriebenen fossilen Resten überein; aber auch eine ge- nauere Untersuchung der Gestalt führt auf Ähnlichkeiten. Vor allem besitzen die Dornen der Langusten sehr häufig eine seitlich kompresse Form und stets ist ihre Basis ausgehöhlt; ferner gelten für sie die Angaben, welche Fuchs (op. cit.) über die .Art der Begrenzung der Basis als auch über die Obeitlächenbeschaffenheit der »Häkchen« macht.
12 0. Pesta, Cico^rapliischL' N'erhrciUiii^ einiger i.ansuslen.
Da Palinuriden aus dem Jura, aus der Kreide imd dem Tertiär bereits bekannt sind, so würden endlich auch die Fundorte selbst nicht gegen unsere Deutung sprechen; die fossilen Reste stammen durchwegs aus marinen Miocän- schichten. Ja sogar die geographische Lage derselben (Sardi- nien, Hamburg und Baden bei Wien) ließe sich gut mit der \'erbreitung der europäischen Languste (Paliniinis vulgaris Latr.) — von den heute lebenden Formen die einzige Art, welche noch im Mediterrangebiet und an den Küsten des Ärmelkanals vorkommt — in Einklang bringen, wie ebenso das Vorkommen der Palinuriden in größeren Tiefen dem Charakter der übrigen fossilen F^aunu der Fundstellen nicht widerspricht.
Zimi Schlüsse muß erwähnt werden, daß — wie Fuchs (op. cit.) berichtet — Pfeffer (Hamburg) die »vage Vcr- mutung" aussprach, »daß es sich um Reste von Decapoden- panzern handeln könne, doch sei ihm Ähnliches ebenfalls nicht zu Gesicht gekommen«. Jedenfalls würde die hier unter- nommene Deutung an Wahrscheinlichkeit bedeutend gewinnen, wenn in den betreffenden Schichten der Fundstellen irgend- welche Palinuridenreste (Panzerstücke, Beine, Klauen oder Schwanzfächerteile) vorkämen; die vorstehenden Zeilen wollten den Paläontologen in dieser Richtung nur einen Fingerzeig lieben.
Pesta 0.: Geographische Verbreitung einiger Langusten.
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Druck «US der k k Hof-u Slsatsdruckerel.
Jos. Fleischmann, n. d. Natur gez.
Panuhrus burgeri (de Haan) var. megasculptus Pesta. Sitzungsberichte der Kais. Akad. derWiss., math.-naturw. Klasse, Abu I, 124. Bd., 1915.
I
13
Die SehildkrötengaUung Chelodina Fitz.
Kustos F. Siebenrock.
(Mit :? Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung am 18. Februar 1915.)
Gelegentlich der Einführung einer neuen Art in das .S3''stem ergab sich die Notwendigkeit einer kritischen Durch- arbeitung der kleinen Gattung Chelodina Fitz. Dabei stellte sich die Tatsache heraus, daß Chelodina siebenrocki Werner keine selbständige Art bildet, sondern als synonym mit Ch. oblonga Gray zu gelten hat, weil sich die für diese Art von Werner angeführten Merkmale mit denen von Ch. ob- longa Gray fast vollkommen decken.
Ferner wurde der Versuch gemacht, die beiden Arten Chelodina expansa Gray und Ch. oblonga Gray auf Grund von neu herangezogenen Merkmalen schärfer zu charakteri- sieren, da es nach den bisher gangbaren Beschreibungen nicht leicht war, sie streng wissenschaftlich voneinander zu unterscheiden.
Die neue Art Chelodina steindachueri ist von besonderem Interesse, weil sie sich in Habitus und Färbung von allen bisher bekannt gewordenen Arten dieser Gattung unter- scheidet. Obwohl sie nach einigen systematischen Merkmalen einerseits am meisten mit Ch. novae-gnineae Blgr. überein- stimmt, hat sie andrerseits in der allgemeinen Körperform große Ähnlichkeit mit Ch. expansa Gray, wenn auch ihre Rückenschale noch breiter und flacher als diese ist, so daß sie einem runden Teller nicht unähnlich sieht. \'on besonderem Interesse ist ihre auffallend helle l^'ärbun"-. Während alle Arten
14 1". Sieben rock,
der Galtung Chcloc/iiui V\tz. ein cnlschieden dunkles Kolorit kennzeichnet, was am meisten bei der Rückenschale zum Aus- druck gelangt, herrscht bei C/i. steiudachncri Siebenr. am ganzen Körper die helle Färbung vor. Die Rückenschale ist lichtoli\"en, die Krallen an den (iliedmaßen sind beinfarben und die Augen gelb anstatt schwarz gefärbt. Dadurch gewinnt die Vermutung an Boden, daß man es bei dieser Art mit einer albinotischen Form zu tun habe. Auf welchen Einfluß dies zurückzuführen sei, muß vorläufig eine offene Frage bleiben.
Die Gattung (lu'hiJiiui Fitz, gehört zur Familie Chelvidac aus der Superfamilie Plciirdi/ira, die dadurch scharf charak- terisiert und daher leicht kenntlich gemacht ist, daß der un- gewöhnlich große Intergularschild nicht am Rande des Plastrons, sondern hinter den Gularia, zwischen Humeralia und Pectoralia eingeschlossen liegt. Durch diese Eigentümlichkeit unter- scheidet sich ChcloiUua Fitz, nicht nur von ihren engeren Gattungsgenossen, sondern von allen anderen Schildkröten überhaupt. Nur bei Pseiidemydiira iimbrina .Siebenr. (diese Sitzungsberichte, Vol. 116, 1907, p. 1207, Tab.) liegt das Inter- gijlare mit seinem hinteren Teil auch zwischen den Pectoralia, es reicht aber bis zum X'orderrand des Plastrons, so daß die Gularia weit voneinander getrennt bleiben.
Die zu dieser Gattung gehörigen Arten werden wegen ihres langen und leicht beweglichen Halses 'Schlangenhals- schildkröten • genannt. Die Länge ihres Halses wird nur noch von der in Südamerika lebenden Hydromedtisa tectifera Cope übertroffen.
Die Gattung Clidodina Fitz, besteht nach den neuesten Ergebnissen aus fünf lebenden Arten, die sich auf Australien, Neu-Guinea und Rotti bei Timor, die östlichste der kleinen Sundainseln, \-erteilen. Fossile Reste wurden von dieser Gat- tung bisher bloß wenige gefunden. Sie stammen aus dem Pleistozän von Australien und werden zwei verschiedenen Arten zugezählt. Die eine Art wurde in Queensland gefunden und von Lydegger, Cat. foss. Rept., Vol. 8, 1889, p. 168, als Ch. longicolUs Shaw, mit der noch jetzt lebenden, gleich- namigen Art identifiziert. Die zweite Art stammt gleichfalls
Scliildkrötenj^attung Chc/"(liihi l'itz. lo
aus Queensland, und zwar von Darling Downs bei Brisbane. Sie wurde von De Vis, Ann. Queensland Mus. 1897, Nr. 3, p. 5, tab. 5 — 6, als Ch. insculpta beschrieben und mit der zunächst verwandten Art Ch. oblonga Gray verglichen.
Chelodiiia Fitz, ist somit eine geologisch noch sehr junge Gattung, da ihre fossilen Funde bloß bis ins Pleistozän zurück- reichen. Die Familie Chclyidae scheint überhaupt sehr arm an fossilen X'ertretern zu sein, da außer den genannten beiden Chelodina-Avten bloß noch drei Emy dura- Arten nherrinta antiqiia und arata von De \'is, 1. c, sowie eine Hydraspis- Art, und zwar H. leithi Carter, Journ. Bombay As, Soc, Vol. ß, 1852, p. 186, aus dem Eozän von Indien bekannt geworden sind.
Bevor ich zur Beschreibung der einzelnen Arten übergehe, obliegt mir noch die angenehme Pflicht, Herrn Prof. Dr. Aug. Brauer, Direktor des zoologischen Museums in Berlin, für die freundliche Zusendung der Type von Clidodina sieben- rocki Werner, sowie eines zweiten Exemplars, angeblich dei' gleichen Art, durch die gütige Vermittlung unseres Intendanten, Herrn Hofrat Dr. F. Steind achner, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Ebenso danke ich Herrn Prof. Dr. Th. W, van Lidth de Jeude im Leidener Museum für die geschenk- weise Überlassung von sechs Photos der drei Chelodina novae- guineae Blgr. von der Insel Rotti.
Nach den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchungen lautet die Synopsis der Chelodina- Arien folgendermaßen:
I. Intergulare viel länger als die Pectoralschilder und min- destens doppelt so lang als die pectorale Mittelnaht; Kinnbartel fehlen.
1. Vorderlappen des Plas^trons ebenso breit als der Vorderteil der Rückenschale; zweites Vertebrale schmäler als das vierte Costale longicoUis.
2. Vorderlappen des Plastrons viel schmäler als der Vorderteil der Rückenschale; zweites Vertebrale breiter als das vierte Costale; zweites und drittes Costale schmäler als die entsprechenden Verte- hralia uovac-giiiueac.
1(3 F. Sieben rock,
3. Vorderlappen des l^lastrons viel schmäler als der Vorderteil der Rückenschale; zweites Vertebrale breiter als das vierte Costale; zweites und drittes Costale breiter als die entsprechenden Vertebralia
steindadmeri.
IL hitergulare ki.h-zer als die Pectoralschilder und nicht doppelt so lang als die pectorale Mittelnaht; Kinnbartel vorhanden.
4. Vorderlappen des Plastrons höchstens ebenso lang wie breit cxpausa.
5. Vorderlappen des Plastrons länger als breit. . ohlonoa.
1. Chelodina longicollis Shaw.
Chelodina longicollis Bou lenger, Cat. 1889, p. 215.
— Sieben rock, Zool. Jahrb., Suppl. Heft 3, 1909, p. 571.
— Masi L., Boll. Soc. zool. Italiana (2), Vol. 12, 1911, p. 3G. Chelodina expansa part. Gray, Proc. zool. Soc, 1856, p. 370; Suppl. Cat.
Shield Rept., Vol. I, 1870, p. 72, und Proc. zool. Soc, 1870, p. 059, tab. 34.
— Boulenger, Cat. 1889, p. 21G.
_ Siebenrock, Zool. Jahrb., Suppl. Heft 3, 1909, p. 572.
Rückenschale stark deprimiert, oval, hinten bedeutend breiter als vorn; Vertebralgegend bei Jungen flach, bei Er- wachsenen rinnenförmig vertieft; seitliche Marginalia sehr schmal und rinnenförmig aufwärts gebogen. Rückenschilder bei Jungen mit radienförmigen Runzeln besetzt, die sich bei Erwachsenen in unregelmäßige Rauhigkeiten auflösen. Nuchale groß, immer länger als breit und gewöhnlich vorn breiter als hinten. Erstes Vertebrale sehr groß, breiter als die übrigen \'ertebralia, fünftes breiter als das dritte und zweites schmäler als das vierte Costale; zweites und drittes Costale breiter als die entsprechenden Vertebralia, die länger als breit sind; bloß bei ganz jungen Exemplaren ist das Umgekehrte der Fall. Viertes bis sechstes Marginale meistens doppelt so lang als breit; die Supracaudalia stoßen nach oben stumpfwinkelig zusammen. Plastron sehr groß, halb so breit wie die Rückenschale lano- Brücke seitlich schwach gekielt; Vorderlappen ebenso
Schildkrötengattung Chehniiiia Fitz. 17
breit als der X'orderteil der Rückenschale, breiter als der mittlere Teil des Plastrons und gewöhnlich breiter als der Hinterlappen, der am freien Ende winkelig ausgeschnitten ist. Intergulare am längsten von den Plastralschildern; länger als breit und mehr wie doppelt so lang als die pectorale Mittel- naht. Anale Mittelnaht meistens länger als die femorale und ebenso lang oder kürzer als die abdominale.
Kopf klein, Schnauze kurz, abgestumpft; Interorbitalraum schmal; die Breite der Unterkiefersymphyse gleicht dem halben Ouerdurchmesser der Augenhöhle. Kopf seitlich in kleine Felder geteilt; Hals oben mit konischen Tuberkeln besetzt. Am Vorarm gewöhnlich vier, seltener fünf große Ouerlamellen vorhanden. Schwimmhäute an den Gliedmaßen stark aus- gebildet. Schwanz bei beiden Geschlechtern sehr kurz, er ragt kaum über den Schalenrand hervor.
Rückenschale oben von dunkelbraun bis rotbraun gefärbt; Plastron und Marginalia unten gelb, die Nähte der einzelnen Schilder mit dunkelbraunen Rändern versehen, die nach Indi- viduen verschieden breit sein können. Zuweilen bleibt die embrj'onale Färbung des Plastrons auch bei erwachsenen Tieren erhalten, wie das Exemplar unserer Sammlung beweist, das Werner in Brehm's Tierleben, 4. Auflage, Lurche und Kriech- tiere, Band 1, 1912, p. 485, Textfigur links unten, abbilden ließ.
Das Plastron ist nämlich bei Embryonen braun gefärbt und jeder Schild besitzt im Verhältnis zu seiner Ausdehnung einen verschieden großen, gelben Fleck. Mit der Wachstums- zunahme des Individuums wird der gelbe Fleck immer größer, bis die braune Pigmentierung schließlich nur an den Schildrändern erhalten bleibt, wenn die Chromatophoren nicht vermehrt werden, wie dies während des Wachstums in der Regel der Fall ist.
Augen schwarz mit gelber Iris; Kopf, Hals und Glied- maßen oben grauschwarz, unten gelblich weiß; an den letzteren schwarze Krallen vorhanden.
Nach meiner Überzeugung gehört die Rückenschale, die Gray, Proc. zool. Soc, 1856, p. 370, als von einer jungen CheloJiua expansa Gray stammend, beschrieben und eben- daselbst, 1870, tab. 12, abgebildet hat, nicht zu dieser Art, sondern zu C//. InngicoIIis Shaw. Die breite Form dieser
Silzb. il. iiiathem.-naliirw. KI., ,Aht. I, 121. l!d. 2
1 ö V. Sieb LMi rock ,
Rückenschale, der aufwärtsgebogene Seitenrand und die Stellung der Supracaudalia, die nach oben einen stumpfen Winkel bilden, sprechen entschieden für die letztere Art. Am wichtigsten aber für die Beurteilung ist die Färbung der Mar- ginalia unten, die Gray, 1. c, folgendermaßen beschreibt und abbildet: »The under side of the margin yellow, with a tri- angulär black spot on the front edge of each shield.« Schon wegen dieser Tatsache kann die fragliche Rückenschale nicht zu Cliclodina expansa Gray gehören, weil die Marginalia bei dieser Art sowie bei Ch. vblouga Gra}' unten einfach gelb gefärbt sind ohne Spur von schwarzen Flecken oder Rändern.
Unsere Sammlung besitzt zwei völlig entwickelte Em- br^'onen \-on Chelodiua oblonga Gray,^ die auf der Unterseite des Plastrons und der Marginalia einfach gelb gefärbt sind. Wenn die Marginalia bei Ch. expansa Gray in der Jugend schwarz gefleckt sein würden, müßte man doch auch an reifen Embryonen bei Ch. oblonga Gray davon etwas sehen, da die beiden so nahe verwandten Arten wie Ch. expansa Gray und Ch. oblonga Gsay sicher den gleichen Entwicklungsgang in der Färbung durchmachen. Die Fleckung tritt bei den .Schild- kröten immer schon in der frühesten Jugend auf, nur wird sie mit dem Fortschreiten des Wachstums bisweilen undeutlich oder sie kann sogar vollständig verschwinden. Niemals aber entsteht die Färbung in späteren .Stadien, wenn sie embryonal noch nicht vorgebildet war.
Die von Gray, I. c, dargestellte Rückenschale gehört nach ihrer Form zu Chelodiiia snlcifera Gray, die Boulenger, 1. c, mit Recht für s\^nonym mit Ch. longicollis Shaw hält. Es war von Gray entschieden sehr gewagt, \"on dieser Schale, ohne das Plastron gesehen zu haben, auf die Art des Tieres zu schließen, da das Plastron gerade bei der Gattung Cheloc/ina Fitz, für die systematische Beurteilung der einzelnen Arten nahezu ausschlaggebend ist.
Ch. longicollis .Shaw bleibt in der geographischen \'er- breitung auf den Osten Australiens beschränkt, wo sie aber ein sehr ausgedehntes Gebiet beherrscht, denn dieses erstreckt
1 CS. .SiebenrocU, Zool. .Anz., Vul. 28, lyufj, p. 4U4.
Schildl<rüteni;attuns ClielnJina Fitz. 19
sich von Adelaide über die Ostküste des K'ontineiits bis zum Kap York. His jetzt kennt man Kxemplare \-on Adelaide in Südaustralien; Melbourne, Gippsland, Goulburn, Sidne}^, Camp- bellton, Macquarie in New-South-Wales; Rockhampton und Kap York in Queensland.
Die Länge der Rückenschale des größten Exemplars unserer Sammlung beträgt 202 mm, deren Breite 141 ////;/ und ihre Höhe (^0 mm; diese Maße verhalten sich beim kleinsten Exemplare wie ()0 : 43 : 20. Außerdem besitzt das Museum einen fast reifen Embryo ' von zirka 27 /;//// .Schalenlänge.
\'on den Lebensgewohnheiten der Cli. hmgicoUis .Shaw in ihrer Heimat Australien ist bisher noch wenig bekannt geworden. G. Krefft, Phil. Soc. Nevv-South-VVales, 10. Sept. 1862, Sydnay 1865, p. 24, teilt mit, daß die «longnecked Tortoise', die im Stromgebiet des Murray und Darling sehr zahlreich ist, den Eingebornen speziell während des Sommers als Nahrung dient. Denn wenn die Lagunen ausgetrocknet sind, kann man sie ohne Schwierigkeit in großer Zahl fangen. Ebenso werden die Eier, die anfangs Jänner zwischen 15 und 20 oder vielleicht auch melir gelegt werden, von den Eingebornen gegessen.
Über die bemerkenswei'te Art des Eierlegens berichtet H. J. McCooey. Da mir die Originalarbeit des genannten Autors nicht vorliegt, zitiere ich die betreffende Stelle aus Brehm's Tierleben, S.Auflage, Kriechtiere und Lurche, 1892, p. 614: "Das Weibchen schleppt das Wa.sser herbei, um den harten Boden, den es sich zur Anlage seines Nestes wählt, zu erweichen, und um in der so gelockerten Erde besser graben zu können. Das Tier kommt zum Ablegen der Eier oft auf Entfernungen von 300 /;/ aus dem Flusse und bringt dabei einen Wasservorrat mit, den es in Zwischenräumen in die zu grabenden Löcher speit. Um etwa 1^6 cm tief zu kommen, braucht die Schildkröte eine Wassermenge von wenigstens einem halben Liter. Reicht der einmalige Wasser- vorrat nicht aus, so bringt sie am nächsten Morgen eine zweite Ladung von Wasser und setzt die Grabarbeit fort. Die
1 et". Sieben rock, Zool. An/,., \'(il. 2S, 1905, p. 4()3.
20 F. Sie ben rock,
Eier werden in vSchichten von ü Stück bis zur Summe von 15 bis 36 gelegt, womit die Nesthöhle gefüllt ist.«
Die Eier sind nach F. McCoy, Prodr. Zool. Victoria, Decade 10, 1885, tab. 93, Fig. 2, längsoval, mit einem Längen- durchmesser von 31 ww und einem queren von 18 ;//;//. V^on Hydroniediisa iectifcra Cc^pe haben die Eier eine ähnliche Form, nur sind sie bedeutend größer. Dagegen zeigen die Eier von Hydraspis j^coffroyaua Schw. eine nahezu kugelrunde Gestalt.
Chcliidiihi lougicolJis Shaw wird seit einer Anzahl von Jahren vielfach nach Europa gebracht und von Aquarien- freunden wegen ihrer Ausdauer in der Gefangenschaft sowie wegen ihres anmutigen imd lebhaften Wesens mit Vorliebe gepflegt. Sie gab daher auch Anlaß zu manchen sehr inter- essanten Schilderungen über ihre Lebensweise in der Gefangen- schaft. Speziell Dr. Paul Krefft, Blatt. Aquar.-Terr.-Kunde, Vol. 14, 1903, p. 187 und 206, verdanken wir eine Reihe von schönen Beobachtungen. Sehr interessant ist die Tatsache, daß P. Krefft bei Ch. lougicollis Shaw die Absonderung einer penetrant lauchartig riechenden Ausscheidung bemerken konnte, die aus etwa halbiinsengroßen, in einen langen S^jalt sich öffnenden, länglichen Drüsen entleert wird. Diese Drüsen liegen deutlich sichtbar an der Bauchseite vor und hinter der Brücke auf der Weichteilgrenze. Sie dürften einen sexuellen Charakter besitzen, da sie, wie es scheint, niu' bei Männchen gefunden werden.
Ferner teilt P. Krefft mit, daß diese Art erstaunlich widerstandsfähig gegen äußere und innere Krankheiten sowie auch gegen Verletzungen ist. P. Krefft schildert den P'all eines jungen Tieres, das die ganze rechte Hälfte des Untei-- kiefers durch Zerbröckelung des Knochengewebes verloren hatte und trotz dieser schweren Verletzung immer Nahrung zu sich nahm, bis es nach zwei Jahren durch Verschlimme- rung der Krankheit starb. Einen weiteren Fall von großer Widerstandsfähigkeit eines erwachsenen Exemplares weiß Werner in Zc^ol. Gart, \'ol. 40, 1899, p. H, und in Brehm's Tierleben, 4. Auflage, Lurche und Kriechtiere, Band 1. 1912, p. 486, zu berichten.
Scliildkrölengallung Clicbuliiut I'"it/,. 21
Von besonderem Werte sind die Mitteilungen Gadow's, Cambridge nat. Hist., Vol. 8, Amphib. and Rept. 1901, p. 402, über das Gefangenleben von Chelodina longicollis Shaw. Wegen der reichen Fülle von interessanten Tatsachen, die die Schilderung trotz ihrer Kürze über diesen Gegenstand enthält, lasse ich hier die Übersetzung der betreffenden Stelle folgen: -Die langhalsigen Chelodinen haben ein auffallendes Aussehen, wenn sie schwimmen oder umherkriechen, den Hals entweder gerade ausgestreckt oder horizontal S-förmig gebogen. Das ganze Tier sieht nett und elegant aus; die Iris ist blaf3gelb und verleiht dem Tier einen sehr intelligenten Ausdruck. Sie halten sich gut in der Gefangenschaft, voraus- gesetzt, daß ihnen die Wahl von Trockenem und Wasser gelassen wird. Meine eigenen Exemplare ziehen vor, den größten Teil des Tages auf dem Trockenen zu verbringen, mit Vorliebe unter dem Rand eines .Steines oder ruhend auf dem Stein, selbst wenn der letztere im Schatten und nicht zu sehr den Blicken ausgesetzt ist. Hier liegen sie bewegungs- los, mit dem Hals entweder zur Rechten oder zur Linken unter der .Schale hübsch umgelegt. Wenn die Augenlider auch geschlossen sein mögen, können sie wegen der durchsichtigen Beschaffenheit des unteren Augenlides dennoch ziemlich gut sehen. Sie leben im Wasser von weichen Tieren, wie z. B. von Würmern, glatten Raupen, Kellerasseln oder kleinen Fröschen; sie nehmen auch Fleisch gerne, vorausgesetzt, daß es umherbewegt wird. Die Nahrung wird beständig mit einem jähen, seitlichen Ruck des Halses und Kopfes genommen. Meine Exemplare wurden bald so zahm, daß sie das Wasser verließen und mit dem zur ganzen Länge ausgestreckten Hals auf mich zueilten; dann entrissen sie den Bissen Nahrung- hastig und kehrten in das Wasser zurück, um ihn zu ver- schlucken. Wenn sie sich selbst überlassen sind, pflegen sie vorwiegend bei Nacht ihre Nahrung zu nehmen. Dann und wann ziehen sie sich selbst für Wochen ohne zu fressen zurück, wenn sie z. B. eine regelrechte Frist von Übersomme- rung im Sommer ausführen. Den letzten Winter brachten sie vergraben im Moos zu, aber gelegentlich, besonders an hellen, sonnigen Tagen gingen sie für einige .Stunden ins Wasser,
-2 1'. Sich Uli roc k,
hauptsächlich, um zu trinken, aber zuweilen auch, um etwas Nahrung zu nehmen. ^<
2. Chelodina novae-guineae Hlgr.
Clu'ludina ii<>Vcie-guiiicac ßoulenger, Cat. 1889, p. 'ilf).
— Siebenrock, Zool. Jahrb., Suppl., Heft 3, 1909, p. 571.
Kückenschale stark deprimiert, o\ al, hinten bedeutend breiter als vorn; Vertebralgegend nicht rinnenförmig vertieft, sondern flach; seitliche Marginalia sehr schmal, flach; Rücken- schilder mit zahlreichen Runzeln bedeckt, die zuweilen radien- förmig angeordnet sind. Nuchale groß, etwas länger als breit; erstes Vertebrale schmäler als das zweite und breiter als das fünfte, dieses schmäler als das dritte; zweites \^ertebrale breiter als das vierte Costale; zweites und drittes Costale schmäler als die entsprechenden Vertebralia, die \iel breiter als lang sind. Viertes bis sechstes Marginale fast doppelt so lang als breit. Die Supracaudalia stoßen nach oben flach zu- sammen; nur beim größten Exemplar des Leidener Museums, das eine Schalenlänge von 180 ;/r/;/ hat, bilden die Supra- caudalia einen kaum nennenswerten, stumpfen Winkel, der aber nicht annähernd so stark ausgebildet ist als bei irgend- einer Che/od iiia lougicollis Shaw.
Plaslron mäßig groß, nicht halb so breit wie die Rücken- schale lang; Brücke seitlich schwach gekielt. Vorderlappen schmäler als der Vorderteil der Rückenschale, ebenso breit als der mittlere Teil des Plastrons und breiter als der Hinter- kippen, der am freien Ende winkelig ausgeschnitten ist. Inter- gulare am längsten von den Plastralschildern, fast doppelt so lang als breit und 3V.< bis 4 mal so lang als die pectorale Mittelnaht; anale Mittelnaht ]'., mal so lang als die femorale und diese ebenso lang oder etwas länger als die abdominale, letztere aber stets kürzer als die femorale.
Kopf etwas größer und die Schnauze noch stumpfer als bei Chelodina longicollis Shaw; Interorbitalraum schmal; die Breite der Unterkiefersymphyse gleicht fast dem Ouerdurch- messer der Augenhöhle. Kopf seitlich in kleine Felder geteilt; Hals oben mit abgeflachten Tuberkeln besetzt. Am Vorarm
Scliildkrütcngatluni; Chchuliiui Vitz. -O
4 bis 5 große Queiiamellen vorhanden. Schwimmhäute an den GHedmaßen stark ausgebildet. Schwanz sehr kurz, er ragt kaum über den Schalenrand hervor.
Rückenschale schön rotbraun gefärbt; Plastron und Mar- ginalia unten gelb, die dunklen Schildränder, die für Chelodiua longicollis Shaw so charakteristisch sind, nur teilweise an- deutet. Van Lidth de Jeude, Not. Leyden Mus., Vol. 16, 1895, p. 120, bezeichnet die Farbe des Plastrons bei den drei Exemplaren von der Insel Rotti als rötlichbraun, was insofern richtig sein mag, weil es mit Latent bedeckt sein dürfte und daher die eigentliche Färbung des Plastrons nicht zur Geltung kommen läßt. Das Fehlen der dunklen Schildränder, das auch Van Lidth de Jeude hervorhebt, scheint für Ch. uovac- gnineac Blgr. ein artliches Merkmal zu sein. Die Augen sind so wi'e bei Ch. longicollis Shaw schwarz mit gelber Iris, wie dies am Spiritusexemplar noch deutlich zu konstatieren ist. Kopf, Hals und Gliedmaßen oben braun, unten schmutziggelb gefärbt; an den letzteren schwarze Krallen vorhanden.
Von Ch. uovae-guineae Blgr. sind bis jetzt, so weit sich dies aus der Literatur nachweisen läßt, nur wenige Exemplare bekannt. Die zwei Typen stammen aus Katow im südöst- lichen Neu-Guinea. \'an Lidth de Jeude beschreibt diese Art in drei Exemplaren von der Insel Rotti bei Timor, im kleinen Sunda-Archipel und von mir wurde ein Exemplar aus dem Fitzro3^-Fluß bei Rockhamipton in Queensland nach- gewiesen. Endlich führt Schenkel, Verh. naturf. Ges. Basel, Vol. 13, 1901, p. 198, ein Exemplar an, das F. Müller, eben- daselbst. Vol. 6, 1878, p. 642, als Ch. suJcifera Gray aus Neu- holland bestimmt hatte.
Es ist höchst interessant, daß die drei zuerst genannten Fundorte von Cli. uovae-gnincae Blgr. so weit voneinandei- entfernt liegen. Diese Tatsache braucht aber durchaus nicht zu überraschen, weil sie ja, wie aus der geographischen Lage zu schließen ist, doch bloß die Grenzpunkte ihres Verbreitungs- gebietes zu sein scheinen. Von der Insel Timor mit der ihr benachbarten kleinen Insel Rotti ist es ja bekannt, daß ihre Fauna viele Anklänge an die von Australien und Neu-Guinea aufzuweisen hat. Noch weniger zu bezweifeln ist aber das
24 F. Sieben rock,
Vorkommen dieser Art in Queensland, das durch die Halbinsel York wahrscheinlich am längsten mit Neu-Guinea verbunden war und mit diesem daher noch so viele Formen gemeinsam besitzt. Es befinden sich \'ielleicht noch mehrere Exemplare dieser Art in den verschiedenen Sammlungen, nur wurde ihr spezifischer Wert bisher nicht richtig erkannt, wie das Exem- plar im Baseler Museum beweist. Ebenso vermute ich, daß die zwei Exemplare aus Rockhampton, die Strauch, Mem. Acad. Sc. St. Petersbourg (7), Vol. 38, Nr. 2, 1890, p. 108, unter Nr. 3528 und 3862 als Ch. longicoUis Shaw aufzählt, z\\ Ch. novac-giiincac Blgr. gehören. Dies erscheint mir um so wahrscheinlicher, als auch das Exemplar im Wiener Museum 1874 von Museum Godeffroy, woher die zwei Petersburger Exemplare stammen, erworben wurde.
Die Länge der Rück'enschale unseres Exemplars beträgt 120 ww, deren Breite [VA nun, ihre Höhe 38 mm. Das größte Exemplar im Leidener Museum hat eine Schalenlänge von 180 mm und dürfte schon erwachsen sein, weil die Fontanellen an der Rückenschale bereits verschwunden zu sein scheinen, so viel man aus der Photographie dieses Exemplares, das skelettiert ist, zu urteilen vermag. Die beiden Typen haben nach Boulenger's Angabe, Ann. Mus. civ. Genova (2), \'ol. 6, 1888, p. 452, eine Schalenlänge von 137 mm und 140 mm; sie dürften somit noch nicht ausgewachsen sein.
3. Chelodina steindachneri .Sieben r.
Chcludina sleindachiwri Siebenrock, Anz. .\kad. W'iss. Wien, 1014, Nr. 18.
Rückenschale sehr fiach, tellerförmig, fast kreisrund, vorn ebenso breit als hinten; V'ertebralgegend bei Jungen flach, bei Erwachsenen stark rinnenförmig \ertieft; seitliche Marginalia nicht verschmälert imd fiach, nicht aufwärtsgebogen. Rücken- schilder grob gerunzelt oder radienförmig fein gewulstet. Nuchale sehr variabel in der Breite und immer länger als breit; bloß bei einem Exemplar von 1 12 /»m Schalenlänge ist es stark verkümmert, denn es bildet ein kleines Dreieck zwischen der vorderen Hälfte des ersten Marginalpaares. Erstes \'ertebrale immer breiter als lang; bei Jungen schmäler als
Scilildkrölcngattung- ChcloiUna Fitz. 25
das zweite und dritte, aber breiter als das vierte und fünfte X'ertebrale, bei Erwachsenen breiter als die übrigen Vertebralia. Fünftes Vertebrale bei Jungen schmäler, bei Erwachsenen breiter als das dritte; zweites Vertebrale immer breiter als das vierte Costale. Zweites und drittes Costale bei Jungen schmäler, bei Erwachsenen breiter als die entsprechenden Vertebralia, die breiter als lang sind. \'iertes bis sechstes Marginale ungewöhnlich breit, nicht doppelt so lang als breit. Die Supracaudalia. stoßen flach zusammen, ohne die Spur eines Winkels zu bilden. Schalenrand ringsherum abgerundet.
Plastron klein, nicht halb so breit wie die Länge der Rückenschale; Brücke seitlich sehr schwach gekielt. Vorder- lappen bedeutend schmäler als der Vorderteil der Rücken- schale, schmäler als der mittlere Teil des Plastrons und viel breiter als der Hinterlappen, der am freien Ende stumpf- winkelig ausgeschnitten ist. Intergulare am längsten von den Plastralschildern, nahezu doppelt so lang als breit und mehr als zweimal so lang als die pectorale Mittelnaht. Analschilder auffallend schmal, seitlich eingebuchtet und am Hinterende stark vorspringend. Ihre Mittelnaht nur wenig länger als die femorale und fast immer doppelt so lang als die abdominale,
Kopf lang und schmal, Schnauze etwas vorspringend; Interorbitalraum schmal, ebenso breit wie die Unterkiefer- symph^'se und diese gleicht dem halben Querdurchmesser der Augenhöhle. Kopf seitlich in kleine Felder geteilt; Hals oben und seitlich nicht mit Tuberkeln besetzt wie bei CJi. longi- collis Shaw, sondern die Haut ist so wie an den Schläfen durch Furchen in zahlreiche Felder geteilt. Am Vorarm bloß drei große Querlamellen vorhanden; Tuberkeln auf der Hinter- fläche des Oberschenkels unbedeutend und in sehr geringer Anzahl entwickelt. Schwimmhäute stark ausgebildet, zwischen den Krallen lappenartig verlängert. Schwanz bei beiden Ge- schlechtern sehr kurz; er steht auch bei Männchen kaum über den hinteren Schalenrand hervor, daher bildet er äußerlich kein sekundäres Geschlechtsmerkmal wie bei den meisten übrigen Galtungen. Die Schwanzwirbelsäule besteht bloß aus 17 sehr kurzen Wirbeln, während sie beispielsweise bei PJaty- stcrniini mcuaccphaJinn Grav die Zahl 35 erreicht.
'Iß
F. Siebe n IOC k,
Rückenschale meistens licht olivengrün gefärbt mit einem vStich ins Gelbliche; bei einem Exemplar ist sie licht rötlich- braun, was von Laterit herrührt, der die Schilder teilweise bedeckt. Plastron gelb in verschiedenen Abtönungen von licht- bis schmutziggelb mit braunen Nahtlinien, die sich bis zu breiten vStreifen verstärken können. Augen gelb, mit einer etwas lichteren Iris, als der Augapfel ist. Diese Färbung des Auges verleiht den Tieren einen starren, schlangenähnlichen Blick, während die Tiere der anderen Arten mit schwarzen Augen viel ruhiger aussehen. Kopf oben lichtoliven, unten lichtocker oder rötlichgelb; Hals und Gliedmaßen oben licht- grau oder hellbraun, unten lichtocker gefärbt. An den letzteren lichte, hornfarbene Krallen vorhanden.
Die Form der Rückenschale ist von der bei allen übrigen Arten so verschieden, daß eine Ver^^■echslung mit ihnen ganz ausgeschlossen wäre. Vergleicht man die Maße der Rücken- schale von gleich großen Individuen einer ('helodiiia sfeiii- üaclmeri Siebenr. mit Ch. longicollis Shaw, so ergeben sich folgende Unterschiede:
|
Länge |
Breite |
Höhe |
Differenz zwischen Länge und- Breite |
||
|
in Millimeter |
|||||
|
Cheludiiia sleiihlachncri Siebenr... » laiigicullis Sil a\v |
184 184 |
1.50 124 |
41 |
20 ()(J |
P'.ine weitere sehr merkwürdige Erscheinung ist bei CIl sfcindacliueri Siebenr. die auffallend helle Färbung des ganzen Tieres, wodurch sie sich wieder von allen übrigen Arten dieser Gattung unterscheidet, die ausnahmslos dunkel, ja sogar schwarz gefärbt sein können. Es liegt daher die Ver- mutung sehr nahe, daß man es bei Ch. steinclachucn' Siebenr. mit einer albinotischen Form zu tun habe.
Diese Art ist bisher bloß von einem Fundorte bekannt geworden, und zwar von Marloo Station am Grey River in
SchildkrölengaUung Chcloiliiui Filz. ^^ <
Nordwestaustralien. Das Museum erhielt durch die Freund- lichkeit des Herrn Dr. P. Krefft in Lokstedt bei Hamburg acht lebende Exemplare zugesendet, die Heir Intendant Hofrat Dr. F. Steindach n er für die herpetologische .Sammlung er- warb und durch dieses Geschenk unseren schönen, reich- haltigen Schildkrötenbestand wieder um einen sehr wertvollen Zuwachs vermehrte.
Im nachstehenden folgen die Maße der Rückenschale bei \.\en acht Exemplaren.
I.iiui^e lireite 1 [rihe
Nr. 1 184 111111 159 mm -11 //////
>. 2 142 124 8(5
» 3 181 113 31
» A-J 129 111 33
>> 5 118 100 29
» Ocf 112 98 28
» 7 100 95 26
» 8 89 80 23
Das Geschlecht konnte bloß bei zwei Individuen aus- gesetzt werden, während die übrigen sechs keine Gelegenheit boten, dasselbe festzustellen und äußerlich ein Geschlechts- dimorphismus nicht zu erkennen ist.
Chf/oc/ina stciuüaclineri Siebenr. scheint sich in den Lebensgewohnheiten von ihrer Artgenossin, der Ch. loiigicollis Shaw, kaum zu unterscheiden, wie das von Dr. P. Krefft zuletzt eingesendete junge Exemplar beweist. Es lebt seit 7. Dezember 1914 im Aquarium lustig weiter und frißt die dargereichten Mehlwürmer mit sehr großem Behagen. Dabei fällt mir abei' auf, daß es diese vor dem Verschlucken zu töten scheint, weil es dieselben nach dem Anfassen immer wieder von sich gibt und erst beim zweiten Male verschwinden läßt. Dagegen verschluckt eine in demselben Aquarium sich befindliche Einji/iirci macqiunr// Gray die Mehlwürmter immer schon das erstemal beim Anfassen. So lebhaft ( 'h. stein- i/achneri Siebenr. im Aquarium sich zeigt, ist sie dennoch ein sehi' sanftes Tier, das niemals zu schnappen oder zu heißen versucht, wenn man es in die Hand nimmt. Nicht so
28 1'. Sieben rock,
gutmütig ist Emydiira macquarrii Gray, die beim Versuche, sie zu ergreifen, sich sofort zur Wehr setzt und kräftig um sich beißt. Cheloäina steindachneri Siehenr. verträgt ebenso- gut niedrige Wassertemperaturen wie CJi. JongicoUis Shaw nach P. Krefft, obwohl sie unter dem 20. Grade südlicher Breite lebt. Das Brunnenwasser wird beim Wechseln im Aquarium durch Zusatz von warmem Wasser nur sehr mäßig temperiert und bleibt dann unverändert einige Tage bis zum nächsten Wechseln im geheizten Zimmer stehen. Daß sich die beiden Tiere dennoch wohl fühlen, was ihre große Freßlust beweist, gibt Zeugnis von ihrer Widerstandsfähigkeit.
4. Chelodina expansa Gray.
Chelodiiia cxpiansa part. Bou lenger, Cat. 1889, p. 21().
— Sieben rock, Zool. Jahrb., Suppl. Heft 3, 19U9, p. 572.
Kückenschale deprimiert, ellipsoid, hinten kaum breiter als vorn, in der Mitte mehr als um ein Drittel so breit als lang; Vertebralgegend schwach gewölbt; seitliche Marginalia nicht verschmälert, flach, nicht aufwärtsgebogen. Diskoidalschilder stark gerunzelt, Marginalia glatt. Vorderrand der Schale unten breit; Nuchale groß, etwas länger als breit und vorn breiter als hinten, an der Unterfläche nicht doppelt so breit als lang. Erstes Vertebrale ebenso breit wie lang, viel breiter als die übrigen Vertebralia; fünftes schmäler oder etwas breiter als das dritte und zweites schmäler als das vierte Costale; zweites und drittes Costale bedeutend breiter als die entsprechenden Vertebralia, die etwas länger als breit sind. Vordere der zwei oberen Seiten des zweiten, dreieckigen Marginalpaares be- deutend kürzer als die hintere. Nur das vierte Marginalpaar doppelt so lang als breit, das fünfte und sechste nicht viel länger als breit. Die Supracaudalia stoßen flach zusammen.
Plastron klein, seine Breite 27^ mal in der Länge der Rückenschale enthalten; Brücke seitlich stark gekielt; Vorder- lappen ebenso lang wie breit, bedeutend schmäler als der \'orderteil der Rückenschale, breiter als der mittlere Teil des Plastrons und breiter als der Hinterlappen, der am freien Ende haibbogentörmig ausgeschnitten ist. Pectoralschilder am
Schildkröten^attuns^ Cheliuiiita Fitz. 29
längsten von den Piastralschiklein, mehi" als dreimal in der Länge des Plastrons enthalten. Inlergulare kürzer als die Pectoralschilder, um ein Drittel länger als bi'eit, um ein Viertel länger als die pectorale Mittelnaht und etwas mehr als vier- mal in der Länge des Plastrons enthalten. Anale Mittelnaht kürzer als die femorale und als die abdominale; die beiden letzteren sind gleich lang.
Kopf lang, ziemlich breit und flach, nicht doppelt so lang als breit und hinter den Augen mehr wie halb so breit als lang; Schnauze kurz und abgestumpft, fnterorbitalraum breiter als die Unterkiefersymphyse und diese beträgt die Hälfte des Ouerdurchmessers der Augenhöhle. Kopf oben und seitlich in kleine Felder geteilt, Hals oben und seitlich mit kleinen, flachen Tuberkeln bedeckt. Zwei kurze, aber dicke Kinnbartel vor- handen. Am \'orarm 7 bis 8 große Querlamellen entwickelt. Schwimmhäute sehr stark ausgebildet. Schwanz äußerst kurz.
Rückenschale oben braun, Plastron und Marginalia unten gelb gefärbt, ohne Spur von dunklen Rändern. Kopf, Hals und die Gliedmaßen oben olivcn, unten gelb; die Schenkel bei lebenden Tieren oben und vorn schr>n rosa gefärbt. An den Gliedmaßen dunkle Krallen vorhanden.
Über die geographische Verbreitung von ClicIoJiua ex- paiisa Gra}^ weiß man noch sehr wenig. Die Typen stammen aus Nordaustralien ohne genaue Fundortsangabe. Erst nach- träglich erhielt das British Museum noch ein Exemplar von Gayndah in Queensland (cf Boul enger, 1. c). Dies ist die einzige, genaue Lokalität, die man bis jetzt kennt. Dr. Schnee, Zool. Garten, Vol. 40, 1899, p. 383, berichtet zwar von einem Exemplar, das er in Adelaide erwarb; ob es aber auch in der dortigen Gegend erbeutet wurde, ist noch fraglich. Vom Exemplar unserer Sammlung konnte bloß in Firfahrimg ge- bracht werden, daß es aus Queensland stamme.
Somit dürfte als engere Heimat für diese Art Queensland anzusehen sein. Es ist eigentümlich, daß so wenige Exemplare bisher nach Europa gelangt sind. \'ielleicht liegt der Grund hierfür in der Größe des Tieres und der damit verbundenen Schwierigkeiten beim Konservieren.
'jO f. Sieben i'oc k ,
ClicloJiiiü expausa Gray ist die größte unter den fünf Arten dieser Gätluni^. Bei unserem Exemplar beträgt die Länge der Rückenscliale 200 //////, die Breite 2\0 umi und ihre Höiie 102 /;////. Noch größer ist das Exemplar von Dr. Schnee, denn er gibt die Länge mit 320 iiiiu an.
über die Ethologie dieser Art ist fast nichts bekannt. Dr. Schnee, 1. c, bringt eine kurze Notiz, in der er einiges über sein Exemplar auf dem Schiffe bei der Überfahrt nach Europa berichtet. '-"Es hat rohes Fleisch gegessen. Wenn man in seine Nähe kommt, stößt es ein lautes Zischen aus; zu beißen hat es nicht versucht. Es lief während der Reise frei in der Kabine herum, zog sich aber manchmal wochenlang in die dunkle Ecke unter dem Sofa zurück.«
5. Chelodina oblonga Gray.
Clielodina ohlonga B o u 1 e n g e r, ( at. 1 iS89, p. 2 1 (>.
— Siebenrock, Zool. Jahrb.. Suppl. Heft 3, 1ÜU9, p. 572.
— Werner, Fauna S. W. Australien. \ol. 2, 1909, p. 254.
ChclocUiia ohlonga var. ?, Schenkel. \'erh. naturf. des. Basel, \'oI. 18, 1901,
p. 198. CJtchhlina siehcnmcki Wernei", \'erh. zool.- bot. Ges. Wien, \'ol. 51, 1901,
p. 002, tab. 5.
— Douglas Ogilby, Proc. Roy. Soc. Queensland, \'ol. 10, 1905. p. 23, p. 30.
— Siebenrock, Zo(,|. .lahrb., Suppl. Heft 3. 1909, p. 572.
— Vogt ']"h., Sitz. Her. Oes. naturf. Freunde, Berlin 1911, p. 412.
Rückenschale deprimiert, o\'al, hinten bedeutend breiter als vorn, in der Mitte nicht ein Drittel so breit als lang; X'ertebralgegend flach oder schwach gewölbt, seitliche Mar- ginalia sehr schmal und rinnenförmig aufvvärtsgebogen. Dis- koidalschilder stark längsgerunzelt, Marginalia fast glatt; Vorder- rand der Schale unten sehr schmal, Nuchale groß, etwas länger als breit und vorn breiter als hinten, an der Unterfläche mehr als doppelt so breit als lang. Erstes Vertebrale breiter als lang, viel breiter als die übrigen X'ertebralia; fünftes schmäler als das dritte, zweites schmäler oder etwas breiter als das vierte Costale. Zweites und drittes C'ostale etwas breiter als die entsprechenden Vertebralia, die unbedeutend kürzer
Schildkrölont^atUini; Chclodiiia Fitz. ol
als breit sind. \'oi\iere der zwei oberen Seiten des zweiten, dreieckigen Marginalpaares viel länger als die hintere. Viertes bis sechstes Marginale mindestens doppelt so lang als breit. Die Supracaudalia stoßen flach zusammen.
Plastron klein, seine Breite mehr als !3'y^mal in der Länge der Rückenschale enthalten; Brücke seitlich stark gekielt; Vorderlappen länger als breit, bedeutend schmäler als der Vordeiteil der Rückenschale, schmäler als der mittlere Teil des Plastrons und ebenso breit als der Hinterlappen, der am freien Ende halbbogenförmig ausgeschniten ist. Pectoralschilder am längsten von den Plastralschildern, nicht dreimal in der Länge des Plastrons enthalten, hitei'gulare kürzer als die Pectoralschilder, doppelt so lang als breit, um ein Drittel länger als die pectorale Mittelnaht und etwas mehr als drei- mal in der Länge des Plastrons enthalten. Die anale Mittel- naht gleicht der fenK^i'alen und ist etwas länger als die ab- dominale.
Kopf lang und schmal, fast doppelt so lang als breit und hinter den Augen nicht halb so breit als lang; Schnauze kurz und abgestumpft. Interorbitalraum breit, viel breiter als die Unterkiefersymph^'se und diese beträgt ein Drittel des Quer- durchmessers der Augenhöhle. Kopf oben und seitlich in kleine Felder geteilt, Hals oben und seitlich fein gekörnt. Zwei deutliche, mäßig lange Kinnbartel vorhanden^ Am \o\-- arm 7 bis 8 große Querlamellen entwickelt. Schwimmhäute stark ausgebildet. Schwanz sehr kurz.
Rückenschale oben dunkelbraun oder schwarz gefärbt, Plastron und Marginalia unten gelb, bei den zwei Berliner Exemplaren bräunlichgelb, ohne braune Nahtlinien. Kopf oben rotbraun, unten schmutziggelb mit braunen Flecken, die Kiefer dunkelbraun mit ebensolchen Flecken; Hals und Ciliedmaßen oben dunkelbraun, unten schmutziggelb gefärbt; an den letzteren schwarze Krallen vorhanden.
Es imterliegt keinem Zweifel, daß ChehuHua sicbenrocki Werner identisch mit Ch. oblonga Gray ist, wie eine kritische Prüfung der beiden P'ormen an der Hand der Werner'schen Type ergab. Selbstverständlich darf man dabei die Gray'sche Beschreibung mit den dazugehörigen Abbildungen in Cat.
32 F. Sieben rnck,
Shield Rept., 1., 1855, p. 58, tab. 24, nicht allein berück- sichtigen, sondern man muß auch diejenigen später bekannt gewordener Exemplare zum Vergleiche dazu heranziehen. Diesbezüglich ist auf Strauch's (Chelon. Stud., 18G2, p. 1(35) genaue Beschreibung zweier Exemplare von Cli. ohlonga Graj^ zu verweisen, die sich nahezu vollkommen mit der Charakte- ristik und Abbildung von Werner's Ch. siebcnrocki deckt. Vergleicht man ferner die Beschreibung und Abbildung der Ch. rugosa Douglas-Ogilby, Rec. Austral. Mus., Vol. 1, 1890, p. 56, tab. 7, die Boulenger, Zool. Rec, Vol. 27, 1890, Rept. and Amph., p. 20, ganz richtig für synonym mit Ch. ohlonga Gray erklärte, mit CJi. siehenvocki Werner, so ergibt sich wohl in unzweifelhafter Weise die Identität der beiden Formen.
Speziell das Intergulare ist bei (7/. ohlonga Gray sowie bei den Chelodina-Arten überhaupt nicht unbedeutenden indi- viduellen Formenverschiedenheiten unterworfen. Zuweilen ist es bloß imi ein Drittel länger als breit, wie die Figur in der Untensicht von Gray, 1. c, zeigt. Es kann aber auch doppelt so lang als breit sein, wenn die .Seiten des hinteren Winkels stark verlängert sind, wie es in der Figur von Douglas- Ogilby, 1. c, der F'all ist.
Hat man daher nicht eine Anzatil Exemplare derselben Art zum Vergleiche vorliegen, so kann es passieren, daß eine individuelle Variation für ein Artenmerkmal gehalten wird, weil man den Artbegriff zu enge gefaßt hat.
Chclodina obUtnga Gray hat eine sehr ausgedehnte geo- graphische Verbreitung, die sich von Südwestaustralien über den Norden dieses Kontinents bis nach Neu-Guinea hin er- streckt. Besonders deutlich ist der Übergang vom australischen Kontinent vermittels der Inseln in der Torresstraße nach Neu- Guinea zu verfolgen. Man kennt bisher Exemplare, und zwar in Südwestaustralien von Alban}'' (Werner), Swan River (Gray) und aus seinem Nebenfluß Avon River (Strauch); in Nord- australien von Port Essington (Gray), Kap York (Gra}' und Douglas-Ogilby), Prince of Wales-Insel (Strauch) und Thursday-Insel (Schenkel); in Neu-Guinea von Sabai-Insel (.Siebenrock) und Kaiser Wilhelmsland (Werner).
Schildkirdeni^attung- Chelodiiia Fitz. 33
('hchnJiuii obUnigci Gvixy erreicht ungefähr die Größe von eil. h>ugic(^Uis Shaw. Das größte Exemplar (vSchale) befindet sich im AustraHan Museum in Sydney (Douglas-Ogilby). Die Länge der Rückenschale beträgt 255 min, dessen Breite \8ö inin und ihre Höhe 96 mm. Diese Zahlen verhalten sich beim Exemplar (trocken) unserer Sammlung wie 24(3 : 137 : (38. X'ergleicht man die Proportionen der beiden Exemplare mit- einander, so ergibt sich, daß letzteres auf seine Länge viel zu schmal ist. Es besitzt somit eine abnormale Form, was auch auf den ersten Blick auffällt; denn keine Chelodina-Ari hat eine so gestreckte, von vorn nach hinten fast gleich breite Rückenschale, wie dieses. Das zweite Exemplar des Berliner Museums, das ebenfalls als Ch. siebenrocki Wevnev bestimmt war und von derselben Lokalität wie die Tj'pe stammt, weist folgende Maße auf: Länge der Rückenschale 188 ///z;/, Breite 131 ////;/ und Höhe 68 mm. Somit hat dieses Exemplar, das nahezu um 60 mm kürzer als das unserer Sammlung ist, die ungefähre Breite des letzteren. Auch daraus folgt die Richtig- keit meiner Annahme, daß unser Exemplar eine abnormale Schalenform haben muß.
Über die Lebensweise von Ch. oblonga Gray ist bisher nichts bekannt geworden. Sie dürfte sich darin wohl kaum von den übrigen Arten dieser Gattung unterscheiden.
Alle fünf Arten der Gattung Chelodiiia Fitz, leben in Australien, und zwar Ch. longicollis Shaw, Ch. novac-gtiiiieae BIgr. und Ch. cxpaiisa Gray im Osten, Cli. sieiiidachneri Siebenr. und Ch. oblonga Gray im Westen. Ch. rwvae- guincae Blgr. und Ch. oblonga Gray kommt außerdem auch auf Neu-Guinea vor. Die erstere der beiden Arten dringt sogar bis zur Insel Rotti im Sunda-Archipel vor und erreicht somit die östlichste Grenze der austro-malayischen Subregion.
Bei den Schildkröten kommen nicht selten überzählige Schilder auf der Rückenschale vor. Diese Tatsache hat Gadow, in Willey, Zool. Res. Nr. 3, 1899, p. 207, tab. 24 bis 25, zu- erst bei Caretta caretta Linne {Thalassochelys caretta L.) genauer untersucht und »Orthogenetic Variation ^< genannt. Spätere Autoren verfolgten dann den Gegenstand noch weiter und fanden, daß manche Arten besonders dazu neigen. Zu
Sitzb. d. mathem.-naturvv. Kl., Abt. 1, 124. Bd. 3
34 F. Sieben rock,
den letzteren gehören auch die Arten der Gattung Chelodina Fitz. Daher sieht man bei den meisten Abbildungen in der Literatur, die sich auf Exemplare dieser Gattung beziehen, überzählige Schilder auf der Rückenschale dargestellt.
Die überzähligen Schilder entstehen durch Quer-, Längs- oder auch durch schräge Teilung des einzelnen Schildes, so daß er in zwei oder mehrere Stücke zerfällt werden kann. Die Eigentümlichkeit wird hauptsächlich bei den Vertebralia, seltener bei den Costalia und vereinzelt auch bei den Mar- ginalia beobachtet (cf Van Lidlh de Jeude, 1. c). Es kann aber auch das Gegenteil, nämlich eine \'erminderimg der Schilder eintreten, wenn zwei benachbarte Schilder miteinander verschmelzen. Gerade bei Chelodina expansa Gray unserer Sammlung ist dies der Fall, denn sie besitzt beispielsweise bloß vier Vertebralia, weil das zweite Vertebrale aus der Ver- einigung des zw^eiten und dritten besteht. Beim größten Exem- plar von Chelodina novae-guineae Blgr. des Leidener Museums sind beiderseits nur drei Costalia vorhanden; somit fehlt das vierte Costalpaar. Dafür ist das dritte übernormal groß und das fünfte Vertebrale besonders breit, was auf Kosten des fehlenden vierten Costale geschah.
Merkwürdigerweise zeichnen sich die Exemplare von Chelodina steindachneri Siebenr. durch eine sehr normale Bildung der Rückenschilder aus. Bloß bei einem unter acht Exemplaren liegt zwischen dem vierten und fünften Vertebrale einerseits und dem rechten vierten Costale andrerseits ein winziges Schildchen eingefügt, während die Beschilderung der übrigen sieben Exemplare vollkommen normal ist.
SchildkrülengaUung Cliclodina Fitz. 35
Erklärung der Abbildungen.
Tafel I.
Chelodina steindachneri Siebenr., von oben. -'■^ nat. Große.
Tafel II.
Chelodina sleinäachiieri Sicbcnr., von unten. --^ nat. Größe.
Tafel III.
P'ig. 1. Chelodina sleindachneri Siebenr., von der Seite. 2^.. nat. Größe. » 2. Chelodina novae-gnineae Blgr., von der Seite. Nat. Größe.
Sämtliche Figuren sind Originalzeiclinungen.
Siebenrock F.: Schildkrötengattung Chelodina Fitz
Tafel I.
Jos. Fleischmann, n. d. Natur gez. Druck aus der kk hol u3ii
Sitzungsberichte der Kais.Akad. derWiss., math.-naturw. Klasse, Abi. I, 124. Bd.,
1915.
Siebenrock F.: Schildkrötengattung Chelodina Fitz.
Tafel II.
Jos. Fleischmann, n. d. Natur gez. Druck sus der kk Hof iiSisalsdruckerei
Sitzungsberichte der Kais. Akad. derWiss., math.-naturw. Klasse, Abi. I, 124. Bd., 1915.
Siebenrock F.: Schildkrötengattung Chelodina Fitz. Tafel III.
Jos. Fleischmann, n. d. Natur gez. Druck ns der kk Hof L-Siaaisdrackersi.
Sitzungsberichte der Kais. Akad. der Wiss., math.-naturw. Klasse, Abi. I, 124. Bd., 1915.
37
Über natürliches und künstliches Ultramarin
von C. Doelter.
(Vorgelegt in der Sitzung am 4. März 1915.)
Zu den natürlichen Ultramarinen zählt man außer dem Lasurstein noch den Hauyn (Nosean). Manche erweitern die Bezeichnung und ziehen auch die Sodalithe hinzu, indessen unterscheiden sich die letzteren chemisch doch genügend, da sie ja Schwefel nur in ganz unwesentlichen Mengen ent- halten.
Das Verhalten der natürlichen zu den künstlichen Ultra- marinen wurde erst durch die Arbeit von W. C. Brögger und H. Bäckström^ aufgeklärt. Diesen gelang es, die erste gute Analyse von Lasurstein zu erhalten. Die früheren waren alle an unreinem Material ausgeführt worden, während die genannten Autoren an sorgfältig gereinigtem Material ihre L^ntersuchungen ausführten. Das Resultat dieser Untersuchung war, daß der Lasurstein aus einer (isomorphen) Mischung \'on 70-27„ Hauyn, 22-7V,, Ultramarin und 7-l"/o Sodalith be- stehe. Die Analyse stimmt übrigens auch mit der berechneten Menge von 72 -ö^/o Hauyn und 20- 1«/, Ultramarin mit 7-47,, Sodalith.
Für die Ultramarinverbindung wurde von Brögger und P)äckström die Formel einer gemischten Verbindung im Ver- hältnisse 2:1 angegeben:
Na^[Al(Na.S.,)]AL(SiOJ3 und
Na.,[Al(Na.S3)]AL(Si04)3.
1 W. r. Brögger und II. liiiokslrüm, Z. Kryst., AV, 2'M\ (ISül).
3<S
C. Doelter.
Die genannten Autoren haben dann das künstliche Ultra- marin mit dem natürlichen verglichen. Für weißes Ultramarin gilt die Formel:
Na,[Al(Na.S)]Al,(SiO,)3.
Im gfünen Ultramarin nehmen sie (NaAlSiO^).^ an, welche mit der ^^erbindung
NaJAl(Na.S,)]Al,(SiOj3
gemengt sein soll. Bei der Bildung von blauem Ultramarin nehmen sie keinen Verlust oder Austritt von Natrium, sondern eine molekulare Umwandlung an. Die Reaktion wäre:
2[Na3Al3Si3 0,,] 3[Na^Al (Na . S,) AI, (SiOJg
2[Na3Al3Si3 0i.2] [Na^Al(Na.S3)AI,(SiOj3] [Na^Al(Na.S.,)A1.3(SiOj3] [Na^Al(Na.S)AU(SiOj3].
Sie erhitzten grünes Ultramarin im Kohlensäurestrom bei schwacher Rotglut und erhielten blaues.
Demnach wären im Ultramarin folgende Verbindungen vorhanden:
(NaAlSiOj3,
(NaAlSi^OeX^,
NaJAl.(NaS)]AU.Si3 0i.,,
NajAl . (NaS.^)] AI., . Si3 0i.,,
Na^ [AI . (NaS3)] AI, . Su 0,.,.
Das künstliche Ultramarin ist namentlich durch R. Hoff- mann ^ erforscht worden. Es ist zu bemerken, daß die Ana- lysen der Ultramarine vielfache Abw-eichungen untereinander zeigen, weil es sich hier nicht um reine Substanzen handelt. Hier eine Tabelle, welche Herrn Dr. Kurt Ehrenreich zum Verfasser hat (Tabelle p. 40 und 41).
Sa bezeichnet den als H.,S auftretenden Schwefel,
Sb bezeichnet den als freien Schwefel abgeschiedenen Teil,
' K. Hoffniann, l)as L'ltramariii. I5raunscluvei^ 1902, p. 113.
Xatürliclies und künstliches Ultramarin.
39
Sc tritt als H.,SOj^ auf, vor der Zersetzung ist er durch
Auswaschen nicht zu entfernen, Sd tritt als Unterschwefligsäure auf, St' tritt als Schvvefligsäure auf.
R. Hoffmann kam zu anderen Schlüssen wie Brögger und Bäckström. Er bemängelt, daß sie nur ein blaues Ultra- marin annehmen, während es in Wirklichkeit verschiedene Sorten gibt. Nach Hoffmann paßt die von ihnen gegebene Formel für künstliches Ultramarinblau auf keine Art desselben. Nach R. Hoffmann stimmt die prozentische Zusammen- setzung des natürlichen Ultramarinblaus in überraschender Weise mit der für das künstliche Ultramarinblau der hohen Schwefelungsstufe überein, aber absolut nicht mit der von W. C. Brögger und H. Bäckström gegebenen P^^rmel.
Er glaubt an einen analj^tischen Fehler, da das von den genannten Autoren durchgeführte K. Heumann'sche Verfahren bei der Untersuchung nicht zuverlässig sei. Die von ihm be- rechneten Zahlen sind:
I
Si.
AI
Na S .
o.
14 14 20 16 33
Sa: Sb
100 1
80 26 25 89 80
H
16-37 15-80 17-93 12-48 37-42
00 2
100-00 1:3
Unter 11 sind die von R. Hoffmann,^ unter 1 die \on Brögger und Back ström berechneten Zahlen für Ultramarin- blau angeführt.
Konstitution. W. C. Brögger und H. Bäckström fassen die Ultramarinverbindungen, wie auch den Lasurit und den Hauj-n als atomistische V'crbindiingen auf. Es ist aber einfacher, diese als Molekularverbindungen aufzufassen. Dies gilt auch für den Sodalith. Silvia Hillebrand- hat bei der
1 R. Hoffmann, 1. c, 1 14.
- Wiener Sitziingsber., 119, 775 (1910).
40
C. Doelter,
Fabriksdarstellung
Blau, reinstes
Violett Rot
Handelsware i Handelsware
Versuchs-
Rot, vollendetes
Si
AI
Na
S <7
S Z'
Sc
S J
St'
0
Tonrückstand auf 100 Ultra- marin
19-07 13-04 1 5 • 92
3-50^
9-10
0-32
0-49
0-()8
ir. 37-88
100
3-19
18-91 13-55 14-53
0 • 85'\ 5 - 95
CT' .,-»
1-13)- ~
2-54 1 -92
40-02
100
1-10
19' 13
1 1
39
80 29
20-51
1 3 - 99
8 • 98
■04 ■54 ■15 •CO •llj
L) • 09 7 ■ 2'* 1-55 2-72 0 • 50
43 - 08
44-38
10(^
100
■84
0-92
Diskussion der Sodalithe, welche jedenfalls mit den hier zu be- trachtenden Stoffen große Ähnhchkeit haben, darauf hinge- wiesen, daß es einfacher sei, sie als Molekularverbindungen aufzu- fassen. Darauf weist meiner Ansicht nach auch die schwan- kende Zusammensetzung der Sodalithe sowohl als auch des Hauyns hin, da das Verhältnis von Silikat zu Sulfat, be- ziehungsweise zu Chlorid doch kein festes, sondern eher ein schwankendes zu sein scheint. Auch die von St. Thugutt dargestellten Sodalithhydrate deuten eher auf Molekularformeln. Meiner Ansicht nach liegt allen diesen Verbindungen das Silikat Na AI SiO^ oder ein polymeres Silikat (Na AI SiOJ„ zu- grunde, welche im Sodalith. an NaCl im Hauyn an Na., SO^ c:ebunden sein dürften.
Natürliches und künstliches Ultramarin.
41
|
darstellung |
i''ormeln, berechnet |
aus den Analj'sen |
||||||||
|
Rot |
Formel |
Rot Formel |
Gelb Formel |
Gelb |
Formel |
|||||
|
Gelb, vollendetes |
4 |
1 |
4 |
II |
5 |
I |
5 |
11 |
||
|
aus der Ge- |
a. d. Schwefel- |
aus der Ge- |
a.d. Schwefel- |
|||||||
|
samtanalyse |
verteilung |
samtanalyse |
verteilung |
|||||||
|
21 •■44 |
^'1-2 |
21-14 |
Si,o |
21-40 |
Sii2 |
21-02 |
-'^i.o |
21-85 |
||
|
14-r.2 |
Als |
13-79 |
Als |
13-77 |
Als |
1 3 - 90 |
Als |
14-04 |
||
|
8-00 |
Nac |
8-08 |
Nac |
8-79 |
Na« |
8 • 88 |
Na(; |
8-97 |
||
|
o-OO |
'7-. X! |
|||||||||
|
7-54 |
^-' |
|||||||||
|
2-57 0-79 |
10-90 bis Se dire 10-87 |
S,; |
! 2 - 08 |
S,; |
12-22 |
S,-, |
10-30 |
•^-1 |
10-40 |
|
|
0-00 |
5S |
|||||||||
|
45-14 |
^'ii |
44-31 |
0,1 |
43 • 82 |
«u |
45 • 30 |
0,:.. |
44-74 |
||
|
100 |
100 |
100 |
100 |
100 |
||||||
|
1 - m |
Im Ultramarin müßte man dagegen eine Bindung an Schvvefelnatriiim voraussetzen.
Färbemittel.
Der Farbstoff der natürlichen Ultramarinverbindungen.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Farbstoff dieser ähn- lich dem des künstlichen Uitramarins ist. Unter den ver- schiedenen, ziemlich zahlreichen Annahmen, welche über dessen Natur gemacht wurden, ist besonders bemerkenswert jene, welche Schwefel als solchen annimmt, ferner diejenige, welche Polysulfide und cndhch die, welche die Ultramarin- verbindung selbst als Farbenträser bezeichnet.
42 C. Doelter.
Was die erste Annahme anbelangt, so vermutete man ursprünglich eine eigene schwarze, die Magnus'sche Modifi- kation. Dies erscheint gegenwärtig unwahrscheinlich.
Meiner Ansicht nach ist es auch unwahrscheinlich, daß die Ultramarinverbindungen, als atomistische Verbindungen aufgefaßt, eigene P'arben aufweisen sollen.
Unter den heute am meisten wahrscheinlichen Annahmen glaube ich jene bezeichnen zu müssen, welche entweder kolloiden Schwefel oder aber Polysulfide als Färbemittel auf- weisen.
Die für Ultramarine bekannten Farben sind bekanntlich Weiß, Blau, Grün, Violett, Rot und Gelb. Bei den natürlichen Ultramarinen beobachtet man besonders Weiß, Blau, Grün, Violett.
Von jenen Farben, welche durch Einschlüsse anderer Mineralien hervorgebracht sind, wollen wir absehen, da sie nicht mit den eigentlichen Färbemitteln verwechselt werden dürfen (siehe C. Doelter, Mineral-Chemie, IL 1, 253).
Über die Farbe der Natriumsulfide läßt sich weniger sagen. Nach D. und W. Asch hängt deren Farbe mit dem Molekular- gewicht zusammen.
Die Gebrüder Asch^ nehmen das Sulfuret S.^O^ an; sie bringen die Farbe der Sulfurete mit der Nietzki'schen Regel zusammen.
Die wahrscheinlichste Ansicht ist wohl die, daß es sich um kolloiden Schwefel handelt, doch ist auch die Ansicht von der Existenz von Pol3''sulfiden nicht unwahrscheinlich.
Wenn wir uns den Schwefel kolloid in verschiedensten Verdünnungen verteilt denken, so können wir leicht das Auf- treten verschiedener Farben für möglich halten.
Sehr bemerkenswert ist eine xArbeit von J. Hoffmann,- welcher nachwies, daß die Blaufärbung gar nicht allein bei Kieselultramarin auftritt, sondern auch bei Borultramarin, also bei solchem, bei welchem das Silicium durch Bor vertreten ist. Dadurch zeigt es sich, daß es sich hier um ein Färbe- mittel handelt und nicht um die Farbe einer einheitlichen
1 D. und W. Asch. Die Silikate. Berlin 1911. - Kolloid-Zeitschr., 10, 275 (1912).
Natiirliclies und künstliches Ultramarin. 43
atoniistischen Verbindung. J. Hoffmann ist der Ansicht, daf3 es sich um gelösten Schwefel handelt.^
Im Anschluß die eben erwähnte Arbeit von J. Hoffmann hat \^or kurzem in einer nach Abschluß dieser Arbeit zur Veröffentlichung gelangten Arbeit P. Fenarolli^ sich über die Färbemittel von Natriumcalciumsilicatgläsern durch Schwefel, Selen oder Tellur geäußert. Er fand einen auffälligen Par- allelismus zwischen dem in solchen Gläsern durch die ge- nannten Elemente verursachten Eärbungsmechanismus und jenem der Ultramarine im Sinne J Hoffmanns. Färbungen kommen durch diese Elemente nur dann zustande, wenn sie im Elementarzustand oder in Form von Polysulfiden (beziehungsweise Polyseleniden oder Polytelluriden) der Alkali- metalle anwesend sind.
Die durch Polysulfide bewirkten Färbungen sind nahe verwandt jenen P'ärbungen, welche durch die freien Elemente zustande kommen. Die Polysulfide der Alkalimetalle haben im allgemeinen Eigenschaften, welche nicht merklich von jenen einer Schwefel lösung im entsprechenden Monosulfid abweichen. Die Konstitutionsformeln dieser Polyderivate zeigen nur ein Atom des Metalloids direkt in Verbindung mit dem Metall, während die anderen in verschiedener Weise, aber nur direkt unter einander verkettet sind.
Man kann daher nach P. Fenarolli alle möglichen Fär- bungen als eigentlich durch diese Elemente selbst bewirkte ansehen und hängt die Färbung nur von ihrem verschiedenen Dispersitätsgrade in der Lösung ab. Diese Auffassung ist auch in Übereinstimmung mit der Konstitution des Glases von E. Z Schimmer.
Wenn die Gläser keine Schwermetalle enthalten, sind die durch Schwefel bewirkten Färbungen gelb oder gelbbraun, in einem Bornatronglas kann blaue Färbung auftreten. Die Gläser zeigen eine Färbung wie Schwefeldampf; zur blauen
1 Herr Direktor J. Hoff mann hatte mir seine Präparate eingeschickt, um .Schwefel auf dem Wege des Ultramikroskops nachzuweisen, doch gelang dieser Nachweis nicht.
- Knlloid-Zcitschr., 16, 53 (1915)
44 C. Doelter,
Färbung muß der Schwefel im freien Elementarzustand \or- handen sein.
Aus diesen Ausführungen möchte ich den Schluß ziehen, daß wir es beim Ultramarin mit Monosulfiden und einem eventuellen Überschuß von freiem Schwefel zu tun haben. Die Formeln der kieselsäurearmen Ultramarine lassen sich schreiben:
Niedere Schwefelungsstufe Weiß 6 (NaAlSiOJ.(Na2S).^
Grün 6(NaAlSiOJ.(Na.2S).S
Blau 6(NaAlSiOJ.(Na2S)v,.Si./,
Mittlere >^ » Weiß 6 (NaAlSiOJ.(Na,S)3
Grün 6(NaAlSiOJ.(Na2S)iv,.Si./,
Blau 6(NaAlSiOJ.(Na2S>/,.S2.;,
Hohe >^ » Weiß 6 (NaAlSiOJ.CNa^S)^
Grün G(NaAISiOj.(Na,S)2.S,
Blau 6(NaAlSiOJ.(Na,S).S3
Demnach würden sich die verschieden gefärbten Ultra- rnarine durch kleineren oder größeren Überschuß an Schwefel unterscheiden, beziehungsweise durch den Dispersitätsgrad des Schwefels.
Im weißen Ultramarin ist kein freier Schwefel, sondern .nur das farblose Na., S vorhanden, daher keine Färbung. Im grünen Ultramarin ist der Schwefelüberschuß geringer als im blauen. Eine gelbe Färbung, wie bei Gläsern, welche noch Kalk enthalten, kommt nicht vor. Diese tritt nur beim kiesel- säurereichen Ultramarin ein.
Versuche über Verhalten gegen Radiumbestrahlung.
Ich möchte daran erinnern, daß bei Bar3.'t (BaSOJ, wie auch bei Coelestin (SrSOJ häufig eine blaue Farbe auftritt. Es gelang mir, aus farblosen \'arietäten dieser Mineralien durch Radiumbestrahlung blaue darzustellen. Die Wahrschein- lichkeit, daß es sich hier um eine Reduktion des Sulfats und Bildung von kolloidem Schwefel handelt, welch letzterer die Blaufärbung bewirkt, ist keine geringe.
Natürliches und künstliclies Ultramarin. 45
Bei meinen ersten Versuchen mit Ultramarin gelang mir l<eine Farbenveränderung. Ich habe diese Versuche, da die ersten nur acht Tage andauerten, wiederholt. Die Versuche wurden dank der Liebenswürdigkeit des Herrn Prof. St. Meyer im Radiuminstitut der Kaiserlichen Akademie ausgeführt. An- gewandt wurde ein starkes Präparat, zirka 100 mg RaJ.,. Das weiße Ultramarin, welches einen Monat bestrahlt worden war, ergab keine \'eränderung. Auch blaues veränderte sich nicht. Dagegen erzielte ich bei violettem Ultramarin eine deutliche Veränderung, indem sich eine Verschiebung der P'arbe ins Rötlichbraune ergab. Da durch viele Versuche nachgewiesen ist, daß sich durch Radiumstrahlen nur solche .Silikate ändern, deren Farbe durch eine Beimengung verursacht ist, dagegen nicht solche Silikate, welche eine konstitutive Farbe zeigen, so ist die Wahrscheinlichkeit einer Beimengung groß. Da bei den .Sulfaten wahrscheinlich kolloider Schwefel das Färbemittel i.st, so dürfte dies auch hier der Fall sein. Wenn sich blaues Ultramarin nicht ändert, so läßt sich dies dadurch erklären daß dessen Farbe dem Sättigungspunkt entspricht.
Es ist bekannt, daß auch andere Stoffe, wie Tonerde, Flußspat, Siliciumdioxyd mit Radiumbestrahlung einen Sätti- gungspunkt bezüglich der Farbe erreichen und sich dann die Farbe nicht mehr ändert. So gilt dies für braunen Quarz (Rauch- topas), für braunen Zirkon, violetten Flußspat. Auch für Ultramarin dürfte das blaue den Sättigungspunkt der Färbung darstellen.
Ungeklärt ist allerdings, warum sich das weiße Ultramarin nicht mit Radiumstrahien ändert; es ist wahrscheinlich, daß, da kein freier Schwefel vorhanden ist, auch keine F'arbenver- änderung eintreten kann.
Versuche über die Umwandlung des Nephelins in Ultramarin.
Allgemein wird angenommen (auch von W. C. Brögger und M. Bäckström), daß im Ultramarin die Verbindung NaAlSiO^ oder eine polymere vorkomme. Es wäre dies das dem Nephelin zugrunde liegende Silikat. Der von den ge- nannten Autoren gemachte Einwand, daß das Nephelinsilikat nicht regulär krystallisiere, ist nicht stichhältig, weil eine Poly-
46 C. Doelter,
morphie dieses, wenn auch nicht mit regulärer Form, bekannt ist. Bei der Tendenz vieler Silikate, welche jetzt durch neuere Versuche festgestellt ist, in mehreren heteromorphen Ver- bindungen vorzukommen, ist die Möglichkeit auch einer regulären Form durchaus nicht ausgeschlossen.
Versuche auf trockenem Wege,
Natürlicher Eläolith wurde mit verschiedenen Mengen von Schwefel teils direkt geschmolzen, teils in einer Schwefel- atmosphäre erhitzt, und zwar in letztem Falle auf'Rotglut, da der Ofen eine höhere Temperatur als 850 bis 900° nicht gestattete. Diese \'ersuche ergaben kein befriedigendes Resultat, wahrscheinlich weil die Temperatur zu niedrig war und eine Reaktion bei dem weit höheren Schmelzpunkt des Nephelins nicht eintrat.
Beim Schmelzen von Eläolith mit Schwefel im Leclercq- Fourquignon-Ofen gelang es in mehreren Fällen, ein schönes rotes Ultramarin zu erhalten. Das rote Ultramarin tritt bei den kieselreichen Ultramarinen auf. Nun enthält aber gerade der Nephelin einen Kieselsäureüberschuß, da er ja nicht der Formel NaAlSiO^ entspricht. Seine Zusammensetzung kann mit der des Silikats eines kieselreichen Ultramarins verglichen werden.
In anderen Fällen erhielt ich eine schwarze Farbe mit bläulichem Stich; es ist zu berücksichtigen, daß Eläolith eisenhaltig ist, daher sich ein schwarzes Eisensulfuret bildet, welches die blaue Ultramarinfärbung nicht zur Beobachtung gelangen läßt.
Die blaue Färbung erhielt ich allerdings nicht. Immerhin weist die erhaltene rote Färbung auf die Möglichkeit einer Molekularverbindung Nephelin + Schwefelnatrium.
Versuche auf nassem Wege.
Eläolith wurde mit Schwefelnatrium in einer Röhre auf 180° erhitzt. Der Versuch dauerte 3 Wochen. Nur in einem Fall ergab sich eine zarte Blaufärbung. Der Eläolith war eben noch sehr wenig angegriffen worden.
Natürliches und künstliches Ultramarin. 47
I Her mögen die Versuche von F. Singer^ erwähnt werden, welche ergeben, daß man Körper von ultramarinartiger Zusam- mensetzung erhält, wenn man Natriumzeolithe (NaAl SiOj^. H.jO) mit Sulfiden oder Polysulfiden der Alkalien erhitzt. Es ent- stand die X'erbindung
3(Na._jA1.2Si.,Oj^).Na.,S.
F. Singer erhielt grüne und grünblaue Verbindungen.
Wenn hier die Resultate besser waren als bei Nephelin, so dürfte dies mit der leichteren Zersetzbarkeit, dem größeren Energieinhalt dieser zeolithischen Stoffe zusammenhängen.
Zusammenhang mit dem Nephelinsilikat.
Über die Konstitution des Nephelins sind verschiedene Ansichten gegeben worden. J. Morozewicz^ hat durch viele genaue Analysen nachgewiesen, daß Nephelin eine schwan- kende Zusammensetzung hat, da es mehr basische einerseits, mehr saure andrerseits gibt. C. F. Rammeisberg nahm ein Orthosilikat und daneben ein Metasilikat des Kaliums an und C. Doelter^ stellte derartige Nepheline synthetisch dar.
F. W. Clarke sowie W. T. Schaller^ denken an eine Mischung von NaAlSi(\ mit NaAlSi^Og.- H. W. Foote und W. Bradley'' vertreten die sehr plausible Ansicht, daß das Nephelinsilikat mit SiO., in fester Lösung vorhanden sei. S. Hillebrand'' modifizierte die Ansicht C. F. Rammelsberg's dahin, daß vier Verbindungen von folgender Zusammensetzung- vorhanden seien:
NagAlgSigOi.
K3Al3Si3 0,/
CaNaAl,Si3 0j.,
K^Al^Si.Oj,
1 F. Singer, Inaug.-Diss., Berlin 1910. Vgl. C. Doelter, Min.-Chem., II, 1, 302.
2 J. Morozewicz, Bull. Soc. sc. Cracovie, 1907, 971.
3 C. Doelter, Z. Kryst., //, 9, 321 (1884). •t Z. Kryst., 51, 343 (1912).
5 H. W. Foote und W. Bradley, Am. .1.. 3, 25 (191 H.
6 S. Hill ab ran d, diese Sitzungsber., 119, 785 (1910).
48 C. Doelter, Natürliches und künstliches IJltraniaiin.
\'ergleicht man den Nephelin mit dem Ultramarin, so wäre das Nephelinsilikat NaAlSiO^ dem kieselsäurearmen Ultramarin, bezüglich des Silikatanteils analog. Die Zusammen- setzung desselben läßt sich als Molekularverbindung von (NaAlSiOJe mit Na.>S und einem Überschuß von Silikat bei grünem und blauem Ultramarin erklären (siehe die Formeln in C. Doelter, Min.-Chem, II, 1, 305).
Man kann die Ultramarinverbindungen auflassen als Nephelinsilikcit plus Na.,S, NaS, NaS.^ oder plus Na._jS,Na2S + S.,j Na., S + S3, also als Beimengung von kolloidem Schwefel zu Na., S (vgl. die Formeln p. 44).
Die kieselsäurereichen Ultramarine lassen sich vergleichen mit deni Nephelin und die Schwefelverbindungen ließen sich auf dieselbe Art erklären wie oben. Nur bleibt .ein Überschuß von .Sauerstoff und man muß daher vielleicht annehmen, daß hier entweder Oxysulfurete oder aber möglicherweise Na._, SO^ wie im Hauyn vorhanden ist.
Silb erultramarin .
G. Steiger^ hat in einer Reihe von Silikaten, namentlich in Zeolithen, das Natrium, oder Kalium durch Silber, auch durch Thallium ersetzt. Man muß damit vergleichen diejenigen Ultramarine, in welchen Natrium durch Silber, Selen, Tellur, Lithium ersetzt ist.
Auch F. Singer konnte zeoliihähnliche Silikate her- stellen, in welchen das Natrium durch verschiedene andere Metalle ersetzt wird. Andrerseits haben wir gesehen, daß J. Hoffmann das Silicium durch Bor ersetzte.
I G. Steiger, Hüll. U. S. geol. Surv. Nr. 202, 75 (1895).
49
Fragmente zur Mykologie
(XVII. Mitteilung, Nr. 87(5 bis 943)
Prof. Dr. Franz v. Höhnel,
k. M. k. Akad.
(Vorgelegt in der Sitzung am 11. Februar 1915.)
876. Dacryopsella stilbelloidea n. g. et sp.
Fruchtkörper aufsitzend, zerstreut oder zu zwei bis drei gebüschelt, gestielt. Stiel gelblich, aus 2 [jl breiten parallelen, fest verklebten Hyphen bestehend, an der Basis etwas kegelig v^erdickt, 500 bis 700 \x hoch, 20 bis 24 iji dick, oben ein weißes, kugeliges, 140 bis 160 jx großes Köpfchen tragend. Stielhyphen im Köpfchen bündelweise auseinandertretend und sich verzweigend, an der Oberfläche des Köpfchens ein etwa 20 [X dickes Hymenium bildend, aus sterilen Paraphysen und Basidien bestehend, die parallel gelagert sind. Basidien zirka 2 [j, dick, an der -Spitze mit zwei kurzen, kegeligen, diver- gierenden Sterigmen. Sporen eikugelig, hyaUn, einzellig, 5 bis 6^4*5 bis 5 |j. groß.
An glatter, faulender Astrinde von Priinns Avium, die mit Dcrmatea Cerasi besetzt war am Sonntagsberg in Nieder- österreich, XII, 1914, leg. P. P. Strasser.
Der Pilz gleicht einer kleinen Siilhclla, insbesonders der StilhcUa Candida Fuckel (Symb. myc, II. Nachtr., 1873, p. SOj, die möglicherweise auch, eine Dacryopsella ist. An meinem Originalexemplar aus den Fung. rhcn. (ohne Nummer), bei dem die Köpfchen des Pilzes zerstört waren, konnte ich von Siilbella Candida nur feststellen, daß der gelbliche, 20 jx dicke Stiel aus 2 \i. breiten parallelen Hyphen besteht und
Sitzb. d. mathein -n.-iturw. Kl., Abt. I, 124. Rd. 4
50 I'\ V. II filme I,
Über 300 [x lang ist, und da(3 die Sporen elliptisch-länglich und 5 bis 7 ;^ 2 bis 3 jx groß sind.
Völlige Klarheit erzielte ich bei Dacryopsdla stilbdloidea nicht. Gewiß ist aber, daß es keine Stilbella ist. Dacryopsis Typhae v. H. und Dacryopsis cnlmigciia (Mont. et Fries) V. H. (in diesen Fragmenten, 1900, VI. Mitt., Nr. 194), sowie die obige Art weichen durch ihre Kleinheit und weißliche Färbung sowie durch den Mangel der charakteristischen Conidienbildung von den Typen der Gattung Dacryopsis Massee völlig (Grevillea, 1891, XX. Bd., p. 23) ab. Sie stellen gewiß eine eigene Dacryomycetineengattung dar, deren Arten allerdings noch an ganz frischen Stücken zu überprüfen sind.
Die neue Gattung kann vorläufig wie folgt charakterisiert werden:
Dacryopsella v. H. n. g. (Dacryomycetineen).
Fruchtkörper gestielt, fleischig oder knorpelig, rundlich länglich oder linsenförmig, blaß, klein. Hymenium aus Para- physen und an der Spitze zweiteiligen Basidien bestehend. Sporen einzellig, rundlich oder länglich.
Typusart: Dacryopsella Typhae v. H.
Weitere Arten: Dacryopsella ctilmigeua (Mont. et Fr.) v. H., Dacryopsella stilbelloidea v. H.
877. Sphaerostilbe flammeola n. sp.
Perithecien oberflächlich, in kleinen Häufchen oder auch e'nzeln stehend, schön hell feuerrot, biinförmig, 250 [x hoch, 200 [X breit, zarthäutig, durchscheinend, fleischig, weich, kahl, glatt, an der Basis mit hyalinen, 5 [x breiten Hyphen ver- sehen, um die Mündung mit einigen Reihen von einzelligen, papillenartigen, hyalinen, 6 bis 24 :^ 5 bis 6 |x großen Haaren besetzt. Perithecienmembranzellen dünnwandig, polygonal, 8 bis 12 |x breit. Paraplwsen fehlend oder undeutlich. Asci keulig, oben abgestutzt, dünnwandig, sitzend, 80 bis 100 :=^ 14 jx; Sporen zu acht, IV2- bis zweireihig im Ascus, hyalin, zwei- zeilig, verschieden gestaltet, meist elliptisch oder bikonisch, an den Enden verschmälert abgerundet, an der Querwand deutlich eingeschnürt, die obere Zelle meist etwas länger und
Fragmente zur Mykologie. 5 1
breiter als die untere, 20 bis 30-8 bis 10 [x groß. -- Conidicn- pilz: Atractinin flainmcolnm v. H., isoliert und zerstreut, Stiel ockergelb, etwas bauchig, aus ziemlich parallelen farblosen und gelben, 4 bis 5 [x breiten Hyphen bestehend, 250 [a hoch und 180 |x breit, oben eine flache Krone von hyalinen, zylin- drischen, schwach gebogenen, an den Enden abgerundeten» bis 100:^4 bis (> [j, großen, einzelligen Conidien tragend. Im Jugendzustand fehlt der Stiel imd stellt der I^ilz ein Fttsa- riiiui dar.
in den Rindenritzen dürrer Stämme von Clemaiis Vit- alba am Sonntagsberg in Niederösterreich, Dezember 1914, leg. P. P. Strasser.
Die nächst verwandten Arten sind Sphcierostilbc flammca Tul. und Sp. fnsca Fuckel; beide sind sowohl durch die kleineren Schlauchsporen wie durch den Conidienpilz ver- schieden. Als Nectria erscheint der Pilz, soweit sich dies aus den Beschreibungen ersehen läßt, nicht beschrieben. An dünnen CJeinatis-Zwelgen, \vo noch keine Spur der Sphacro- stilbe und des Atractinin zu finden ist, tritt ein Fusaritmi auf, das zweifellos nur ein Jugendzustand des Atractinm ist, mit ganz gleichen Conidien.
878. Nectria applanata Fuckel var. succinea v. H. nov. var.
Die Nectria applanata Fuckel (Symb. mycol, I. Nachtr., 1872, p. 22) ist durch durchscheinend blutrote Perithecien, die am Scheitel einen breiten und hohen Discus aufweisen, aus- gezeichnet. Die Asci sind zylindrisch und enthalten acht einreihig stehende, elliptische, an der Querwand nicht ein- geschnürte Sporen. Sie wächst rasig an abgestorbenen Zweigen auf den vStromaten verschiedener Pyrenomyceten und ist die einzige europäische Nectria-Ari, die Pycniden besitzt. Diese befinden sich vereinzelt in den Rasen der Perithecien, sehen diesen völlig gleich und sind nur etwas kleiner. Sie enthalten zahlreiche hyaline (in Haufen sehr blaß bräunliche), zwei- zeilige Conidien, die den Ascussporen ganz ähnlich und nur wenig größer sind.
Auf den Stromaten von Melogramma Biilliardii Tul. auf dürren Zweigen von Corylns Avc/Iaria vom Sonntagsberg in
52 F. V. Höhnel,
Niederösterreich fand ich nun eine durchscheinend vvachs- gelbe Nectria^ die, von der Farbe abgesehen, makro- und mikroskopisch vollkommen mit der Nectria applanata Fuck. übereinstimmt und offenbar eine neue interessante Varietät derselben ist. Auch die charakterischen P\^cniden waren vor- handen, wodurch die Richtigkeit der Bestimmung erwiesen wird.
Diese Nebenfruchtform stellt eine neue Formgattung dar, die ich Stylonectria nenne:
Stylonectria n. g. (Nectrioideae-Ostiolatae).
Pycniden oberflächlich mit oder ohne Stroma, wie Nectrla- Perithecien, aber mit auf kurzen einfachen Trägern einzeln stehenden hyalinen oder subhyalinen, zweizeiligen Conidien erfüllt. Nebenfrüchte von Nectria- hvien.
Typusart: Stylonectria applanata v. H. zu Nectria appla- nata Fuckel gehörig.
Mit den beiden bisher zu den Nectrioideae-Ostiolatae gerechneten Gattungen Pseudodiplodia Karsten imd Diplo- zytkia Bubäk ist Stylonectria nicht näher verwandt.
Der Typus der Gattung Psendodiplodia, nämlich Ps. ligniaria Karst., dürfte nach der Beschreibung zu den Nectri- oideae-Astomae gehören.
Von der zweiten Art, Psendodiplodia corticis Grove, vermute ich, daß sie identisch ist mit (ystotricha striola B. et Br. ^ Cystotricha compressa (F.) v. H. =i Psendopatella Tulasnei Sacc. (siehe diese Fragmente, 1910, XI. Mitteilung, Nr. 538).
Psendodiplodia atrofusca (Schwein.) Starbäck ist nach der genauen Beschreibung von Starbäck (Bihang tili k. Sv. Vet.-Akad. Handl., 1894, Bd. XIX, Afd. III, Nr. 2, p. 94) eine Nebenfruchtform von Nectria atrofusca (Schw.) Ell. et Ev. (s. Mycologia, 1909, I., p. 186) und gehört in die Gattung Stylonectria: St. atrofusca (Schw.) v. H. (Leider vergaß Starbäck die Farbe der Conidien anzugeben.)
Psetidodiplodia Umbelliferariini w H. (Ann. myc, 1904, II. Bd., p. 48) hat unter der Epidermis eingewachsene, zarte, fleischfarbige Pycniden, kann nicht bei Psendodiplodia bleiben
l''i'agmente zur Mykologie. 5o
und stellt eine eigene neue Formgattung dar, die ich Stylo- nedricUa nenne. Diese Gattung stellt gewiß die Nebenfrucht- formen von Nectriella Nitschke dcir (siehe Ann. myco!., 1014, XII. Bd., p. 128).
Stylonectriella v. H. n. g. (Nectrioideae-Ostiolatae).
Pycniden zarthäutig, blaß, fleischig, eingewachsen, mit typischem Üstiolum. Conidienträger einfach, kurz. Conidien hyalin, länglich, zweizeilig. Nebenfrüchte von Nectriella Nitschke.
T^'pusart: Stylonectriella Umbelliferariini x. H. zu Nectri- ella Uinbelliferarnm (v. H.) gehörig.
Psendodiplodia Lonicerae v. H. (in diesen Fragmenten, 1902, I. Mitteilung, Nr. 30) hat nach wiederholter Einsicht- nahme der Präparate bräunliche Pycniden und wird besser als Ascochytula Pot. (Ann. mycol., 1903, V. Bd., p. 10) be- trachtet (Ascochytiila Lonicerae v. H.).
Psendodiplodia herbarnni Strass. (Verhandl. Zool. Bei' Ges., Wien, 1910, 60. Bd., p. 321) ist nach Untersuchung des Originalexemplars falsch beschrieben. Die Pycniden sind ur- sprünglich eingewachsen, schließlich durch die Epidermis etwas hervorbrechend, kugelig, bis 250 \x breit und haben ein kleines typisches Ostiolum. Membran der Pycniden fleisch- farben-bräunlich. Der Pilz dürfte zu einer Nectriella als Neben- frucht gehören und ist Stylonectriella herharnm (Strass.) v. H. zu nennen.
Psendodiplodia Xylariae Ferd. et Wing. (Syll. Fung., XXII, p. 1146) ist nach der anscheinend guten Beschreibung eine typische Stylonectria und hat Styhmectria Xylariae (F. et W.) v. H. zu heißen.
Psendodiplodia cyanogena (Speg.) (Syll. Fung., XXII, p. 1145) kann, da sie als Nebenfrucht einer Giberella anzu- sehen ist, nicht zu Stylonectria gerechnet werden. Ich stelle für diese Form die Gattung Cyanochyta auf (siehe diese Fragmente, Nr. 907).
Die Gattung Diplozylhia Bub. (Ann. myc, 1904, II. Bd., p. 399, Fig. 5 bis 19) gehört zu den Ncctrioideae-Astomae.
54 F. V. Höh ncl ,
879. Über die Hemisphaeriales Theyssen.
Theyssen hat in Annal. myc, 1013, XI. Bd., p. 468, einige Ascomycetenfamilien in eine größere Abteilung (Ord- nung) vereinigt, die er Hemisphaeriales nennt.
Errechnet zu diesen die Microthyriaceen, Trichopeltaceen, Dictyopelteen und Thrausmatopelteen.
Meiner Ansicht nach besteht zwischen diesen vier Familien eine nähere Verwandtschaft nicht und ist die Ordnung der Hemisphaeriales daher eine unnatürliche.
Die Microthyriaceen haben, wie ich in diesen Fragmenten nachwies, inverse Perithecien und stehen ganz isoliert da. Sie dürften sich aus gewissen Perisporiaceen entwickelt haben und werden daher vorläufig an diese angereiht werden müssen.
Die Trichopeltaceen stehen nach Theyssen's Angaben (Zentralblatt für Bakt. und Parasitenkunde etc., 1913, 39. Bd., p. 625) durch ihren ganz eigenartigen Bau ebenfalls isoliert da.
Die Dictyopelteen sind meines Erachtens eigentümlich geformte echte Sphaeriaceen und Hypocreaceen, die an das tropische Regenblatt angepaßt sind.
Die Thrausmatopelteen sind meiner Ansicht nach \^on den oberflächlich wachsenden Dothideaceen abzuleiten. Sie stellen ebenfalls Anpassungsformen an das Regenblatt dar.
Es handelt sich bei allen diesen Formen um Konvergenz- erscheinungen, die durch gleiche klimatische Verhältnisse hervorgerufen sind. Die genauere Kenntnis der Pilze wird zu ähnlichen Verhältnissen wie bei den Algen führen, die nun in eine große Anzahl von Familien zweifelhafter \'erwandt- schaft zerfallen.
880. Über die Gattung Mycogala Rostafinski. Obwohl es durch die Arbeiten und Angaben von Hoff- mann, Fuckel, Karsten und Schröter völlig klargestellt ist, daß Mycogala parietimuu (Schrader) Rost. 1875, der Typus der Gattung, eine Perisporiacee, also ein Ascomycet ist, wird dieser Pilz doch in den Handbüchern und Pilzfloren, mit Ausnahme von Schröter's Pilzen von Schlesien, als Sphaerioidee angeführt. Ja in den betreffenden Werken er-
Fragmente zur IMyUnlogie. "^O
scheint derselbe zweimal angeführt, in der Gattung Mytogala als Sphaerioidee und als Aiiixia unter den Ascomyceten (siehe Engle r- Prantl, Natürliche Pflanzenfamilien; Saccardo, Syll. Fung.; Kabenhorst, Deutschlands Kr^^ptogamenflora, II. Aufl., Kr\'ptogamenflora von Brandenburg).
Wie Schröter (Pilze Schlesiens, 1897, II. Bd., p. 249) ganz richtig bemerkt, ist Auixia Fries 1(SI9 ein Gastromycet, was aufs klarste aus Fries' Angaben (System, mycol., 1829, HI. Bd., p. 22(3) hervorgeht.
Auixia Moftmann 1862 (Icon. analyt. Fung., p. 70, Taf. 17, Fig. 2) ist daher eine ganz andere Gattung und gleich Mycogala Rostafinski 1875. Die hierher gehörigen Pilze müssen in die Gattung Mycogala gestellt werden, wie dies Schröter (1. c.) tut, und nicht zu Auixia, wie dies Saccardo, Winter, Kirsch st ein und andere machen.
Die richtigen Mycogola- Arien sind miteinander sehr nahe verwandt, und werden von Schröter und Karsten alle nur als P\)rmen einer Art, die sich nur wenig in den Sporen unterscheiden, betrachtet.
Mycogala fiuwti Diedicke (Kryptogamenflora Branden- burgs, 1912, IX. Bd., p. 209) ist wahrscheinlich nur eine kleine Form von Auixia Wallrothi Fuckel (Symb. myc, 1869, p. 91); die Maßangaben bei Fuckel Sind meist zu groß.
Mycogala macrosportiiu Jaap (V^erh. Bot. Ver. Brand., 1909, 51. Bd., p. 17) gehört wegen der stacheligen Sporen gewiß nicht in die Galtung; ist vielleicht eine Auixiopsis Hansen 1897 (Bot. Zeitung, 55. Bd., p. 131). Ähnliche Pilze sind Cephalotheca Francisci Saccardo (Syll. Fung., XIV. Bd., p. 465) und Cephalotheca prolifica (Bainier) S. et T. (Syll. Fung., XXII. Bd., p. 30); letzterer Pilz, der auf faulendem Stroh, also auf demselben Substrat wächst, dürfte von Mycogala maci'osponiui Jaap kaum verschieden sein.
881. Über die Gattung Heydenia Fresenius.
Diese Gattung wurde 1852 in Fresenius, Beiträge zur iMykologie, p. 47, Taf V, Fig. 37 bis 45, auf Grund der Art Heydenia alpina aufgestellt. Der Pilz wird neben Sporocybe zu den Stilbeen gestellt und dementsprechend beschrieben.
56 F. V. Höhnel,
Im Jahre 1879 (Revue myco!., I. Bd., p. 171, Taf. II, Fig. 1 bis 11) stellten .Spegazzini und Roumeguere die Gattung Riipinia auf, mit der Art Rupinia pyraiaica Sp. et R. (:= Ä^ Bailacii Roumeg. in Rev. myc, 1880, II. Bd., p. 2). Diesen Pilz beschrieben sie als Myxomyceten und stellten für denselben eine eigene Ordnung (Rupiniaceen) der- selben auf.
Ferner beschrieb Ca\ara 1903 (Ann. myc, I. Bd., p. 41) die neue Gattung Riccoa mit der Art Riccoa adnciisis Cav. Der Autor meint, daß die Gattung Riccoa den Typus einer neuen Famihe bilden könnte, die zwischen den Stilbaceen und den Hymenomyceten zu stehen käme. Er bemerkte zwar die Ähnlichkeit der Riccoa mit Hcydenia und Riipinia, hielt aber seine. Gattung für verschieden.
Im Jahre 1882 (Michelia, II. Bd., p. 581) beschrieben Ellis und Saccardo die Heydcnia aniericana. Da dieser Pilz in Ellis, North-Am. Fungi, Nr. 971, ausgegeben ist, konnte ich ihn näher prüfen, während mir von den beiden anderen Pilzen nur die Originalbeschreibungen und Abbildungen vorlagen, die übrigens vollständig genügen, um sich ein sicheres Urteil zu bilden.
Wenn man das, was das gute Exemplar von Heydcnia americana zeigt, mit den Beschreibungen und Bildern der drei anderen Arten vergleicht, so gewinnt man die volle Überzeugung, daß alle vier Arten nahe miteinander verwandt sind, also Heydcnia- Arien sind, trotzdem die erste eine Stil- bacee, die zweite ein Myxomycet sein soll und die dritte geschlossene Perithecien mit zelliger Membran besitzt und meiner Ansicht nach wahrscheinlich ein Ascomj^cet (Peri- sporiacee oder Plectascinee) ist.
Die Heydcnia americana hat einen weit hohlen braunen Stiel, auf dem oben ein geschlossenes Perithecium ohne Ostiolum sitzt. Sowohl der Stiel wie auch das Perithecium besitzen eine aus mehreren Lagen von braunen, eckigen Parenchymzellen bestehende Wandung. Das Perithecium zeigt innen unten eine Vorwölbung nach innen, auf der zahlreiche hyaline, einfache oder wenig verzweigte, 3 bis 4 [x breite, lange, gerade Fäden sitzen, die weit in den Peritheciumraiim
Fragmente zur Mykologie. 57
hineinragen. Letzterer ist ganz mit einem gelblichen Pulver ausgefüllt, das aus den elliptischen, hyalinen, 10« 7 jx großen, einzelligen Sporen besteht. Diese Sporen gleichen Schlauch- sporen, weil sie keine Spur einer Ansatzstelle zeigen. Asci sind nicht zu sehen, so wie bei einer reifen Mycogala, an die die Perithecien sehr stark erinnern, und wie bei vielen Peri- sporiaceen und Plectascineen, wo die Schläuche bald ver- schwinden.
Auch die Perithecienwand springt schließlich auf und fällt ganz ab. In diesem nackten Zustand hat Fresenius die H. ii/piiui beschrieben. Bei der Rnpinia pyrcnaica wird eine persistente, brüchige, ziemlich dicke Peridie angegeben.
Rnpinia R. et Sp. 1879 ist daher gleich Heydcnia Fres- 1852 = Riccoa Cavara 1903. Ich halte die Gattung für ein Ascomycetengenus. Der volle Beweis kann erst durch die Untersuchung junger Perithecien geliefert werden. Entsprechend dem Gesagten müssen Charakteristik und Stellung der Gattung geändert werden.
Sollte die Untersuchung entsprechend junger Exemplare zeigen, daß diese Pilze keine Ascomyceten sind, so könnten sie keinesfalls als Stilbaceen gelten. Sie gehören dann zu den Sphaerioideae-Astomae, wo sie eine eigene Gruppe bilden würden.
882. Über Saccardia Martini P'Jlis et Saccardo.
Der Pilz ist in Michelia, 1881, II. Bd., p. 373, beschrieben und in Ellis, North Americ. Fungi, Nr. 1289«', &, c, in drei verschiedenen Exemplaren ausgegeben. Den Typus der Gattung Saccardia Cooke 1878, nämlich Saccardia qnercina Cooke, habe ich in diesen Fragmenten 1909, VI. Mitt., Nr. 244, p. 94 (368), beschrieben und mit der Gattung DictyoneUa v. H. in eine eigene Discomycetenfamilie (Saccardiaccen) gestellt, die ich an dieMollisieen anreihte, deren Stellung aber eigentlich unsicher ist.
Saccardia Martini Ell. et Sacc. hat nun m\i Saccardia qnercina Cooke gar nichts zu tun, es ist ein Pyrenomycet, und zwar eine ganz typische Phaeosaccardimda P. Hennings (31. Jänner 1905) r=: Liniacinnla Saccardo (25, "Mai 1905). Der Pilz hat daher Pliacosaccardinnla Martini (Ell. et Sacc.)
ob F. V. Höhncl,
V. H. ZU heißen und niüssen auch alle bisherigen echten Li inuciiinla- Arten zu riiaeosaccardiniila gestellt werden, da diese Gattung um fast 4 Monate früher aufgestellt wurde, was bisher übersehen worden ist.
Der obige Pilz ist ganz so gebaut wie Phaeosaccard iunla roseospora v. H. (1910, XII. Mitt., p. 37 [914] mit Figuren). Er gehört zu jenen Arten der Gattung, deren Subiculum nur als schmaler Saum um die Perithecien entwickelt ist.
Die Perithecien sind etwa 150 (x breit, der subiculäre Saum ist rundlich und 400 [jl breit. Die Asci sind eiförmig, unten spitz, zartwandig, achtsporig, 45 ^ 30 jx. Die h^^alinen Sporen sind sehr zartwandig, länglich, häufig gekrümmt, an den Enden abgerundet und etwa 24 ^ 7 [x groß. Sie haben meist vier Querwände und eine unterbrochene Längswand. Bei den Pliacosaccardi mihi- Arien werden die Sporen im Alter meist sehr blaß bräunlich. Davon ist hier bei den nicht sehr gut entwickelten Exemplaren noch nichts zu sehen. Die Hyphen des Subiculums sind rauchgraubräunlich, sehr zart- wandig und 3 bis 4 [x dick.
Der Pilz ist eine ganz typische Naetrocymbee (siehe diese Fragmente, 1909, VIII. Mitt., Nr. 379, und 1910, XII. Mitt, Nr. 611). Zu diesen gehören nun A\e Gsiiiung,en Kaeti'ocymbe Körb er, PJiaeosaccardinnla P. Henn. (:=: Limacinida Sa.cc.), Ziikalia Sacc, Trenbiomyccs v. H., Chactothyriua Thej^ssen und Chaetothyrinui Spegazz.
Daß Malineomyces Starbäck eine t^^pische Caloiicclria und kein Chaeiothyriiini ist, daß ferner die Gruppe der Chaetothyrieen Thej/'ssen (Ann. myc, 1913, XI. Bd., p. 496) hinfällig ist, hat J. Weese gezeigt (Zeitschr. für Gärungs- phys., 1914, IV. Bd., p. 224).
883. Clypeosphaeria ambigua v. H. n. sp.
Perithecien eingewachsen, zerstreut, unten und seitlich dünn-, blaß- und weichhäutig, oben ein brauner bis schwarzer, etwa 8 ;x dicker Clypeus vorhanden. Üstiolum ganz flach, untypisch, rundlich, 28 bis 35 [x breit, von unregelmäßigen, 3 bis 4 ;x großen, oft gestreckten und etwas mäandrisch ver- bogenen, braunen Zellen umgeben. Asci keulig, 110 bis 125 p-
I''rap;nicnte zur iM^'kologie. 59
lang, 20 (i- breit, mit 25 |x langem Stiele. Paraphysen reichlich, lädig, oben länglich bis 3 [j. verdickt, verschleimend. Sporen zweireihig zu acht, schon sattgelbbraun, mit (J bis 7, selten 8 Querwänden; oben halbkugelig abgerundet, unten abgerundet kegelig, die dritte Zelle von oben wenig größer als die an- grenzenden, 25 bis 34^9 bis 1 1 [j, groß, gerade, länglich keulig, an den Querwänden sehr wenig eingeschnürt. iJie Perithecien sind etwas niedergedrückt kugelig, 180 bis 270 [x breit und 130 bis 230 (x hoch.
An den Stengeln und W'ickelranken von Clematis Vitalba, am Sonntagsberg in Niederosterreich, Dezember 1914, leg. P. P. Strasser.
Eine eigentümliche Form, die ich weder als eine typische Clypeosphaeria noch als gute Lcptosplmeria ansehe. Sie erscheint in keiner der beiden Gattungen beschrieben. Das Gehäuse ist in der unteren Hälfte ganz hyalin. Auffallend ist das große, ganz flache, untypische, an den Rändern etwas zerrissene Ostiolum. Der Clypeus ist eigentlich nur an- gedeutet.
884. Über Bertia parasitica Fahre.
Studiert man die Beschreibung dieses Pilzes (Sjdl. fung., I, p. 584), so bemerkt man, daß das Verhältnis der Größe der Asci zu der der Perithecien ein unwahrscheinliches ist. Perithecien von 500 bis 600 »j, Durchmesser werden längere Asci haben als solche von 60 bis 70 [i.. Dies läßt \ermuten, daß bei der Aufstellung dieser Art ein Irrtum im Spiele war.
Ein Exemplar eines als Bertia parasitica Fahre be- zeichneten Pilzes aus dem Herbar Flageolet's, das ich Herrn Medizinalrat Dr. H. Rehm verdankte und das äußerlich so gut zur Originalbeschreibung stimmt, daß ich glaube, in demselben die echte B. parasitica Fahre erkennen zu müssen, zeigte mir nun in der Tat, daß die Aufstellung dieser Art eine irrtümliche ist.
Der Sachverhalt ist folgender. Auf dem Stroma einer Entypa auf Ahornholz wachsen dicht nebeneinander rund- liche, etwa O-b min breite, schwach gewölbte, schwarze Stromata, die oben mit einem dichten Rasen von etwa 100 |x
60 F. V. Höhnel,
breiten und 120 [j- hohen Perithecien besetzt sind. Diese Stromata mit den Perithecien machen den Eindruck von 0-5 mm großen, einfachen Perithecien, die fein granuliert sind, ganz so wie dies P'abre beschreibt. Die kleinen Perithecien sind kahl, aber zum Teil rauh und zeigen manchmal unten einzelne kurze, schwarze, einzellige, stumpfe Borsten. Sie haben ein deutliches Ostiolum. Paraphysen fehlen. Asci keulig- spindelig, oben dickwandig und stumpf, in der Mitte dünn- wandig und bauchig, unten kurz gestielt, achtsporig, 44 bis 50« 12 bis 14 [x. Die Sporen stehen zwei- bis dreireihig im Ascus, sind grünlich-h3^alin, zeigen 5 bis 6 Querwände und 1 bis 2 Längs wände, sind länglich -spindelförmig, an den verschmälerten Enden stumpflich und 14 bis 20^5 bis d'b [). groß.
Der Pilz ist eine fast kahle BerlesicUa. Fahre hat die kleinen Stromata mit den darauf sitzenden Perithecien für einfache Fruchtkörper gehalten. Der Standort seines Pilzes ist genau der gleiche: »in crusta Eniypae latae«.
Der Pilz hat nun Berlesiella parasitica (Fahre) \^ H. zu heißen. Er weicht von den typischen Berlesiella -Arien nur durch seine fast völlige Kahlheit ab, stimmt aber sonst so vollkommen damit überein, daß die Aufstellung einer neuen Gattung für denselben überflüssig ist.
885. Über Valsa decorticans (Fr.) Nke. v. Circassica Rehm und die Gattung Quaternaria Tulasne.
Valsa decorticans (Fr.) Nke. ist jedenfalls ein seltener Pilz, von dem ich kein sicheres Exsiccat kenne. Mein Exemplar in Jaap, Fung. sei. exsicc, Nr. 472, hat 14 bis 16^2-5 bis 3 ;j, große Sporen und ist wahrscheinlich V. pnstulata Aw. V. decorticans (Fr.) Nke. v. Circassica Rehm, Ascomyc. ex- sicc. Nr. 1914, wächst nicht »in ramis Carpiui Betitli*, sondern auf Zweigen von Fagiis orientalis Lipsky und ist in Annal. mycol, 1911, IX. Bd., p. 4, besprochen. Damit ist identisch das Exemplar in Tranzschel et Serebrianikow, Mykoth. rossica, Nr. 77.
Dieser Pilz ist aber nur eine kleinersporige Form \'on Onatcniarid qiiatcrnata (P.j und kann (Jii. quaieruata (P.)
Fragmente zur Mykologie. 61
V. Circassica (Rehm) v. H. genannt werden, obwohl er kaum den Wert einer Varietät hat. Die besser entwickelten Peri- thecien dieser Form haben fast hyaline, 12 bis 16^2 bis 3 [j. "Toße Sporen. Sie reichen daher kaum merklich von denen der Normalform ab.
Diese häufige Art hat sehr variable Sporen. Tulasne sagt, daß sie >^fusco-atra« und 13:r:2-5[j. groß sind. Das »fusco-atra'^< ist aber nur ein Druckfehler, offenbar für »fusco- pallida«, denn schwarzbraune Sporen hat der Pilz nie und auf der zugehörigen Tafel bildet sie Tulasne so ab, vvde er sonst die hyalinen oder blassen Sporen zeichnet. Nach Winter, Nitschke und Schröter sind die Sporen bräun- lich. 14 bis 20 ^ 4 [x groß. Nitschke sagt noch: »Sporen gelblich bis fast farblos-*. Saccardo nennt sie »dilute fuscis-* und gibt sie 16^3 bis A \). groß an. Berlese nennt sie «luteo-viridulae« und schreibt ihnen eine Größe von 22 bis 26 ii 5 bis 7 a zu, was offenbar ein Lapsus ist. Er erwähnt auch eine \'ar. siibeffusa Berl. mit 16 bis 18r;4|j. großen Sporen.
Um mir angesichts dieser schwankenden Angaben ein eigenes Urteil zu bilden, habe ich acht Exsiccaten geprüft und folgende Werte gefunden: 12 bis 17 i:^ 2*5 bis 3 [j-; 10 bis 18^2-5 bis 3 jx; 12 bis 18^2-5 bis .3-5 (x; 13 bis 18^ 3 bis 4 jx; 13 bis 18^3 bis 4 [x; 13 bis 21 -3 bis 4[x; 12 bis 21^3 und 12 bis 16 ^^ 3 bis 4 ;x. Meist waren die Sporen subhyalin oder sehr blaß graubräunlich, einmal mit einem Stich ins 01i\'engrüne.
Danach schwankt die Sporengröße von 10 bis 21^2*5 bis 4 jx, aber 4 [x sind stets nur einzelne breit. Im Mittel sind die Sporen 14 bis 16^2-5 bis 3 [x groß.
Daraus ersieht man, daß die obige Varietät (Jircassica eigentlich gar nicht von der Normalform abweicht.
Die Qu. qnaternata (P.) scheint nur auf Fagns-Zw tilgen zu wachsen. Schon Nitschke bezweifelt die Richtigkeit jener Angaben, die sich auf andere Nährpflanzen beziehen. Ich fand den Pilz nur auf Rotbuchenzweigen; wenn er auf andere Bäume übergehen würde, so müßte er vor allem die Hain- buche bewohnen, was er aber nie tut.
62 F. V. Höhncl,
In der Tat fand ich, daß V. qitatcruatd (P.) auf Acer rnbniui in Ellis und Everhart, Fungi Columb., Nr. 1049, ein ganz anderer Pilz ist (Valsa sp.).
Ellis und Everhart (North American Pyrenomycetes, 1892, p. 480) anerkennen die Gattung Oiiatcnmria nicht, da sie die Qu. qiiaternata (P.) als Valsa aufführen. Offenbar haben sie die im nachfolgenden erwähnten Unterschiede zwischen den zwei Gattungen nicht erkannt. Sie führen die V. qiiaternata (?) Fr. nur als auf Pappel, Aluiis serriilata, Acer ruhnun und Birke vorkommend an. Danach kommt der Pilz in Nordamerika gar nicht vor, denn auf den genannten Bäumen wächst der Pilz nicht.
Der Umstand, daß, wie man sieht, Ouaternaria öfter mit Valsa verwechselt wird, legt die Frage nahe, wodurch sich eigentlich diese zwei Gattungen voneinander unterscheiden. Darüber findet man nun merkwürdigerweise in der Literatur keine befriedigende .Auskunft, denn abgesehen davon, daß die beiden Gattungen verschiedene Nebenfrüchte haben, Liber- tella, respektive Cytosporeen, findet man beim Studium der Gattungsdiagnosen bei T u 1 a s n e , N i t s c h k e , W i n t e r, Schröter usw. keine genügenden Unterschiede heraus.
Beide Gattungen haben valsoide Perithecienstromata und angeblich mangelnde Paraphysen sowie dieselben Asci und Sporen.
Da der Conidienpilz zur Zeit der Reife der Ascus- stromata nicht mehr zu finden ist, letztere aber nach der Gattungsbeschreibung keine sicheren greifbaren Unterschiede aufweisen, so erscheinen Verwechslungen der beiden Gattungen ganz natürlich. Trotzdem hat Tulasne die Gattung Qiiafer- naria mit dem sicheren Instinkt des gewiegten M\'kologen von Valsa mit vollem Recht abgetrennt, obwohl er merkwürdiger- weise gerade die wesentlichen Unterschiede nicht erkannt hat, ebensowenig wie Nitschke, Winter, Schröter u. a.
Zunächst ist die Angabe, daß bei Ouaternaria die Para- physen fehlen, falsch. Es sind zahlreiche typische Paraphysen vorhanden, die aber frühzeitig völlig verschleimen und die Asci verkleben. Diese hängen daher bei Quafernaria ziemlich fest zusammen, während sie bei Valsa, wo Paraphysen völlig
I'ragmcnte zur .MykiiKigic. Do
fehlen, in Wasser sofort aiiseinanJertrctcn. Die bisher über- sehene Hauptsache ist aber, daß bei den V'alseen überhaupt die zartwandigen Perithecien ganz dicht mit den Asci aus- gefüllt sind. Macht man einen beliebig orientierten Schnitt durch ein Perithecium einer Valsee, so findet man keine Spur eines leeren Lumens in demselben. Der ganze Innenraum des Peritheciums ist mit einer grauen Masse ausgefüllt, die nur aus Asci besteht. Im Gegensatze dazu zeigen die reifen, ziemlich derbvvandigen Perithecien von Onaternaria am Querschnitt einen großen Hohlraum, weil die Asci mit den Paraphysen (trocken) nur eine dünne Schichte bilden und der Mittelraum der Perithecien frei bleibt. .Schon mit freiem Auge oder mit der Lupe ist dieser Unterschied zwischen Valseen und Onaternaria leicht konstatierbar. Es ist also zwischen beiden ein typischer Unterschied im Baue des Nucleus vorhanden. Trotz der großen äußeren Ähnlichkeit sind beide wesentlich verschieden und gehören in ganz ver- schiedene Gruppen von Pilzen.
Ich habe in diesen Fragmenten schon mehrfach betont, daß die heutigen Systeme der Pyrenomyceten falsch sind, weil sie nicht auf den inneren Bau der Perithecien, sondern auf unwesentliche äußere Merkmale gegründet sind.
Die wesentlichen Merkmale, die für die Hauptabteilungen der Pyrenom^^ceten maßgebend sind, ergeben sich aus dem Bau der Perithecien, insbesonaere aber des Nucleus derselben. Da zeigt die genauere Untersuchung eine Reihe von Typen. So den \'on Mycosphaerella, wohin z. B. PJmeosphaerella, Sphacrnlina (LaesiadiaT) gehören. Hier fehlen Paraphysen und sind die Asci rosettig angeordnet.
Dann der gewöhnliche Sphaeriaceentypus mit über eine größere Fläche des Peritheciuminnern verteilten, ziemlich parallelen .Asci. Hierher gehören die meisten Sphaeriaceen- gattungen.
Ferner der Coronophoreentypus, der sehr eigenartig ist, in diesen Fragmenten, 190(3, IL Mitt., Nr. 74; 1907, IV. Mitt., Nr. 162; 1909, IX. Mitt., Nr. 442.
.Sehr wichtig ist der Valseentypus: t^^-pische Paraphysen fehlend; .Asci zartwandig, schließlich zerfließend, in vielen
64 F. V. Höhnel,
Lagen übereinanderstehend, das ganze Perithecium aus- füllend. Das Studium der Entwicklung des Nucleus bei den Valseen wäre sehr wichtig und ist noch ausständig. Hierher gehören Diapovthe, Valsa, Gnoinoma, Wmterina iuberadigera und gewiß noch viele andere verwandte Gattungen. Auch Ceratosiomella rostrata wird dazu gehören.
Erst wenn die Pyrenomyceten in der angedeuteten Rich- tung genau studiert sein werden, wird es möglich sein, ein richtiges System derselben zu schaffen.
886. Über die Gattung Endoxyla Puckel.
Die echten Valseen haben einen ganz charakteristischen Bau des Peritheciennucleus. Der iVIangel von echten Para- physen, der Umstand, daß der äußerst zarte Stiel der Asci verschwindet und die Asci daher bei Wasserzutritt sich leicht verteilen, endlich die Tatsache, daß die Schläuche, in allen möglichen Höhen liegend, das ganze Lumen der Perithecien ausfüllen, sind die Hauptmerkmale eines echten Valseen- peritheciums.
Nitschke, Winter und Schröter, welche die Gattung ]'alsa im weitesten Sinne annehmen, sagen ausdrücklich, daß hei ihr Paraphysen fehlen.
Indessen habe ich schon 1904 angegeben, daß die Eiity- pella- Arten Paraphysen haben (Annal. myc, II. Bd., p. 46). Sie gehören ebensowenig zu Valsn wie Cryptospliaerella, die eine Coronophoree ist (Fragm. zur Myk., 1906, II. Mitt., Nr. 74; 1907, IV. Mitt., Nr. 162).
Ebenso haben nun jene Arten nichts mit \'alsa zu tun, die in dem Subgenus Endoxyla Fuckel stehen. Nitschke führt sie (Pyrenomyc. germ., p. 153) einfach bei Valsa (Fr.), 1. Entypa (Tul.j an. Nachdem Fuckel (Symb. myc, I. Nachtr., 1871, p. 33 [321]) diese Arten in der neuen Gattung Endoxyla vereinigt hat, stellte Winter (Raben hörst, K'rypt. Fl. Deutschi., 1887, Pilze, II. Abt., p. 688) diese Gattung einfach als II. Sub- genus in die Gattung Vaha. Obwohl nun Fuckel die zahl- reichen fadenförmigen Paraphysen bei Endoxyla ausdrücklich hervorhebt, erwähnt Winter dieselben mit keinem Worte.
P'ragmente zur Mykologie. DO
Auch Nitschke hat bei den zu Endoxyla gehörigen Arten die l^araphysen nicht gesehen. Bei Valsa opercnlata (A. et S.) erwähnt er sogar ausdrücklich den Mangel der Paraphysen.
Es ist dies um so unverständlicher, als bei allen Endoxyla- Arten die Paraphysen sogar sehr reichlich vorkommen, wie schon Fuckel wußte.
Ich habe E. opercnlata (A. et S.) Fr. (Scler. suec, Nr. 268), E. macrostoma Fuck. (F. rhen., Nr. 2321), E. popiili Romell (Rabhenhorst -Winter, F. europ., Nr. 3358) und E. Fraxini E. et Ev. (F. Columb., Nr. 952) geprüft und überall reich- liche, fadenförmige, schließlich verklebende Paraphysen ge- funden.
Was Valsa parallela (Fr.) Nitschke (1. c, p. 154) an- langt, so hat schon letzterer bemerkt, daß die Sporen oft zweizeilig sind. Berlese (Icon. Fung., 1902, III. Bd., p. 105) stellt daher diese Art zu Endoxylina Romell 1892. Er macht aber darauf aufmerksam, daß Karsten (Hedwigia, 1879, 18. Bd., p. 22) für diese Art die Gattung Entypopsis gegründet hat. Karsten sagt, daß sich Entypopsis von Entypa nur durch die zahlreichen Paraphysen unterscheidet, hat daher die Zwei- zeiligkeit der Sporen übersehen. Nichtsdestoweniger muß nach der Typusart Entypopsis parallela (Fr.) Karst, die Gattung Endoxylina Romell 1892 als synonym zu Entypopsis Karst. 1879 erklärt werden.
Die E. parallela Aut. non Fries mit einzelligen Sporen (z. B. in Ell. et Ev., Fung. Col., Nr. 951) ist von E. oper- cnlata (A. et S.) Fr. nicht verschieden, wie Berlese sagt und ich auch finde.
Was nun die Verwandtschaft von Endoxyla anlangt, so war Nitschke, der sie zu Entypa stellt, über ihre Stellung im Zweifel. Er sagt ferner, daß ihre Arten eine Mittelstellung zwischen Entypa und Äntliostouia einnehmen. Dies ist, was die Sporen anlangt, ganz richtig, und wenn Nitschke nicht die Paraphysen der Endoxyla -Arien übersehen hätte und über das Wesen des Valsa-Ty^pus ganz im klaren gewesen wäre, so hätte er die Endoxyla -Arien gewiß zu Enantliostonia gestellt.
Sitzb. d. mathcm.-natiirw. Kl., Abt. I, 124. P.d. 5
66 F. V. Höhnel,
In der Tut unterscheiden sich diese zwei Genera nur durch die Form der Sporen. Ei/c/o.xyUi i*'uckel wird am zweckmäßigsten als drittes vSubgenus zu Auihoslonia gebracht: Anf/iostonm, I. EnJoxyhi Fuck., II. Ktuiutliosionni Ntschk., III. Lopadostouia N.
Mit Wüsa hat Eiuloxyhi nichts zu tim.
Noch sei bemerkt, daß für die echten X'alseen auch der völlige Mangel der Periphysen am Ostiolum charakteristisch ist, der mit dem Paraphysenmangel in Zusammenhang steht.
887. Über Diatn^pella nigroannulata (Grev.i Nitschke
Daß diese Art der DiaiiypcIUi vcrntcciifoniüs i'Ehrh.) sehr nahe steht, ist bekannt. Ich fand nun, daß die typische I). vcrnicüt'fdi-niis meist nur an dickeren Zweigen auftriit und sich um so mehr der D. uiiii-oannuUüa in der Beschaffen- heit nähert, je dünner die Zweige werden. An etwa 5 ////// dicken /^c/^i.^V/.s'-Zweigen findet man nur die D. iii^i^z-ojinnilüfci, an den dickeren Ästen desselben Zweigsystems hingegen nur die I). vcn-iicaeforuiis und dazwischen alle Übergänge. Die dünnen Zweige haben ein schwächeres Periderm, durch das dann das Stroma des Pilzes als schwarzer Ring durchscheint.
An .4/7///.s--Zweigen kann man genau dasselbe beobachten, nur daß bei diesen das Periderm nicht durchscheinend ist.
D. nigroauuiilaia (Grev.) ist daher keine selbständige Art. sondern nur die kleinere Form von D. vcrnicacfonnis an dünneren Zweigen, die dementsprechend auch weniger Perithecien im Stroma aufweist. Die Perithecien beider Formen sind etwa 0'4 bis O-otnm und die Sporen 1"8|a breit.
Der in Rehm, Ascomycetes, Nr. 1843, als D. iiig'ra- aiiuulata (Grev.) N. ausgegebene Pilz hat deutlich größere, 0-7 Htm breite Perithecien und nur 1'4 bis l*ö;x breite Sporen. Es ist nicht diese Art, sondern gehört zu D. aspcrii (Fr.), mit der er auch äußerlich stimmt, nur sind die Ostiola meist kurz, was bei dieser Art oft vorkommt.
888. Über Nitschkea Flageoletiana Sacc.
Aus der Beschreibung dieser Art (Syll. fung., XV4I. Bd., p. .")(') Fl ist zu ersehen, daß dieselbe kurz länglich-spindel-
Fragmente zur Mykologie. 67
förmige, beidendig stiimpfliche, häufig ungleichseitige Sporen mit \"ier Öltropfen und radial- gebaute Perithecien hat. Daraus geht her\'or, da(3 dieselbe keine Xi/schkcii sein kann, sondern eine Microthyriacee sein werde.
In der Tat zeigte mir die Untersuchung des von I'^la- geolet gesammelten Originalexcmplars aus dem Herbar Rehm's, daß der Pilz eine ganz typische Microthyriacee ist. Die Originalbeschreibung ist ziemlich gut. Wenn die Sporen tatsächlich einzellig sind, so muß der Pilz als Myiocoprou Flageolett aiumi (Sacc.) w H. bezeichnet werden. Es ist aber wahrscheinlich, daß die Spoi^en nicht ganz reif sind und schließlich zwei- bis vierzellig werden könnten, in welchem Falle dann noch die Microthyrlaceengattungen Microlliyriinii Desm. und Phrd^aiiiof/iyriiiiii v. H. (Fragm. zur Mykol., 1912, XIV. Mitt., Nr. 725) in Betracht kämen, wenn die Sporen hyalin bleiben.
889. Über Sphaeria Janus Berkele\^ et C'urtis.
Der Pilz wird in der Sylloge fungorum (IL Bd., p. 85) als Leptosplmeria angeführt. Berlese (Icon. fung., 1894, i. Bd., p. 88) fand, daß das Originalexemplar des Pilzes steril ist. Das in Ellis, North Americ. fungi, Nr. 1299, ausgegebene Exemplar gehört nach ihm vielleicht zu Mciasphacria. Bei der höchst charakteristischen Beschaffenheit des Pilzes, der schon makroskopisch leicht zu kennen ist, kann es nicht zweifelhaft sein, daß das Exemplar in Ellis' Exsiccaten- sammlung echt ist. Es stimmt auch äußerlich gut mit den Angaben in Grevillea, I\\ Bd., p. 150, die in der Sylloge fungorum wiedergegeben sind.
Die Untersuchung des Exemplars in Ellis' Sammlung zeigte mir, daß der Pilz auf den Blättern von Oncrcits vlreus auf bräunlichen, rundlichen, allmählich xerlaufenden, 4 ////// breiten Flecken auftritt. Im Blattparenchym dieser Flecke findet man braunviolette, 4 bis 9 [x breite Hyphen, die die ganze Blattdicke durchsetzen und auf beiden Seiten unter der Epidermis kleine Stromata bilden, die stark herxorbrechen. Blattoberseits finden sich in jedem F'lecke nur 1 bis 12 Stromata; diese sind unregelmäßig gestaltet, etwa 1(30 [x dick und 200
68 F. V. Höhnel,
bis 700 [X breit, oft länglicii. Sie enthalten bis 12 eiförmige, bis 140 [X hohe und 80 bis 120 [x breite Loculi, die sich oben rundlich 30 bis 50 [x weit öffnen. Die Loculi enthalten zahl- reiche keulige, fast sitzende, 60 bis 70 ä 9 jx große Schläuche mit untypischen fädigen Paraphysen. Die Asci enthalten acht hyaline, schief einreihig oder zweireihig liegende, zweizeilige, spindelige oder fast keulige, an den Enden stumpfliche Sporen, deren obere Zelle meist wenig größer als die untere ist. Die Sporen sind zartwandig und enthalten ein feinkörniges Plasma. Der Pilz ist nicht völlig ausgereift, ich sah jedoch die Sporen auch außerhalb der Asci. Sie sind 18 bis 20 c; 4 [x groß. Das Stromagewebe ist violettbraun und offenzellig parenchyma- tisch. Die Zellen sind etwa 5 bis 8 (x groß und in den etwa 12 [X dicken Trennungswänden der Loculi etwas gestreckt.
Auf der Blattunterseite treten hingegen auf den Flecken die Stromata in sehr großer Zahl auf, sind oft fast kon- zentrisch angeordnet und werden gegen den Rand der P4ecke immer kleiner. Die größeren in der Mitte sind knollenförmig, 150 bis 250 [X breit und 140 [x dick. Sie enthalten 3 bis 4 Loculi, die sich oben rundlich 30 jx weit öffnen. Die Sporen gleichen denen der Stromata der Blattoberseite, die Asci sind etwas kürzer. Die kleinen Stromata am Rande der Flecken enthalten nur einen Loculus.
Nach diesen Angaben ist der Pilz eine t3^pische Doflii- della, die DotliideJIa Janiis (B. et C.) v. H. genannt werden muß. Höchst auffallend ist das Verschiedensein der Stromata auf den beiden Blattseiten.
Wie ich schon in diesen Fragmenten, 1911, XIII. Mitt., Nr. 692, angegeben habe, sind Dot/iiJella Speg. und Etuya- chora Fuck. voneinander verschiedene Gattungen.
Auf Oiier'cns-^Viiiiexn ist bisher eine Dotlüdella nicht bekannt gewesen, denn die Dothidella Knsanoi P. Henn. ist nach Fragm., Nr. 500 (1910, X. Mitt.) eine Coccochora v. H.
890. Über Leptosphaeria agminalis Sacc. et Morthier.
Der Pilz ist beschrieben Ende 1879 in Michelia, I, p. 498. Die V^erfasser bemerken mit Recht, daß derselbe den Habitus
Fragmente zur Mykologie. 69
einer Botryosphacria hat, vermuten aber irrtümlich, daß er mit BotryosphaaHa Dnlcainarae (K. et S.), die eine Cuciir- hitaria ist, den Typus einer neuen Gattung bilden könnte.
Um dieselbe Zeit (Ende 1879) beschrieb Niessl (in Kunze, P\ingi selecti, Nr. 337 [n. g.]) denselben Pilz als Leptosphaeria rimalis. Nach Winter (Rabenhorst, Krypt. Fl. Deutschi., II. Aufl., Pilze, IL Abt., p. 469) ist der Speziesname »agminalis« etwas älter. Winter sagt, daß der Pilz eine der schönsten Arten der Gattung Leptosphaeria ist. Derselbe scheint selten zu sein. Von Exsiccaten kenne ich nur das in Rabenhorst-Winter, F. europ., Nr. 2758, ausgegebene. Die übrigen meiner Sammlung sind falsch (Sydow, Mycoth. march., Nr. 2422; Roumeguere, F. sei. exs., Nr. 3148 und 5849).
Der Pilz wird überall als Leptosphaeria aufgeführt. So namentlich auch von Berlese (Icones fung., 1894, I. Bd., p. 67, Taf. 53, Fig. 5). Derselbe zeichnet dünnwandige, neben- einanderstehende Perithecien. Diese Zeichnungen sind aber ganz falsch. Nach sehr gut entwickelten Exemplaren vom Sonntagsberg in Niederösterreich ist der Pilz eine ganz typische Dothideacee.
Das eingewachsene, lange, schmale Streifen bildende Stroma wird bis 700 [x dick und zeigt oben eine 45 bis 55 [i dicke, großzellig parenchymatische Decke, unter der in einer Reihe die ellipsoidischen, 340 [x hohen und 310 [x breiten Loculi liegen. Unter diesen befindet sich eine 270 [j. dicke Stromagewebsschichte, die aus undeutlich senkrecht gereihten, 20 bis 40 [x großen Zellen besteht. P^igene Perithecienwände fehlen völlig.
Der Pilz unterscheidet sich generisch sowohl von Rhopo- graphiis Nitschke wie von Honwstegia Fuck. Rliopo- graphus ist dothideoid (offenzeH'ig parenchymatisch) aufgebaut, das Stroma ist aber mit der Epidermisaußenwand verwachsen und entwickelt sich in der Epidermis.
Honiostegia Fuck. scheint mir nach Winter's Angaben (1. c, p. 916) und dem, was ich gesehen habe, eher eine stro- matische Sphaeriacee als eine Dothideacee zu sein und kommt auch als Flechtenschmarotzer nicht in Betracht. Am ähnlichsten ist Montagnella Opiiniianiin Speg. gebaut (in diesen Fragm.,
^<' F. V. Höhncl,
H)0<1. Vli. Mitt., Nr. 319). Indessen ist auch hier das Stroma mit der F.pidei-mis verwachsen und zerfällt oben in peri- thecienähnliche getrennte Loculi, während das Hypostroma nur schwach entwickelt ist. Als Montagnellee kann der in Rede stehende Pilz nicht betrachtet werden.
Er stellt in der Tat eine eigene neue, typische Dothi- deaceengattung dar.
Dothideopsella n. g.
Doiliideaceac. Stroma schmal und lang, dick, tief in der Kinde eingewachsen, wenig hervorbrechend, aus großen, offenen, kohligen Parenchymzellen bestehend. Loculi oben einreihig, eiförmig, ohne Ostiolum, sich unregelmäf3ig öffnend. Para- phj^sen vorhanden. Asci achtsporig. Sporen gefärbt, mit mehreren Querwänden.
Typusart: DotlüdcopscUu Ligmiiuilis (Sacc. et Morth.) v. H. Syn.: Leptosphaeria aginiualis .Sacc. et Morth. 1871).
Leptosphdcriü riiini/is Niessl 1879.
Dieser krasse Fall zeigt, daß die übliche Quetschmethode nicht geeignet ist, die richtige Stellung eines mikroskopischen, aus Geweben bestehenden Pilzes festzustellen.
Die Gattung Dotlüdcopsclla steht offenbar dem Genus Phragiiiot/othis Theyss. et S^'d. (Ann. mycol., 1914, XII. Bd., p. 179) nahe, scheint niir aber durch die langgestreckten kaum hervorbrechenden .Stromata und die in einer Längsreihe liegenden Loculi sowie dadurch, daß sich die Stromata oben nicht polsterförmig verbreitern, davon hinlänglich verschieden.
Die Phragniodothis conspicna (Griff.) Th. et .S. hätte wohl niemand als Leptosphaeria beschrieben.
891. Über Cheilaria Arbuti Desmazieres.
Der Pilz ist in Ann. scienc. nat. Botan., 1846, III. Ser., VI. Bd., p. 68, beschrieben, wird als synonym mit yDothidea Arbuti .Spreng, ex cl. Solei rol-Duby, Bot.« bezeichnet und ist in Desmazieres, PI. cryptog. France, 1846, Nr. 1525, aus- gegeben. Der Pilz ist in der Syll. fung., III. Bd., p. 23, als PliyHosticta Arbuti (Desm.) Sacc. eingereiht,
l'"ragmentc zur Mykologie. 71
Derselbe ist nach dem Originalexemplai" eine ganz un- reife Dothideacee (Montagnellee?); das Stroma ist in und unter der Epidermis eingewachsen. Die kleinen zahlreichen Loculi brechen peritheciuniartig etwas hervor. Einzelne Loculi enthalten auf büschelig verzweigten Trägern stäbchenförmige, hyaline, 3 « 1 [x große Conidien.
Der Pilz scheint bisher im i'eifen Zustande noch nicht gefunden und beschrieben worden zu sein und ist als unreif x'orläufig zu streichen.
892. Ciboria glumiseda v. H. n. sp.
Pilz graubräunlich; Ascomata schalenförmig, bis {-'Imm breit, auf meist \erbogenem, oben kahlem, unten von hyalinen, 2 bis 4 [j, breiten Hyphen wolligem, 2 bis 7 ////// langem, 150 bis 260 |x dickem Stiele. Bau prosenchymatisch. Asci fast zylindrisch, zartwandig, langgestielt, achtsporig, 125 -- 5 bis 8 [j.. -Sporen 'einzellig, hyalin, eiförmig oder länglich, nach beiden stumpflichen Enden etwas verschmälert, 7 bis 10^3 bis 4'5|j,, schief einreihig im Ascus; Paraphysen sehr zahlreich, fädig, l"5;j, breit, nach oben allmählich auf 2 bis 2-5 »x veibreitert. Jod gibt nirgends Blaufärbung.
.Auf am Boden liegenden Fruchtährchen V(jn Aira cdcspi^ /(»Sil, meist an den Spelzen, aber auch auf den Caryopsen sitzend, in den Torfmooren von Schrems im niederöster- reichisclien \Vaid\-iertel, leg. V. Nabelek, Juni 1914.
Ist eine der kleinsten unter den Ciboria -Arten. Die An- gabe über die Färbung ist nach Spiritusmaterial gemacht, daher verbesserungsbedürftig. Da eine Angabe über die Nähr- pHanze nicht vorlag, mutete die Feststellung derselben durch X'ergleich der Ahi-chen vorgenommen werden.
893. Über Sphaeronaema senecionis Sydow.
Der Pilz ist in Annal. myc, 1905, III. Bd., p. 185, be- schrieben und in Sydow, Mycoth. germ., Nr. 518 und 71."-), ausgegeben.
Die Untersuchung des Exemplars Nr. 518 zeigte mir, daß der Pilz identisch mit Plunud acuta Fuck. in Saccardo, Syll. fung., III, p. 133, ist.
72 F. V. Hühnel,
Was die Benennung dieses Pilzes anlangt, so zitiert Fries in S^^stem. mycol., 1823, II. Bd., p. 507, bei Spliaerla acuta Hoffm. die beiden Exsiccate Sclerom. suec, Nr. 118, und Moug. et Nestl., Nr. 181. Diese sind aber voneinander verschieden; das erstere ist nach Cooke (Brit. Fung., II, p. 901 [n. g.]) ein Spermogonienpilz, das zweite ist, wie ich mich selbst überzeugt habe, die Leptosphaeria acuta (M. et N.). Unter diesen Umständen wird es am besten sein, den Coni- dienpilz als Phoma acuta Fuck. zu bezeichnen und die älteren Autoren, die offenbar mindestens zwei Pilze mitein- ander verwechselt haben, außer Spiel zu lassen. Aber auch Phoma acuta Fuck. ist eine Mischart. Fuckel selbst (Symb. myc, 1869, p. 125) unterscheidet zwei P'ormen derselben; die eine auf Ballota, die andere auf Urtica, die zu zwei ver- schiedenen Opltiolobns-J\rten gehören sollen, also doch ver- schieden sein müssen. Daß dies so ist, weise ich weiter unten nach.
Das nähere Studium des Pilzes ergab folgendes. Die rundlichen, 430 [x großen Pycniden, die ursprünglich ein- gewachsen waren, werden durch den Abwurf der Rinde ganz oberflächlich. Medianschnitte zeigen, daß die Pycnidenmembran 50 bis 60 jj- dick ist und aus 5 bis 6 Lagen von 8 bis 15 jx großen, polyedrischen Parenchymzellen besteht, die nicht zusammengepi'eßt sind und eine mehr minder dunkle bis schwarze Mittellamelle besitzen, auf die eine subhyaline, 4 bis 6 [X dicke Verdickungsschichte gelagert ist.
Flächenansichten zeigen, daß die Zellen in deutlichen, gegen das ganz kurz bis lang geschnäbelte Ostiolum gerich- teten Längsreihen stehen. Die Basis der Pycniden ist sub- h3'alin und zeigt einen flachkonischen, etwa 100 [x dicken, in den Pycnidenraum ragenden Vorsprung, der aus senkrechten, nach oben schwach divergierenden Reihen von großen hyalinen Zellen besteht. Innen ist die Pycnide überall mit einer sehr dünnen (kaum sichtbaren), hyalinen Zellschichte ausgekleidet, auf der die etwa 6 bis 7 \x langen, einfachen, sehr dünnen Conidienträger dicht parallel nebeneinander sitzen. Sowohl diese Träger wie die hyalinen, stäbchenartigen, etwa 6 ^ 1 [a großen, geraden Conidien, die jedenfalls wiederholt entstehen,
Fragmente zur M3'kologie. 73
verschleimen außen stark und zeigen daher eine undeutliche Membran. Der Conidieninhalt erscheint öfter fast perlschnur- förmig, drei- bis sechsmal eingeschnürt. Schließlich tritt im Alter wenigstens an der Basis eine völlige Verschleimung des Hymeniums ein. Man sieht dann den flachkegeligen Vorsprung an der Basis mit einer 50 \i dicken, scharfbegrenzten Schleim- schichte bedeckt, in die einzelne Zellreihen als hyaline, 40« 16 [i große, zartwandige Papillen hineinragen.
Jene Phoma -Arten, welche im wesentlichen den geschil- derten Bau haben, also insbesondere kleine, dünne, stäbchen- förmige Conidien und kurze einfache Träger besitzen, müssen gencrisch von den anderen Phoma -Avten ähnlichen Baues, aber mit länglichen bis kugeligen Conidien abgetrennt werden, weil nach meinen Erfahrungen die Pycnidenpilze mit kleinen Stäbchenconidien stets eine andere metagenetische Zugehörig- keit haben und etwas anderes darstellen. Ich nenne die Gattung
Leptophoma n. g.
Pycniden ursprünglich eingewachsen, schließlich meist durch den Abwurf der Rinde oberflächlich, mit flachem oder kurzgeschnäbeltem Ostiolum. Pycnidenmembran oft derb, häutig-lederartig, braun bis schwarz. Conidienträger kurz, einfach, Conidien klein, dünn, stäbchenartig, gerade. P^^cniden von Leptosphaeria -Arten.
Typusart: Leptophoma acuta v. H.
Es sind zahlreiche Phoma -Arten mit dünnen, kurzen, stäbchenartigen Conidien beschrieben worden. Die Unter- suchung derselben muß lehren, welche davon zu Leptoplioma gehört.
Was die Zugehörigkeit der Phoma acuta der Autoren anbelangt, so sind die Angaben hierüber geteilt.
Während Karsten, Cooke, Krieger u. a. Phoma acuta als Nebenfrucht von Leptosphaeria acuta (Moug. et Nestl.) betrachten, nimmt Fuckel an, daß sie zu Ophiobotus- Arten gehört.
Von der natürlichen Annahme ausgehend, daß Pycniden, die in der Größe und P'orm den dazugehörigen Perithecicn
74 F. V. Hühnel,
ähnlich sind, auch einen ähnHchen Bau der Gehäusewandung haben werden, verglich ich den Bau der Pycnidenmembran der oben beschriebenen Plimnci acuta mit dem der Perithecien \"on Lcptosphaeria acuta und fand, daß beide genau den gleichen Bau und die gleiche (Iröße der Membranzellen be- sitzen, so daß man sie im Baue des Gehäuses nicht \on- einander unterscheiden kann.
Es ist daher kein Zweifel, daß die oben beschriebene Pküina aculii eine Pycnide von Leptosp/iacria acuta (Moug. et Nestl.) ist. Davon kann man sich auch leicht an den beiden Exemplaren in Krieger, F. saxon., Nr. 1498 (PJioiiid acuta) und Nr. 1470 (Leptosplnwria acuta), beide vom selben Standorte herrührend und beide auf Urtica J/o/ca gewachsen, überzeugen.
Hingegen haben die beiden (J/Tti/otviliis -Avttn, welche Euckel zur I^tu>uia acuta zieht, eine ganz anders gebaute Perithecienmembi'an, welche dünn ist und aus zusammen- gepreßten Zellen besteht. Daher kann zwischen Opliiohotus und Pfionia acuta keine Beziehung bestehen.
Bei dieser Gelegenheit habe ich mich nun aber davon überzeugt, daß die Ptioma acuta der Autoren eine Mischart ist, die wahrscheinlich aus xielen einander sehr nahestehenden Lepiophoma -Arten besteht, die zu x'erschiedenen Lcpto- sphaeria-Avten als P3^cniden gehören. Zwei davon kenne ich_ Die eine ist die oben besprochene, die andere ist die »P/wma acuta« in Allescher und Schnabl, Eungi bavarici, Nr. 570, welche gewiß zur Lcptosphaeria DoJiotuui gehört. Diese ist ganz so gebaut wie die oben beschriebene, nur ist sie etwas kleiner, manchmal rund und mit kurzem Schnabel, häufig aber ganz flach und unregelmäßig gestaltet und mit flachem Ostiolum; die Hauptsache ist aber, daß die FVcnidenmembran nur 40 bis 45 \i dick ist und die Zellen nur 6 bis 8 \i breit. Ganz so ist auch die Perithecienmembran \'on Lcptosphaeria Dolioluin gebaut, die mit dem Pycnidenpilz zusammen auf denselben 6^/'//ra-Stengeln wächst und sicher dazu gehört. Genau dieselbe Pycnidenform ist auf 7?c//A'/c/-Stengeln von Fuckel in P\ rhen., Nr. 578, ausgegeben.
Fragmente /Air .Mykolnoic, 7o
Ich nenne diese Form Lcpioplioiiui Duliolnni \\ 1 1. Sie isl \'ün P/ioiiui Doliolnui Kai' st. (Medell. Soc. Fauna et Flora Fenn., 1888 bis 1891, p. 9) mit 8 bis l'i - 2 \). großen Conidien völlig verschieden.
Es kommen daher auf ^'/V/t-cz-Stengeln mindestens zwei \erschiedene ^Phoiiiu iiciila^< vor.
894. Über Sphaeronaema Paeoniae \ . H.
Der in \'erhandl. Zool. Bot. Ges. Wien, 1910, (30. Bd., p :■. I 2 nur namentlich angeführte Pilz ist nach erfolgler Untersuchung eine Lcf/np/ioiini, die der Leptoplioiua aciüa (Fuck.) \". H. äußerlich ähnlich, aber davon verschieden ist. Er wird Lcplo- plionui Pacoiiiüc v. H. zu nennen sein. Es läßt sich aber kaum feststellen, ob er nicht schon beschrieben ist.
Die Pycniden sind rundlich, oft unregelmäßig und ohne .Schnabel; letzterer kann jedoch bis 80 jx lang werden bei einer Pycnidengröße von 280 bis 300 \).. Die Pycnidenmembran ist nur 12 \s. dick und besteht aus wenig zusammengepreßten, dunkelbraunen, 4 bis 8 ;x breiten Parenchymzellen, die in 3 bis 4 Lagen stehen. Innen sitzt darauf eine dünne h^^aline .Schichte mit den einfachen, 8 bis 10-- 1 [x großen Conidien- trägern. Die hyalinen stäbchenförm.igen Conidien sind meist gerade und 5 bis ()^0-8|j, groß. Die Pycniden sind außen \'on vorstehenden Zellen etwas rauh und zeigen an der Basis 3 (X breite, braune Hyphen. Nach Abwurf der Epidermis stehen die Pycniden obertlächlich. Gehört zu einer Lcplosphcicria. Auf dünnen Pt?t.v;//m-Stengeln am Sonntagsberg in Nieder- österreich, 1908, leg. P. P. Strasser.
895. Über den Pycnidenpilz vorj Ophiobolus porphyrogonus
(Tode).
An dürren Stengeln eines 1901 im Wienerwald ge- sammelten, größeren Krautes (Scroplinlaria}) fand ich auf rötlich verfärbten Flecken eine Plciirophoma, von der ich vermutete, daß sie der Pycnidenpilz von Ophiobolus porphyro- goHus (Tode) sein werde. Der mikroskopische Vergleich des Baues und der l-^ärbung der Pycnidenwandung mit denen
76 F. V. Höhncl,
•
der Perithecienmembran des Ascuspilzes ergab eine so voll- kommene Übereinstimmung beider, daß ich nicht daran zweifle, daß die gefundene Plenropkoma der Pycnidenpilz des 0. porphyrogomis (Tode) ist.
\'on Ophiobol HS -Arien sind bisher mit Sicherheit keine Nebenh^uchtformen bekannt geworden. Fuckel (Symb. myc, 1869, p. 125) gibt für drei Opliiobolns- Arten Nebenfruchtformen an, die aber gewiß nicht dazu gehören. Tulasne (Sei. fung. Carpol., 1863, II. Bd., p. 255) gibt für weitere zwei Arten Pycnidenpilze an, deren Zugehörigkeit zum Teil sehr un- wahrscheinlich ist, zum Teil noch der Bestätigung harrt.
Der gefundene Pilz, Plcnroplionia porphyrogona v. H., hat eingewachsene, später durch Abwurf der Epidermis frei- gewordene, schwarze, etwa halbkugelige, bis 250 |x breite, 150 [x dicke Pycniden, mit flachem, rundlichem, 6 [j. breitem Ostiolum. Die Pycniden liegen in einer dünnen Filzschichte, die aus 3 bis 4 [x breiten, braunvioletten bis weinroten Hyphen besteht und auf den Pycniden eine bis 28 [i dicke Lage bildet. Die etwa 16 [j, dicke Pycnidenmembran besteht aus 4 bis 5 Lagen von etwas zusammengepreßten, 4 bis 8 [j< großen Parenchymzellen. Die Conidienträger sind an der Basis der P3^cniden bis 40 [jl lang, hingegen oben viel kürzer. Sie sind büschelig- baumartig verzweigt, der Hauptstamm sowie die unteren Seitenzweige sind 3 bis 4 [x dick und bestehen aus 4 bis 6 [i langen Zellen. Die stäbchenförmigen, hyalinen, meist geraden, 5 bis 6'5:=:;0'8 |x großen Conidien sitzen an den Querwänden seitlich, je eine auch an der Spitze der Zweige.
Mit Plevirophoma porphyrogona v. H. wäre zu vergleichen Dendrophoma marchica Diedicke (Krypt. Fl. ßrandenb., 1912, IX. Bd., p. 198), die wahrscheinlich auch eine Plcnro- phonia und vielleicht mit meiner Art identisch ist. Jedenfalls aber wird sie auch die Nebenfrucht eines Ophiobolns sein.
Die PlenropJwma pleurospora (Sacc.) v. H., der Typus der Gattung (in diesen Fragm., 1914, XVI. Mitt., Nr. 856), wird auch zu einer Ophiobolns -Art gehören. Der Pilz kommt auf den verschiedensten Pflanzen vor, ich fand ihn auch auf dürren Hülsen von Sarothamnns. Damit dürfte identisch sein Dendro- phoma Saroiluunui Diedicke (1. c, p. 199).
Fragmente zur Mykologie. t 7
896. Über die Gattung Chaetomella l'uck.
Die Gattung ist in P^ickel, Symbol, mycol., 1869, p. 401, auf Grund von zwei Arten aufgestellt worden. Die erste Art, ChaetouicUa oblonga Fuck., hat hyaline Conidien, während die zweite, Ch. atra Fuck., subhyaline Conidien besitzt. Sic sind generisch voneinander verschieden.
Daher hat Saccardo in der Syll. fungorum, 1884, III. Bd., p. 321, zwei Subgenera aufgestellt: Endiaetoinclla und Mclo- chaeta. Anstatt nun aber zu Eiichaetomella die Typusart Ch. oblonga zu stellen und zu Melochaeta die zweite Art, machte er es gerade umgekehrt; daher ist Melochaeta Sacc. 1884 =: Chaetomella Fuck. 1869.
Zu Chaetomella dürfen nur jene Pilze gestellt werden, welche so wie Ch. oblonga gebaut sind, die in den P\mg. rhen., Nr. 1962, ausgegeben ist. Der Pilz wurde nur von Fuckel ein einziges Mal gefunden. Er ist sehr charakteristisch gebaut und findet sich an überwinterten, am Boden faulen- den Blättern der Rosa, rnbiglnosa.
Die Pycniden stehen oberflächlich, zerstreut, meist blatt- unterseits. Sie sind frisch fast kugelig, verschieden groß, meist 360 bis 470 jx breit und etvv'a 310 [x hoch; sie zeigen unten einen breiten flachen Stiel (100 bis 160 5=; 30 bis 60 [x). Seitlich imd oben sitzen auf den Pycniden steife, 180 bis 300 [j. lange, unten braunschwarze, opake, 11 bis 18 [x dicke, nach oben durchscheinend braun werdende, mit meist vier Querwänden versehene Borsten in geringer Zahl (etwa 10 bis 20). Die oberste Zelle der Borsten ist häufig keulenförmig erweitert, dünnwandig, blaß und, wenn gut entwickelt, bis 60^ 12 bis 15 [X groß. Trocken sinken die Pycniden schüssei- förmig ein oder erscheinen seitlich zusammengedrückt. Im letzteren häufigeren Falle werden sie unten etwas konkav und haben dann eine nierenförmige Gestalt (siehe Fuckel, 1. c, Taf. III, Fig. 3). Ein rundliches Ostiolum fehlt völlig; die Pycniden öffnen sich oben mit einem bis über 200 ix langen Längsspalt, der vorgebildet und dunkel berandet ist.
Die Pycnidenmembran ist schön kastanienbraun, unten seitlich etwa 30 [x dick und zirka achtzellschichtig, oben 1 2 [x
78 F. V. Höhncl,
dick und vierzellschichllg. Die Zellen sind üben parenchyma- tisch, 5 bis (S jj. breit, etwas zusammengepreßt und in undeut- lichen, dem Längsspalt senkrecht zulaufenden Reihen geordnet. Die inneren Zellagen haben eine braune Mittellamelle und eine starke hyaline Verdickungsschichte. Im unteren 'J'eile der Pycniden sind die Zellen etwas gestreckt und größer (20 bis 2.") ^ 0 bis 7 [i) und nach aufwärts gerichtet. Auf der innersten Zellage sitzen die Conidienträger, welche dicho- und trichotomisch verzweigt sind. Das Basalstück derselben ist 16 bis 20^2 bis 3 [x groß und oben abgestutzt; darauf sitzen 2 bis 3 Zweige, die sich ebenso verhalten; die Zweige zweiter Ordnung sind sehr dünn und laufen in sehr feine, lange, gerade Spitzen aus. Einzelne dieser kaimi 1 ;x dicken, geraden Zweige können bis über 200 [i lang werden, sie bilden Plagellen, die das ganze Limien der Pycniden durch- setzen. Diese eigenartigen Conidienträger kleiden die P^^cniden innen ringsum aus, sind aber unten seitlich am längsten. Die einzelligen hyalinen Conidien sind gerade oder kaum gekrümmt, zylindiisch-spindelförmig, an beiden Enden schief zugespitzt und 10=-l-5a groß. Sie sitzen an den unteren dickeren l'eilen der Zweige der Conidienträger seitlich auf, lösen sich aber sofort ab und füllen als eine zusammen- hängende Masse die ganze Pycnide aus.
Man sieht, daß (liaeiouieUa oblouga Fuck. höchst charak- teristisch gebaut ist. Entsprechend den gemachten Angaben muß die Gattungsbeschreibung \'on Chacfoinclla \-erbessert werden.
897. Über Sphaeronaema cylindricum (Tode) Fries.
Die Untersuchung des Originalexemplars dieses in Fries, Systema mycol., 1823, II. Bd., p. 583, beschriebenen Pilzes, in Sclerom. sueciae, Nr. 273, das die Var. affina enthält, zeigte mir, daß der l^ilz gar keine Sphaeronaema im heutigen Sinne ist, sondern das, was man im Sinne der Sylloge fun- gorum — aber mit Unrecht — eine SpliaerouaenwIIa nennt.
Die l^ycniden stehen auf schmutzig blaugrünlich ver- färbten Stellen des morschen Holzes einzeln oder gruppen- weise, ganz oberflächlich. Sie sind unten schwach bauchig,
Frai'inenle zur Myki)lo,£;ie. t i'
oben abgeiLindet und kurz zylindiisch und sitzen mit etwas \erschmälerter Basis auf, sind 105 bis 170 |x hoch und 00 bis 80 [j- breit. Mit der Lupe erscheinen sie schwarz, unter dem Mikroskop schmutzig olivengrün und an der. Spitze fast bläulich. Das Gewebe ist weich, fleischig und ist ganz un- deutlich länglich-zellig, niu' an der Spitze ist der Bau pros- enchymatisch. Das Gehäuse ist innen weit hinauf mit nur einigen Mikron langen, einfachen Conidienträgern besetzt, die zylindrische, gerade, hyaline, 8-5 3: 0-9 ;x große Conidien bilden, die durch das Ostiolum austreten.
Das geringe Material erlaubte keine nähere Untersuchung auf Schnitten.
Der Pilz ist eine ausgesprochene Nectrioidee und mül.Ue nach dem usuellen Vorgang als Sphaerouaeuwlla bezeichnet werden; allein diese von Karsten aufgestellte Gattung (Hedwigia, 1884, 23. Bd., p. 1 8j beruht auf SpliaerouacnicUa HelvcUiic (die mit Sphaenuhuiua blepharistoniuiii B. et Br. 1837 und Spli. vilraciiiu Corda 1837 identisch ist), welche von den i^ibrigen in der Gattung später eingereihten Arten so total verschieden ist, daß ihr Beisammenbleiben in derselben unmöglich ist. Sphaeronaemella im Sinne der Syll. fung. ist eine arge Mischgattimg, die erst aufgeklärt werden muß.
Fuckel hat als Sph. LyliiiJr/ciiiii Fr. zwei Exsiccate ausgegeben, von denen er selbst sagt, daß sie wesentlich \oneinander abweichen fSymb. mycol., 1. Xachtr., 1871, p. 12 I300J und p. 53 [341]).
Die Untersuchung zeigte mir, daß das Exemplar in Fungi rhen., Nr. 771, die echte S/^Ii. cyliiulricinn ist, nur sind die Pycnidenwände viel zarter als bei Fries' Originalexemplar. Ja, bei einzelnen auch mit der Lupe nicht sichtbaren und daher nur zufällig gefundenen Pycniden ist die Wandung fast hyalin, blaß blau. Die Conidien stimmen völlig überein. iJ)araus ersieht man, daß der Pilz, wie oben gesagt, keine Sphacroiiacnui ist.
Das zweite Exemplar in der Fungi rhen. (ohne Nummer) ist in der Tat ein ganz anderer Pilz, mit ähnlichen, aber etwas dickeren Conidien und mit einer dunkelbraunen, aus parallel verwachsenen Hyphen bestehenden I^'cnidenmembran.
80 F. V. Höhnel,
Fuckel hielt irrtümlicherweise diesen Pilz Rir das echte Sph. cylindrictim. Ich fand denselben Pilz auf dem gleichen Substrat, Rotbuchenholz, auch 1904 im Wienerwald und be- schrieb ihn in Fragm., Nr. 922, als neue Gattung, Contu- copiella.
898. Über Sphaeronaema Fuckelianum Sacc.
Der von Fuckel (Symb. mycol., 1869, p. 274) als Pycniden- pilz von Dothiora sphaeroides Fuck. ohne Namen beschrie- bene Pilz ist in der Sylloge fungorum, 1884, III. Bd., p. 189, unter obigem Namen angeführt und von Fuckel in den Fungi rhen., Nr. 1718, ausgegeben worden. Der sehr schwer sichtbare Pilz wächst oberflächlich auf dem Periderm meist in 1 bis l'bmm breiten Raschen zu wenigen dicht neben- einander. Die Pycniden sind kugelig bis birnförmig, oft un- regelmäßig gestaltet, 110 bis 200 [x breit und samt dem 70 bis 1 10 [X langen, 70 jjl breiten, abgestumpft konischen Schnabel bis 280 [x hoch. Sie sind mit einigen kurzen, braunvioletten, septierten, 3 bis 5-5 [j. breiten Hyphen auf der Rinde befestigt und opak-schwarz. Die Pycnidenmembran besteht aus etwa zwei Lagen von schokoladebraunen, 8 bis 10 |j. breiten, eckigen Parenchymzellen.
Der stumpfe Schnabel sowie der obere Teil der Pycnide sind von kegelförmigen oder halbkugeligen, warzenartigen Vorsprüngen rauh und uneben. Das Innere der Pycniden ist zum großen Teil mit den etwa 4 bis 5 [j. dicken, aus 4 bis 6 [j, langen Zellen bestehenden Conidienträgern, die stark ver- schleimen, ausgefüllt. Diese Conidienträger sind baumartig oder korallenartig verzweigt, anastomisieren auch miteinander und bilden so ein lockeres Geflecht.
Die Conidien entstehen an den Querwänden der Träger und ihrer Zweige seitlich, sind hyalin, stäbchenförmig, gerade und 3 bis 4i^0"5[j- groß. Sie treten in Ranken aus. Der Schnabel scheint nicht seiner ganzen Breite nach oben offen zu sein, sondern nur eine kleine Öffnung in der Mitte zu haben.
Der Nucleus des Pilzes ist ganz ähnlich gebaut wie bei Plectophoma v. H. (in diesen Fragmenten, 1907, IV. Mitt., Nr. 106).
I'ragmeiite zur Mylcolngie. 81
Der Pilz stellt eine eigene Fornigattung dar:
Plectonaemella v. H. n. g.
Sphaerioideae-OstioJatac. Pycniden ganz oberflächlich, frei, kohlig, geschnäbelt. Conidienträger dicht septiert, korallen- oder baumartig verzweigt, unten anastomisierend. Conidien hyalin, klein, stäbchenartig, an den Septen der Träger seitlich entstehend.
Typusart: Plectonaemella Fuckcliaiia (Sacc.) x. H., in Puckel, Fungi rhenani, Nr. 1718.
899. Über Sphaeria microscopica Fuck, (an Fries?).
Der Pilz ist in Fuckel, Symbol, myc, 1869, p. 275, als Pycnidenpilz von Do/liiora luntila (Fries) Fuck. beschrieben und in den Fungi rhenani, Nr. 2373, ausgegeben worden.
In Saccardo, Syll. fung., 1884, IIP Bd., kommt der Pilz zweimal vor. Auf p. 446 wird er als Stagoiiospora angeführt und p. 600 als Cormilaria. Er ist aber keines von beiden.
Die Untersuchung von Fuckel's Originalexemplar zeigte mir, daß der auch mit der Lupe nur sehr schwer sichtbare r^ilz ganz oberflächlich wächst. Es sind eiförmige, dünn- wandige, deutlich parenchymatische Pycniden, die an das Substrat durch wenige braune, 3 [x breite Hyphen befestigt und 50 bis 70 [x breit sind; oben gehen sie in einen 80 bis 90 [X langen Schnabel über, der an der Basis 20 [x, oben 13[x dick ist und ein Ostiolum hat. Der Schnabel ist aus nui- 1 bis 2 Lagen von parallelen, braunen, 2 [x breiten Hyphen auf- gebaut. Die Wandung des eiförmigen Teiles der Pycnide besteht nur aus einer Lage von 3 bis 5 jx breiten, braunen, eckigen Parenchymzellen. Die Conidien sind einzellig, schmal spindelförmig, gerade, zartwandig, beidendig scharf spitz, hyalin (in Haufen blaß bräunlich) und 20^1-5[x groß. Sie sitzen auffallenderweise nicht an dei' Wandung, sondern nui- in der Mitte der Basis der Pycnide auf einer hyalinen, un- deutlich zelligen Wucherung, von der die sehr dünnen (Conidienträger radiär ausstrahlen. Beim Zerdrücken der Pyc- niden tritt an der Basis ein etwa 60 |x breiter, rundlichei-
Sitzb. d. niathein.-naturw. K!., Abi. I, \'1\. BJ., 6
82 F. V. Höhne 1,
Körper heraus, der aus den radiär angeordneten Conidien- trägern und Conidien besteht.
Der Pilz ist daher ganz eigenartig gebaut. Er sieht äußer- lich dem Mycorkynchns exilis (v. H.) (Fragm. zur Mykol., 1902, I. Mitt., Nr. 31, sub Rhynchomyces) sehr ähnlich, ist aber ganz anders gebaut.
Am nächsten wird er mit CoUonema Grove (Syll. fung., X, p. 397) verwandt sein, ist aber schon durch den Schnabel davon verschieden.
Ob er mit der Sphaeria microscopica Fries (Systema mycol., 1823, II. Bd., p. 476) identisch ist, läßt sich nach Fries' spärlichen Angaben nicht entscheiden.
Der Pilz stellt eine eigene Formgattung dar:
Collonaemella v. H.
Sphaerioideae-Ostiolatae. Pycniden ganz oberflächlich wachsend, parenchymatisch, dünn, braunhäutig, lang ge- schnäbelt. Conidienträger dünn, einfach, von der Basis der Pycniden radiär ausgehend. Conidien einzellig, schmal spin- delig, spitz, hyalin.
Typusart: Collonaemella microscopica (Fuck.) v. H.
900. Über die Gattung Kellermannia Ellis et Everhart.
Die Gattung ist in Journ. of Mycology, 1885, I. Bd., p. 153, beschrieben, mit der Typusart Kellermannia yuccaegena E. et Ev. Im II. Bande, p. 111, derselben Zeitschrift wird die Be- schreibung dieser Art verbessert. Die Typusart ist in Ellis et Everhart, Fungi Columb., Nr. 149 und 783, ausgegeben.
Die Untersuchung derselben zeigte mir, daß die fast kugeligen, oben mit der Epidermisaußenwand verwachsenen und daher oben flachen, 280 bis 310 [j, breiten Fruchtkörper in und unter der Epidermis entstehen. Über dem Pilze liegt die sehr dicke, durchsichtige Epidermisaußenwand, durch welche der Pilz anfänglich als schwarzer Punkt sichtbar wird; später wird der mitflere Teil des schwarzen runden Fleckes gelblich. Die Fruchtkörper sind etwa 230 [x hoch, stehen einzeln oder verschmelzen zu zwei bis fünf vollständig. Außen
Fragmente zur Mykologie. 83
zeigen sie unten und seitlicli eine 80 bis 40 [j. dicke, schlechl abgegrenzte, schwarze, aus vielen Lagen von ziemlich kleinen, kaum zusammengepreßten, dunkelbraunen Parenchymzellen bestehende Schichte, die seitlich bis zur Epidermisaußen- wand hinaufreicht und mit ihr verwachsen ist. Diese schwarze Schichte fehlt daher oben und deckt die Fruchtkörper oben nicht. Innen schließt sich eine hyaline, etwa 6 bis 8 [x dicke Schichte an, auf der die Conidienträger sitzen. Im oberen Drittel der Fruchtkörper sitzt auf der schwarzen Außenschichte eine hellbraune, aus dünnwandigen, 5 bis (5 [i breiten Zellen bestehende Schichte, deren Zellreihen sich nach oben biegen und hier einen mit der Epidermisaußenwand verwachsenen, 180 [a breiten und 50 [a dicken, gelblichbraunen Discus bilden, der aus senkrecht stehenden, parallel ver- wachsenen, dünnwandigen, 10 bis 15^4 bis 5 [j, großen Zellen besteht.
In der Mitte des Discus befindet sich das rundliche, 15 bis 25 [X weite Ostiolum, das von einigen Lagen schwarz- brauner Zellreihen des Discus begrenzt wird. Das über dem gelbbraunen Discus befindliche runde Stück der Epidermis- außenwand wird abgesprengt und so das Ostiolum freigelegt. Von oben sieht man dann einen schwarzen, 50 [x dicken, 250 |j, breiten Ring, der die braune Discusscheibe einschließt, in deren Mitte sich das schwarze Ostiolum befindet.
Wenn mehrere Fruchtkörper miteinander verschmelzen, ist ein gemeinschaftlicher Discus vorhanden mit mehreren Öffnungen; dieser zusammengesetzte Discus ist von der ge- meinschaftlichen schwarzen Außenschicht begrenzt.
Die Conidienträger sind kurz, etwa 8^ 2 [k groß. Die Conidien sind hyalin, unten etwas dicker, keulig, haben eine deutlich doppelkonturierte Wandung, sind stets zweizeilig und meist 42 bis 52 ^^ 10 [x groß. Die obere Zelle ist nach oben etwas verjüngt und trägt hier eine schmal kegelige, steife, 8 bis 30 [i lange, unten 2 bis 3 jx, oben V 5 [x dicke, stumpf- liche Borste.
Man ersieht aus dieser Beschreibung, daß der Pilz eigen- artig gebaut ist, was auf seine Anpassung an die derbwan- dige Epidermis der y//rra-Blätter zurückzuführen ist.
84 F. V. Höhncl,
In der Gattung Kc/lcrniiiiin/ci stehen heute lauter Arten, die sicher nicht in dieselbe gehören oder von denen mir dies sehr zweifelhaft ist.
K. Polygoui Ell. et Ev. (Joun. of Myc, 188(3, II. Bd., p. 1 11) hat zwar zweizeilige, aber gelblich-hyaline, nur 3 bis 4[j. breite Conidien. Gehört kaum in die Gattung. Clements (Genera of fningi, 1909, p. 125), hat offenbar für diese Art die neue Gattung Chaetoconis ohne jede Berechtigung und Begründung aufgestellt.
K. sisyrhiuchü Ell. et Ev. (1. c.) gehört wegen der vier- zelligen, gelblich-hj^alinen Conidien nicht in die Gattung.
K. Rumicis Fautr. et Lamb. (Revue myc, 1897, XIX. Bd., p. 141) ist nach J. Lind (Rostrup's Danish fungi, 1913, p. 473) gleich Heteropatclla cercospenna (Rostrup), während Diedicke (Krypt. Fl. Brand., 1914, IX. Bd., p. 561) den Pilz noch als Kellennannia beschreibt. Da die beiden in Betracht kommenden Exsiccate meiner Sammlung, nämlich Roume- guere, F, sei. exs., Nr. 7134, und vSydow, Myc. march., Nr. 4866, keine Spur des Pilzes zeigen, bin ich nicht in der Lage, hier zu entscheiden. Doch wird die Synonymie in Lind's Werk richtig sein.
K. alpiiia Ell. et Ev. 1900 (Syll. fung., p. 950) ist nach der Beschreibung gewiß eine Heteropatella.
K. pritni Mc. Alp. 1902 (Syll. fung., XVIII, p. 362) gehört wegen der vier- bis fünfzelligen Conidien mit 2 bis 3 Cilien nicht in die Gattung.
Noch sei bemerkt, daß K. yiiccaegcuu nach Ellis und Everhart schon vorher in der Grevillea als Discclla auoinala Cooke beschrieben wurde. Da kein Grund vorliegt, den älteren Speciesnamen zu verwerfen, muß der Pilz, der mit Discella und Discii/a, in welcher Gattung er in der Syll. fung., 1884, III. Bd., p. 677, steht, nichts zu tun hat, A'. uuniiuihi (Cooke) v. H. heißen.
901. Über Sphaeronaema macrospermum Karsten.
Der in Hedwigia, 23. Bd., 1884, p. 17, kurz beschriebene Pilz wird in der Sylloge fung. (1884, III. Bd., p. 73) als Phonia
Fiagnicnle zur Mykologie. 85
aufgeführt und später (1892, X. Bd., p. 189) zu Macrophouia gestellt.
Die Untersuchung des Originalexemplars, das mir Direktor Elfving aus Helsingfors gütigst sandte, zeigte mir, daß die Conidien meist einzellig und hj^alin sind, aber meist einen gelblichen Schimmer zeigen. Einzelne findet man mit einer Andeutung einer Querwand. Aber schon Karsten notierte im Herbar »unica fusca« und ich fand eine schwarzbraune, deut- lich zweizeilige Spore. Daher ist der Pilz eine nicht ganz ausgereifte Dijiloclia. Die ÜipIoJia -Arien können in dem Zustande \on Phoma (Macrophoina) oder Sphacropsis \'er- bleiben; dies ist bei einer Reihe von Arten sicher nach- gewiesen, z. B. bei Dlploüid Psciu/oilip/ocfiii Fuck. (siehe Bull. soc. m\'col. France, XIX. Bd., 1903, p. 350). Dies ist nun auch hier der Fall.
Der vollkommene Zustand ist Diplodia piiica (Desm.) Kickx, dessen Originalexemplar in Desmazieres, PI. crypt. de France, I. Ed., 1843, Nr. 1277, ich vergleichen konnte. Dieses Exemplar zeigt den Pilz nicht bloß auf Föhrennadeln, sondern auch auf Föhrenrinde. Desmazieres sagt, daß die Sporen reif braun, ein- oder zweizeilig sind. Ich fand fast alle Sporen einzellig, ebenso auch bei einem von Jaap gesammelten Exemplar. Der Pilz erscheint daher meist in der Macrophouia- oder Sphaeropsis-Form. Diploi/ia -Conidien treten stets nur \'ereinzelt auf. Indessen hat Karsten die DipluL/ia-Fovm auch in Mnniand gefunden.
Bei K a r s t e n's Originalexemplar von Sphacroiiaeiua iiiacrospcnmini sind die Conidien etwas länger und breiter als bei dem von Desmazieres, indessen sind beide Pilze sichtlich eine und dieselbe Art.
HeudcrsoiuiUi piiii Diedicke (Kr}'pt. Fl. Brand., 1914, IX. Bd., p. 667) ist gewiß nichts anderes als die rinden- bewohnende Form des Pilzes, der, wie das zitierte Des- mazieres'sche Exemplar zeigt, oft in dichten, scheinbar stroma- tischen Rasen auftritt.
8b F. V. Höhnel,
Darnach ergibt sich folgende Synonymic:
Diplodia pinea (Desm.) Kickx, Fl. flandre, 18(37, I, p. 397.
Syn.: Sphaeria pinea Desm., Notes IX, Ann. sc. nat., XVII,
1842, p. 104. Sporocadtts pinetis Desm., ibid. PItoma macrosperma (Karst.) Sacc, 1884, Syll. fung.,
III, p. 73. Macrophoma niacrospenna (K.), Berl. et. Vogl., Atti
See. Venet.-Trent, 1886, p. 173. Sphaeronaema macrosperma Karst. 1884, Hedwigia,
23. Bd., p. 17. Hendersomila pini Diedicke 1914, Krypt. Fl. Brand.,
IX, p. 667.
902. Ceratopycnis v. H. n. g.
Sphaerioideae-Ostiolatae. Pycniden eingewachsen, schließ- lich frei, kugelig, mit langem Schnabel oder lang kegelig- flaschenfürmig, häutig bis lederartig, parenchymatisch. Coni- dienträger kurz oder lang, einfach, Conidien länglich, braun, phragmospor, einzeln-endständig.
Ist eine langgeschnäbelte Hendersonia.
Ceratopycnis Clematidis v. H. n. sp.
Pycniden kugelig, schwarz, häutig-lederig, 160 bis 280 [j. breit, unter der Epidermis eingewachsen, dann nach Abwurf der Epidermis oberflächlich, frei, zerstreut oder in dichten Gruppen, mit geradem, kegelig-zylindrischem, an der Mündung oft mit bis 60i:;l"5[x großen, blassen Wimpern versehenem, 260 bis 700 [x langem, unten 50 bis 80 [i, oben 30 bis 60 jx dickem Schnabel versehen. Daneben auch dünner-braunhäutige, kegelig-flaschenförmige, unten 80 bis 100 [x breite, im ganzen 210 bis 250(1, hohe Zwergformen. Pycnidenwandung 20 bis 25 {X dick, aus mehreren Lagen von etwas zusammengepreßten Parenchymzellen bestehend, die im Schnabel gestreckt sind. Schnabel und öfter auch der obere Teil der P\'cniden von spärlichen, braunen, ein- bis zweizeiligen, stumpfen, verbogenen.
F"ragmentc zur Mykologie. 87
15 bis 30 c: 2 bis 4 jx großen Härciien rauh. Conidienträger meist einzellig, kurz (0 i; 4-5 [i), doch auch länger und septiert. Conidien dunkelbraun, länglich-zylindrisch, vierzcllig, an den Enden abgerundet, 20 bis 28 w 8 bis 9 jx groß, an den Quer- wänden wenig oder nicht eingeschnürt.
An faulenden Wickelranken von Clematis Vitalba, am Sonntagsberg in Niederösterreich, Dezember 1914, leg. P. P. S t r a s s e r.
Die Zvvergexemplare kommen untermischt vor, sehen wie eine andere Art aus und haben auch blassere Conidien. Die Conidien zeigen vereinzelt Abweichungen in der P'orm und Teilung.
903. Über Sphaerographium lantanae Diedicke.
Der Pilz ist beschrieben und abgebildet in der Kryptog. Flora der Mark Brandenburg, 1914, IX. Bd., p. 539, Fig. 30, p. 432.
Der Pilz ist kein Sphaerographiimi und ist nicht ganz korrekt beschrieben. Die Untersuchung des Originalexemplars, das ich Herrn H. Diedicke verdankte, zeigte mir, daß die kugeligen, 280 \x breiten, schwarzen, häutigen Pycniden ganz eingewachsen sind. Sie nehmen die ganze Blattdicke zwischen den beiden Epidermen ein und brechen nur mit dem 300 [x langen, unten 70 [x, oben 45 [x dicken, schwarzen, etwas un- regelmäßig verkrümmten Schnabel durch die Epidermis der Blattunterseite. Der Schnabel ist nicht, wie das sonst in der Regel der Fall ist, parallelfaserig aufgebaut, sondei'n besteht merkwürdigerweise ganz aus schwarzbraunen, polyedrischen, 3 bis 4 [X großen Parenchymzellen. Derselbe ist etwa in der Mitte mit einer Anzahl von anscheinend kurzen, verkrüppelten Haaren besetzt. Erwärmt man aber die Pycniden mit Kali- lauge, so sieht man, daß es sich um ganz charakteristische, lange Haare handelt. Dieselben sind bis 140 [x lang, unten 3 bis 4 [X breit, olivenbräunlich und mit 3 bis 4 Septen ver- sehen, oben werden sie geißelartig-dünn (l"5[x) und hyalin, sind stumpflich, ohne deutliche Querwand. Auch um das Ostiolum an der stumpfen Spitze des Schnabels sitzen einige
88 F. V. Plöhnel,
(etwa acht) siibhyaline, kürzere (50 jx), sonst ähnliche Haare. Das Ostiolium ist zirka 40 [x weit und entläßt die Conidien in langen, dünnen Ranken.
Die Pycnidenmembran ist außen schwarzbraun, innen blaß, L'4 ;j. dick und besteht aus 5 bis 6 Lagen von bis 12 ;j, langen, wenig zusammengepreßten, dünnu'andigen Zellen. Die äußersten dieser Zellagen sind schwarzbraun und kleinzelliger (() bis 8 [).), tlach-polyedrisch. Ganz innen finden sich noch einige Lagen von kleinen, zarten, hyalinen Zellen, auf denen die auffallenderweise locker stehenden, einfachen, etwa <) [j, langen Träger sitzen. Dieselben bekleiden den kugeligen Fycnidenraum allseitig.
Die Conidien sind h^'alin einzellig (oder ganz undeutlich vierzellig), schmal spindelförmig, beidendig scharf spitz, fast gerade und 28 bis 34 _ 1 • 5 (bis 2) [i groß.
Der Pilz stellt eine neue schöne Formgattung dar.
Cryptorhynchella n. g.
Sphcwrio/clccic'-Ostiohifiie. Fycniden kugelig, eingewachsen, schwarz, häutig, geschnäbelt, mit dem langen behaarten Schnabel hervorbrechend, samt dem Schnabel parenchyma- tisch aufgebaut. Conidienträger einfach, kiu'z, locker stehend. Conidien schmal-spindelförmig, gerade, beidendig spitz, hyalin, einzellig oder imdeutlich septiert.
Typusart: Cryptorhynchella lantaiiae (Die dicke) w H. Syn.: Sphaerographium laniamie Diedicke 1Ü14.
904. Über Placosphaerella silvatica Saccardo.
Wird vom Autor in Ann. myc, 1910, \'III. Bd., p. 344, beschrieben und angegeben, daß der Pilz wahrscheinlich eine Nebenfrucht von Phyllachora silvatica Sacc. et Speg. ist. Da mir der Pilz keine Placosphaerella zu sein schien und die Phyllachora- Aneu meines Wissens Liiiochora als Nebenfrucht haben, untersuchte ich den Pilz näher. Sein Originalexemplar ist in Sydow, M^^coth. german., Nr. 924, ausgegeben.
Ich fand auf den Grasblättern zum Teil schön aus- gereifte Phyllachora silvatica Sacc. et Speg. Eine dazu-
Fragmente zur Mykologie. 89
.gehörige Nebenfruclit war nicht zu finden. Hingegen sitzen auf den Blättern öfter in der Nähe von alten Stromaten der Plivllachora kleine Raschen eines Ftisarinm mit 12 bis 16 ^2*5 bis 8 |j. großen ein- bis zweizeiligen Conidien, das \on Fusarium uiiu in/um Kuckel (S3mibol. myc, 1869, p. 370) nicht zu unterscheiden ist.
Saccardo hat diese F//.st//7/////-Conidien ^i^n /'hy/iachoi-ci- Stromaten zugeschrieben und so diese »neue Art« erhalten, die gestrichen werden muß. Er hat infolge ungenauer Unter- suchung (Ouetschmethode!) denselben Fehler gemacht, den All es eher bei Aufstellung seiner Gattung Septovella machte (siehe diese Fragmente, 1912, XIV. Mitt., Nr. 786).
Betreffend die Zugehörigkeit von Liuochora v. H. zu Phyllachora siehe diese Fragmente, 1910, XI. Mitt., Nr. 542.
905. Über Dendrophoma Fenestellae v. H.
In den Annal. mycol., 1904, II. Bd., p. 45, beschrieb ich auf /)Vr/vr/,v-Zweigen aus dem Ötztal in Tirol eine schöne neue Fencstdla-Avi, in deren Begleitung sich ein Pycnidenpilz befand, den ich damals als dazugehörig hielt und Dendro- phoiiia Fenestellae nannte.
Die Überprüfung dieses Pilzes ergab nun das interessante Resultat, daß diese Nebenfrucht generisch ganz genau ebenso gebaut ist wie Dendrophoma pruinosa (Fries) Sacc, von welcher Art ich gezeigt habe (diese Fragmente, 1914, XVI. Mitt., Nr. 863, und Zeitschr. für Gärungsphysiol., 1914, IV. Bd., p. 216), daß es kein einfacher Pycnidenpilz ist, sondern ein stromatischer, für den ich daher die neue Gattung Cyfophonia aufstellte. Cytophonia v. H. gehört in die Reihe der Cyto- sporeen (Cy/ospora, (ytonaema,' Torsellia, Laniyella), welche sämtlich Nebenfrüchte von Valseen sind.
Von (y/opJionia pruinosa (Fr.) v. H. ist es durch Tulasne längst bekannt, daß es die Nebenfruchtform der Valsa Cypri Tul. ist.
Nachdem Dendrophoma Fenestellae v. H. nun auch eine Cytophonia ist, welche sogar der Cytophonia pruinosa (¥\\) \. H. dem Baue nach sehr nahesteht, so war zu erwarten,
90 F. V. Hühnel,
daß auf Berberis-Zweigen eine Valsa vorkommen müsse, die der Valsa Cypri Tul. verwandt ist.
Dies ist nun tatsächlich der Fall, da Rehm 1882 (Hed- wigia, 21. Bd., p. 118) die auf Berberis-Zweigen auftretende Valsa conoidea beschrieben hat, von der er ausdrücklich sagt, daß sie der Valsa Cypri nahesteht und die er in den Tiroler Alpen, unter anderem auch im Ötztale, also dem Fundort der Dendrophoma Fenestellae, gesammelt hatte.
Es ist daher als gewiß anzunehmen, daß dieser Pilz die Nebenlrucht von Valsa conoidea Rehm ist. Nachdem der Speciesname »Fenestellae« auf einer falschen Annahme be- ruht und irreführend ist, nenne ich den Pilz Cytopkoma conoidea v. H.
906. Über die Gattung Zythia Fries.
Die Gattung Zythia wurde ursprünglich 1825 im Systema orbis vegetabilis I, p. 118, für die im Systema mycol. 1823, II. Bd., p. 536, angeführten ersten Sphaeronaeina- Arten und Sphaeria resinae aufgestellt. In Summa Vegetab. scand., 1849, p. 408 hat Fries den Charakter der Gattung Zythia voll- ständig geändert und führt andere Pilze in derselben auf.
Als Typus dieser neuen Gattung Zythia muß Zythia elegans Fries (Summa V^egetab. scand., 1849, p. 408) an- genommen werden, die Fries als erste Art anführt. Der Pilz ist zwar in Fries, Scleromyc. suec, Nr. 460, ausgegeben, doch konnte ich ihn nicht untersuchen. Nach Fries' Angaben hat Zythia eingewachsene, häutige Fruchtkörper, die später frei werden und ein Ostiolum haben. Damit stimmen die Angaben in der Sylloge fungorum 1884, III. Bd., p. 615, über Zythia elegans. Die Pycniden sollen anfänglich fleischfarbig» später braun sein. Die Conidien sind klein, zylindrisch, manchmal gekrümmt, grünlich-hyalin und 6 bis 7 ^^^ 1 "4 [x groß.
Demnach wären z. B. Zythia fragariae Laibach, Z. Ne- penthes P. Henn., Z. pinastri Karsten gute Arten der Gattung.
Hingegen würden die meisten heutigen Zythia- Arien nicht in die Gattung gehören, deren echte Arten wohl meist Nebenfruchtformen von Nectriaceen sein werden.
Fragmente zur Alykoluyic. 91
Die von Karsten (Meddelangen Sücicl. Fauna cl l-'lora fennic, 1888, p. 104) zu Zythia gestellte Sphaeria resmae Fries (Syst. myco!., 1833, II. Bd., p. 453) gehört gewiß nicht in die Gattung.
Sphaeria resinae P'ries hat oberflächUche Pycniden mit 30 bis 40 \L dicken Pycnidenwänden, welche dicht plectenchy- matisch-faserig, ohne deutliche zellige Struktur gebaut sind. Sie gehört auch nicht zu einer Nectriacee, sondern zu einem Discomyceten {Biatorella resinae Fries) als Nebenfrucht. Ganz ebenso verhält sich die von mir beschriebene Zythia albo-oUvacea (diese Fragmente, 1902, 1. Mitt., Nr. 26). Die Pycnidenmembran ist hier 40 [jl dick, weichfleischig, dicht undeutlich zellig-plectenchymatisch, außen etwas schollig und schmutzig olivenbräunlich, innen blaß.
Die die Pycnide innen überall dicht auskleidenden Conidienträger sind einfach oder unten büschelig x'erzweigt und meist 20 bis 40i;0'5!i. groß. Oben entsteht ein rund- liches, bis 60 [JL großes Ostiolum. An der Basis finden sich innen oft lappige Vorsprünge, die mit Conidienträgern dicht besetzt sind.
Auch dieser Pilz gehört sicher zu einem Discomyceten, denn er ist gewiß identisch mit dem von Tulasne (Select. Fung. Carpol., 1865, III. Bd., p. 169, Taf. XX, Fig. 5 und 6) als Nebenfrucht von Cenangium ligni DesmsiZ. beschriebenen Pilze.
Diese zwei Formen müssen in eine eigene Gattung ge- stellt werden.
Pycnidiella n. g.
Nedrioideae. Pycniden oberflächlich, fleischig: Pycniden- membran dick, weich, undeutlich zellig-plectenchymatisch- faserig. Ostiolum vorhanden. Innen allseitig mit den einfachen oder büschelig verzweigten Trägern ausgekleidet. Conidien klein, kugelig oder länglich. Nebenfrüchte von Discomyceten.
'Jypusart: Pycnidiella resinae (Ehrenb.) v. H. Syn.: Cytispora resinae Ehrenberg 1818.
Sphaeria resinae Fries 1833.
92 F. V. Tlölinel,
Tubtrcuhirid rcsiuac Thümen.
Zvflihi rt's/imt' (Ehrenb.) Karsten 1S8S. Zweite Art: PvciÜL/iclla albo-olivacca v. H. Syn.: Zythia alho-olivacca v. H. 1902.
907. Über Stagonospora dulcamarae Passeiini.
Von dieser Art, die ich nur aus der S^^lloge Fung., X. Bd., p. 333, kenne, wird angegeben, daß die Pycniden oberHächlich stehen und daß die Zellmembran aus schön blauen Zellen besteht. Daraus geht schon hervor, daß der Pilz keine Stagono- spora ist. Die Bemerkung 1. c, daß der Pilz eine Pycnide einer Gihbcrclhi ist, ist zweifellos richtig. Es ist offenbar der Pycnidenpilz \"on GibbcrcUa flacca (Wallr.) Fuck., von der übrigens letzterer (Symb. mycol., 1869, p. 1(58) jedenfalls richtig bemerkt, daß sie von Gibberella piilicaris kaum ver- schieden ist.
Da die P\'cniden sowie ja meist auch die Perithecien der Gibberella-Avten auf einem kleinen Stroma sitzen, hat Diedicke (Kryptogamenflora Brandenburgs, 1914, IX. Bd., p. 561) für den Pilz die Gattung Stagonostroiiia geschaffen, was ja tunlich ist, allein er u'urde durch das blaue, groß- zellige Gewebe der Pycnidenmembran nicht an Gibberella er- innei^t, glaubte vielmehr, der Pilz scheine in den Entwicklungs- kreis \'on CiiLiirbihiria ilnlcauiarac i\\. et S.) zu gehören und stellte daher den Pilz zu den Sphaerioideen.
Nachdem aber der Pilz zu Gibberella flacca gehört, diese eine Nectriacee ist und die Pycniden dieser Nectrioideen sind, muß die Gattung Stagonostrouia zu den Nectrioideen versetzt werden. Eine verwandte Form ist dieDiploJia cyanogeiia Speg., welche in Syll. Fung., 1913, XXII. Bd., p. 1145, als Psemlo- diplodia cyaiiogcna (Speg.) Sacc. aufgeführt wird und zwei- zeilige Conidien hat. Ist sicher auch eine Nebenfrucht einer Gibberella. Dieselbe stellt ein neues Formgenus dar, das ich Cyanochyia nenne (siehe diese Fragmente, Nr. 878).
Cyanochyta n. g. v. H.
Pycniden wie r7/7^&t;/'c7/t/-Perithecien, oberflächlich, mit oder ohne Stroma, blau oder \-iolett, parenchymatisch, mit
Fragmente zur Mykologie. f)o
Ostiolum, (.'onidienträger einlach. Conidien hyalin oder sub- h3'alin, längh'ch, zweizelhg. NebenlVüchte \on CiibbcreUa.
Typusart: ( ydunclivfii L-ViiiK^i^'ciici (Speg.) v. II.
Es ist fraglicli, ob es z\\-eckmäßig war, bei Sfagoiiostronia auf das Vorhandensein des .Stiomas ein Ciewicht zu legen, da diese Formen auch ohne Stroma vorkommen.
Heudcrsouia Arcus Berk. und Br. (Ann. Mag. Nat. Hist., 1S50, II. .Serie, V. Bd., p. 373) hat im durchscheinenden Lichte stahlblaue Pycniden, \ierzellige, spindelförmige, gekrümmte hyaline Conidien und wächst auf Buchsbaumzweigen oft mit (libbcrclhi pitlicaris zusammen. Ist offenbar nahe verwandt oder \-ielIeicht sogar identisch mit Stagonostn>nui dulcamarac (Pass.) D. und hat bis auf weiteres Sfagnnosfronni Arcus (B. et Br.) v. H. zu heifkn.
908. Über Patellina cinnabarina (Saco Speg.
Der Pilz wurde zuerst als Hyiiiciiiila ciuuabariua Sacc. (Michelia, 1880, II. Bd., p. 175) beschrieben und in Fungi italici, Taf. 800, abgebildet. Die Gattung Patellina Speg. wurde anfänglich zu den Ncctrioideae-Patelliiicae gestellt (Syil. Fung., 1884, 111. Bd., p. 622), dann aber zu den Tuber- cularieen versetzt (Syll. Fung., 1886, IV. Bd., p. 677).
Da ich den Pilz 1903 im südlichen Dalmatien bei Selenica an der Schnittfläche eines Maulbeerbaumstumpfes fand, konnte ich ihn näher untersuchen.
Derselbe besitzt weiße, fleischige, 0-5 bis 2 uini breite, ganz hervorbrechende, bald rundliche, bald unregelmäßig- gelappte, etwa 0-5 ////// hohe Stromata, die aus ziemlich parallelen, senkrechten, hyalinen, etwa 3 bis 4 [i breiten Hyphen aufgebaut sind. Ganz oben entstehen, je nach der Größe des Stromas, bald nur ein conidienführender, rundlicher oder unregelmäßiger, oft gestreckter, 200 bis 700 ;j. großer Hohlraum, bald mehrere, die oft zum 4'eil miteinander ver- schmelzen. Diese Hohlräume sind ganz eingesenkte Pycniden, deren Wandung wenig scharf abgegrenzt und innen, be- sonders unten und seitlich, dicht mit den einfachen, etwa 1 bis l'öa breiten und 20a lan.'>en Conidienträuern aus-
94 F. V. Höhnel.
gekleidet sind, welche zahlfeiche, hyaline, eiförmige, 2 bis 3^1 bis l-5[x große Conidien bilden, die die Pycniden dicht ausfüllen. Letztere öffnen sich schließlich oben rundlich oder unregelmäßig und breiten sich schalen- oder schüsseiförmig aus.
Oben in der Mitte, wo die Öffnung der Pycniden statt- findet, ist die Membran dünner und sind die Conidienträger kürzer und schief gestellt, wodurch die Öffnungsstelle vor- gebildet wird.
Der Pilz ist ganz ähnlich gebaut wie Dotliioriua v. H. (in diesen Fragmenten, 1911, XIII. Mitt., Nr. 714), nur öffnen sich bei Dothiovina die Pycniden nicht so weit und sind die Conidien stäbchenförmig.
Hingegen ist Catinnla Lev. (in diesen Fragmenten, 1910, XI. Mitt., Nr. 551) von PateJlina Speg. generisch nicht zu trennen. Ein iMedianschnitt durch eine gut entwickelte, ge- öffnete Pycnide von Patellina cinnaharina sieht genau so aus wie ein solcher durch Catinnla anrea Lev. oder Catinula microspora (Bäum 1er) v. H. (siehe diese Fragmente, Nr. 909); auch bei Catinnla ist ein Stroma vorhanden, auf dem die Pycnide sitzt, ja bei C. microspora stehen manchmal zwei bis drei Pycniden auf demselben Stroma.
Der äußerliche Unterschied zwischen Patellina cinnaharina und Catinnla anrea beruht nur darauf, daß bei ersterer Art das Stromagewebe viel stärker entwickelt ist. Kleinere Exem- plare jedoch mit nur einer Pycnide verhalten sich aber ganz so wie Catinnla anrea.
Daher muß ich Patellina Spegazzini 1881 gleich Cati- nnla Leveiller 1848 erklären.
Patellina cinnaharina (Sacc.) Speg. muß Catinnla cinna- harina (Sacc.) V. H. heißen. Der Pilz ist keine Tuberculariee, sondern gehört in meinem System (Ann. myc, 1911, IX. Bd., p. 263) zu den Patelloidaceae-Patellatae.
Es ist kein Zweifel, daß die Catinnla- Arten zu Discomy- ceten, wahrscheinlich Helotieen, als Nebenfrüchte gehören
909. Über Hymenula microspora Bäumler.
Dieser in Verhandl. der zool. bot. Gesellsch., Wien 1891, 41. Bd., p. 047, beschriebene Pilz wurde von Jaap bei Trigütz
Fragmente 7Air Mykologie. 95
m Brandenburg, und zwar auf Zweigen von Popii/iis Iremiila wiedergefunden. Jaap's Exemplar konnte ich untersuchen. Der Pilz weicht von den typischen Arten von Hymeiinla (H. vulgaris, pnnctiformis, rhodella u. s. w.) schon durch die kugeligen Conidien ab.
Ich verstehe unter Hyniciiula nur Formen, die ganz oberflächlich wachsen, bis zum dünner werdenden Rande angewachsen sind, eine dünne oder mäPig dicke, blasse, sehr kleinzellige Basalschichte haben, die dicht mit einfachen, dünnen, langen (an der Basis büschelig verbundenen) Conidien- trägern bedeckt ist, welche massenhaft (also wiederholt) kleine, stäbchenförmige Conidien bilden. Alle anders gebauten Pilze entsprechen nicht der HyinenuJa vulgaris Fries, die man als den Typus der Gattung festhalten muß.
Die größersporigen Arten sind alle auszuscheiden.
Macht man durch Hyntenula inicrospora einen Median- schnitt, so erkennt man, daß ein schüsseiförmiges Gehäuse vorhanden ist, und vergleicht man den Schnitt mit einem ebensolchen von Catiimla anrea Lev., so sieht man, daß sich beide fast völlig gleichen.
In diesen Fragmenten, 1910, XI. Mitt., Nr. 551 habe ich gezeigt, daß Catinnla aiirea Lev., der Typus der Gattung, eine Nectrioidee-Patellinee ist oder nach meinem vorläufigen System zu den Patelloidaceae-Patellatae gehört (Ann. myc, 1911, IX. Bd., p. 263).
Caiimila inicrospora (Bäuml.) v. H. ist von der Typus- art fast nur durch die Farbe verschieden.
Dendrodochinm citrinum Grove (Syll. Fung., IV., p. 652) und Dendrodochinm niicrospornni Sacc. (Syll. Fung., I\^, p. 650) sind wahrscheinlich auch Catinnla- Avien, vielleicht zum Teil nicht verschieden von den andern.
910. Über die Gattung Trullula Cesati.
Die Gattung wurde von Cesati 1850 in Klotzsch, Merb. viv. Mycol. Cent., XVII, aufgestellt (siehe Botan. Zeitung, 1S52, X. Bd., p. 287). Er gab in Nr. 1660 und 1661 der
96 F. V. Höhnel,
genannten Sammking zwei Arten der Gattung heraus, nämlich Trtillula Orc'oselini Ges. und T. legniiiinum Ges. a) Sparti, h) Rohkiiac. Er hält TriiUiüa für mit BIcuuoria \-er\vandt. Seine Beschreibung der Gattung ist nichtssagend.
Saccardo, der in Sylloge Fungorum, 1884, III. Bd., p. 731, die Gattimg TruUuIa aufgenommen hat, stellte die- selbe zu den iMelanconieen, betrachtet aber gerade die zwei Typusarten Gesati's als zweifelhaft, was selbstverständlich irrtümlich ist.
Als synonym betrachtet er die Gattung Cesatia Raben- horst, die 1850 in Klotz seh, Herb. viv. Mycol. Cent., XV, aufgestellt wurde, also früher als Triilhün. Indessen wurde der Name Cesatia schon 1838 von Endlicher verbraucht, und wenn derselbe auch heute nur als Synonym der Um- belliferengattung Didiscus DG. gilt, so darf er doch nicht mehr angewendet werden.
Rabenhorst gab in der genannten Sammlung Nr. 1443 als Typusart Cesatia Spartii Rbh. heraus und beschrieb sie daselbst ganz kenntlich (siehe Botan. Zeitung, 1851, IX. Bd., p. 180).
Als weiteres Synonym führt Saccardo die Gattung Horuiococciis Preuss. (Linnaea, 1852, IX. Bd., p. 738) an. Indessen ist es höchst unwahrscheinlich, daß Honnococeiis hierhergehört. Preuss spricht \'on hornigen Perithecien. Seine Beschreibung der Gattung zeigt, daß er darunter einfache Pycnidenpilze und stromatische versteht, die also sicher in verschiedene Gattungen gehören. Die drei von ihm beschrie- benen Hoj-mococens-Arten sind nicht wieder gefunden worden und muß daher die Gattung völlig gestrichen werden.
Die dritte in der Syll. P\mg. angeführte, angeblich synt)- nyme Gattung ist Eudhoruiidiuiu Auerswald (Hedwigia, 1869, VIII. Bd., p. 89). Sie beruht a.uf Eiidliormidiiini tropictiin Awd. et Rbh., welches aber ein Ascomj^cet, Corynelia clavata (L.) ist (Hedwigia, 1897, 36. Bd., p. 230 und 1900, 39. Bd., p. [76]).
Als erste Art ist in der Syll. Fung. Tnilhila olivasceiis Sacc. (Michelia, 1877, I., p. 94, sub Hornincneeus Sacc. und II., 1881, p. 285) angeführt.
Fragmente zur Mykologie. ö7
Die Untersuchung der Exemplare von Tnilliila olivascens in Saccardo, Mj^coth. Veneta, Nr. 1599, und in Cavara, Fung. longob., Nr. 192 tz, hat mir nun gezeigt, daß der Pilz ein hyalines, anfänglich ganz geschlossenes Gehäuse hat, also keine Melanconiee ist. Derselbe ist völlig identisch mit Epi- t/ocJu'iiiu mdauochJoruui Desmazieres 1848 (in diesen Frag- menten, 1911, XIII. iMitt., Nr. 715). Für diesen Pilz hat Saccardo das Subgenus Horiuodocliinm aufgestellt, das ich 1. c. zur Gattung erhob. Honuoüocliiiuu Sacc. ist daher gleich Trullnla Ges.
Auch der von mir (in diesen Fragmenten, 1910, XI. Mitt., Nr. 553) als S/ro-jj'Ui/a oJivacea beschriebene Pilz ist damit identisch.
Der Pilz muß nun heißen: TruUuIa luclauoclilora (Desm.) V. 11. und seine Synonymie ist folgende:
Epidocliium melanochloruni Desmazieres 1851,
Hormococcus olivascens Saccardo 1877,
Trullula olivascens Saccardo 1881,
Sirozytkia olivacea v. PI. 1910,
Hormodocliimn nielauoclüorufu (Desm.) v. H. 1911,
Horniodochiiini olivaceuni v. H. 1911.
Tnillula olivascens Sacc. var. stipitatn-cdpilaia Cavara in I'^ungi longob., Nr. 192 b, ist keine Varietät, sondern eine eigene Art, die auf derselben Nährpflanze lebt wie die Cesatia Sparta Kabenh. und offenbar diese Art ist, wie Di ed icke (Ann. myc, 1913, XI. Bd., p. 540) durch Vergleich des Pilzes mit dem Original von Cesatia Spartii festgestellt hat.
Der Pilz sieht äußerlich ganz anders aus als Trullnla- olivascens, von der er sich schon durch die dickeren (2 [i) Conidienträger und die breiteren (3 |x) Conidien unterscheidet, die übrigens nicht, wie Rabenhorst sagt, hyalin, sondern blaß olivengrün sind. Er gleicht auffallend kleinen Exemplaren von Diacliaea (Myxomycetes), hat scheinbar einen dicken (blassen) Stiel und ein eiförmiges, schwarzes Köpfchen. Letzteres besteht nur aus den ausgetretenen Conidien. Der Stiel ist die Pycnide selbst, die außen unten von der Epidermis
Sitzb. d. matheni.-naturu-. Kl., Abi. 1, 124. lij. 7
98 F. V. Ilühnel,
bekleidet ist und stark liervurbricht. Die Pycnide ist zylindrisch und höher als bei Tr. olivasccus. Der Pilz könnte in der Gattung TruUiila ganz gut ein eigenes Subgenus darstellen, das aber nicht Cesafni heißen dürfte und nicht, wie dies Saccardo tut, durch die hyalinen Conidien charakterisiert werden könnte, denn diese sind olivengrün.
Diedicke, 1. c, hält TniUiiIa olivasccus für eine Stiomacee und schreibt ihr kleinzelliges, rußbraunes Gewebe zu, was alles nur auf ungenügender Untersuchung beruhen kann.
Tnilluld piriua Bresadola (Verh. zool. bot. Ges. Wien, 1901, 51. Bd., p. 424) hat mit TniUiiIa nichts zu tun und ist Siropatella stcnospora ( B. et C.) v. H., in diesen Frag- menten, 1910, XI. Mitt., Nr. 538. Auch Jaap fand diesen i'ilz auf Pirus-VloXz im Brandenburgischen.
TntUula n/ficfrila Sacc. (Michelia, 1881, 11. Bd., p. 285, sub Honuococcus uUidiilus Sacc.) ist eine Bloxamici B. et Br. und gehört zu den Tubercularieen (siehe Ann. myc, 1903,
I. Bd., p. 405). Es sind bisher drei B/oxauiia-Avten bekannt. BJoxainia tniucata Berk. er. Br. (Ann. Magaz. nat. bist.,
II. Serie, XIII. Bd., 1854, p. 468, Taf. XVI, Fig. 17); B. niti- chi/a Sacc. und B. leiicoplithalma (Lev.) v. H. in diesen Fragmenten, 1910, XI. Mitt., Nr. 552. Diese drei Arten stehen sich sehr nahe und dürften zusammenfallen. Der älteste Art- name wäre der Leveiller'sche (1848).
Die von Cesati ausgegebenen beiden Exsiccata konnte ich nicht untersuchen. In einein Exsiccate aus Reich en- bach's Sammlung im Wiener Hofmuseum, das als Tnilhila Spart ii Ges. bezeichnet war (ad ramos Sarothamiii vulgaris pr. Schwerin, leg. Fiedler), fand ich nur 180 bis 300 [j- große, eingewachsene, etwas flachgedrückte, kugelige Pycniden mit länglichen, 2 bis 3i^ 1*5 jji großen, einzelligen Conidien mit Öltröpfchen an den Enden. Die Conidien bildeten schmutzig- violettrötliche Massen und saßen seitlich an 20 bis 30 :=; 2 bis 3 [i großen septierten Trägern, welche die P3'cniden innen ringsum dicht auskleideten. Die 20 [i dicke Pycnidenmembran bestand aus mehreren Lagen etwas nachgedrückter violett- brauner Zellen. Der Pilz ist eine riciiroplionia ("in diesen Fragmenten, l;il 1, X\'l. Mill., Nr. 850;, die \on PlcinopJmiua
l'iiiijmente zur Mykologie. 99
p/eiirospora (Sacc.) v. H. nicht als spezifisch verschieden erachtet werden kann. Vielleicht \s\. Plioma spavliicula P. Brun. derselbe Pilz. Ich glaube nicht, daß Cesati diesen Pilz unter seiner Tnillula Icgumiiiiiin a) Spartii verstand.
911. Über Cheilaria C3'doniae Desmazicres,
Der Pilz wurde 1847 in Ann. scienc. nat., 3. Serie, \'lll. Bd., p. 26, beschrieben. Er figuriert heute als I^livllosticia Cydoiiiae (Desm.) Sacc. (Syli. Fung., 1884, 111. Bd., p. .")) und scheint seit Desmazieres nicht wieder gefunden worden zu sein, denn die unter seinem Namen ausgegebenen Exsiccaten sind falsch (Sydow, Mycoth. march., 2259 und 3381; All. et Schnabl, Fungi bavarici, Nr. H54).
Nach dem Originalexemplar in Desmazieres, PI. crypt. France, 1853, Nr. 79 ist der Pilz eine neue Gattung, die ich Myrielliiia nenne und zu den PateUoidaceac-PatclIatac rechne (Ann. myc, 1911, IX. Bd., p. 263).
Die C)'<:/oM/^7-Blätter zeigen obers.eits rundliche, dunklere Mecke ohne eigene Grenzlinien von etwa 3 bis 5 mm Breite, welche ganz dicht mit kleinen weißen Punkten bedeckt sind, welche vom Pilze herrühren. Dieser entwickelt sich in der oberen Epidermis und der oberen Hälfte des Palisaden- parench^'ms, ist anfänglich unregelmäßig rundlich und 50 bis 100 [J. breit, bricht jedoch, sich weit schalenförmig öffnend, mit der oberen Hälfte durch die Epidermis hervor und bildet weiße halbkugelige oder warzenförmige Höcker, die von den Rändern der äußeren Epidermiswand scharf begrenzt werden, während die untere Hälfte des Pilzes im Palissadengevvebe eingesenkt bleibt. Die Pycnidenmembran ist ganz undeutlich kleinzellig, unten relativ ziemlich dick, seitlich wenig ent- wickelt, blaß bräunlich und fleischig. Der Nucleus bildet eine zähe Masse, die sich durch Druck nicht in ihre Elemente zerlegen läßt; erst durch Kochen mit Kalilauge und darauf- folgendes Quetschen erkennt man, daß er aus bis 80 jx langen septierten, etwa 2 bis 3 \x dicken Conidienträgern be- steht, die unregelmäßig gegen- und wechselständig verzweigt sind. Diese Conidienträger .stehen im allgemeinen aufrecht parallel dicht nebeneinander der fiasis der Pycnide aufsitzend,
100 F. V. Höhnel,
sind aber durch ihre Zweige seithch miteinander mehr minder verfilzt. Die Conidien sind hyalin, meist gerade, zylindrisch bis fast spindelförmig, zweizeilig, mit stumpflichen Enden, meist 8 bis 12 ^1-5 bis 2 jx groß, seltener bis IG [i lang. Das Öffnen des Pilzes geschieht nicht durch Zerreißen einer Decke, von der nichts zu sehen ist, sondern regelmäßig durch die Ouellung des Nucleus. Die Conidien sitzen seitlich und an den Enden der Zweige einzeln. Man ersieht daraus, daß der Pilz ganz eigenartig gebaut ist und eine neue Eorm- gattung darstellt. Der Pilz zeigt in der Beschaffenheit der verzweigten Sporenträger und der Conidien eine gewisse Ähnlichkeit mit Diplozytliia scolccospora Bubak (Ann. myc. 1904, 11. Bd., p. aOO, Eig. 5 bis 10), stellt aber eine andere Eormgattung dar.
Die Einreihung des Pilzes ist schwierig. Da das Gehäuse wenig deutlich ist, könnte man ihn auch als Mclauconicac- Pseiuhsphacrio/ifede hetrsichten, aWein das schalenförmige Sich- öffnen desselben und das weite Heraustreten des Nucleus sprechen dagegen.
Myriellina n. g. (Patelloidaceae-Patellatae).
Eruchtkörper klein, in imd unter der Epidermis ein- gewachsen, rundlich, anfänglich geschlossen, sich allmählich rundlich weit schalenförmig öffnend und hervorbrechend, von der Epidermis berandet, weich, fleischig, mit nur unten gut entwickelter Pycnidenmembran. Conidienträger septiert, baum- artig verzweigt; Conidien an den Zweigen derselben end- und seitenständig, hj'alin, zweizeilig, zylindrisch-spindelförmig. Blattschmarotzer.
T3''pusart: Myriellina Cytlonicw (Desm.) v. H. Syn.: Cheilaria Cydouiac Desm.
Phyllosticta Cydoniac (Desm.) Sacc.
912. Über Sphaerographium Saccardo.
Die Gattung Sphaerographium Saccardo wurde 18.S4 in Sylloge fungorum, III. Bd., p. 596, aufgestellt.
Als Typus der Gattung Sphacrographiiiin Sacc. gilt un- zweifelhaft Spli. Loiiiccrac (Euckel) Sacc, die, wie schon
l'rai;iiienlc zur Myknldnie. 1'*'
Jaczewski 1898 ant;ab, mit Sj-'/uicroiuiciiui sqiiiirrosmii Riess (Bot. Zeltung, 1<S53, XI. Bd., p. 133, Tat". III, Fig. 36 bi.s 39) identisch ist. Dies ist für die Form ani Loiiiccra Xylostenm gewiß richtig. Hingegen kommt auf Lo/z/Vt-n/ alpii^eua nach Fuckel (Symb. mycol., I. Nachtr., p. 43 [331]) eine noch unbenannte, »in allen Teilen etwas stärkere« Form vor. die von Sphaero- graphiiiui Loiiiccrae (Fuck.) Sacc. spezifisch verschieden ist. Beide diese Formen sind nach Fuckel Nebenfrüchte \on DotJiiora- Arien.
Die Untersuchung des Originalexemplares von Sphaero- iiacma Loiiiccrae Fuck. in den Fung. rhen., Nr. 2145, zeigte mir nun folgendes:
Der Pilz tritt zerstreut auf dünnen Zweigen \on Loiiiccra Xyloslcnni auf und entsteht auf einem eingewachsenen, bräun- lichen kleinen Hypostroma; er bricht nach außen durch und stellt, mit der Lupe betrachtet, schwarze, kegelig-z3iindrische, etwa 500 \i. hohe und 80 bis 100 \i. dicke Gebilde dar. Unter dem Mikroskop erscheint er hellbraun. Ein Querschnitt lehrt jedoch, daß er ganz aus hyalinen, stark weich-gallertig ver- dickten, ziemlich parallelen Myphen besteht und daß seine braune Färbung nur \on einer cuticulaartigen Ausscheidung der äußersten Uyphenlage lierrührt, welche Ausscheidung auch leistenartig zwischen den Myphen der äußersten Lage eindringt. Von den hyalinen Ih'phen zweigen nach außen kurze braune Enden ab, welche in Form von einzelligen etwas torulösen, stumpfen, braunen, 12 bis Ri =• 4 bis ö jj. großen Haaren den Pilz locker bekleiden. Bis zu drei Fünftel der Höhe des Pilzes zeigt sich keine Spur einer H()hlLmg, erst darüber findet sich eine unten weitere, oben kegelig \erschmälerte conidienerfüllte Höhlung vor, die oben mit einer engen, \on hyalinen steifen und spitzen Cilien begrenzten Öffnung endet. Die Wände dieses Conidienraiunes sind mit einfachen Trägern ausgekleidet, die die einzelligen (selten unscharf vierzelligen), schwach bogig gekrümmten, hj^alinen, beidendig scharf spitzen, 25 ^ 1*5 »x großen Conidien bilden.
Der Pilz ist also durchaus nicht, wie Jaczewski (Nouv. Mem. societ. nat. Moscou, 1898, XV. [XX.] Bd., p. 371) sagt, ein aufrechtes Hyphenbündel, sondern ein kleines Stroma mit
I<")2 V. V. llühnel,
einer Conidicnhöhlung. Er ist i^anz ahnlich i;cbaut wie Topospora, nur wegen seiner Kleinheit sehr vereinfacht und hat auch andere Conidien. Chondropodiiun v. H. steht schon viel weiter ab. Der l^ilz muß Sphaerograpkium sqnarrosnni (Riess) Sacc. genannt werden {Sphaeronaema sqan'osiun Riess, Sphaeronacnia Louiccrac Fuck., Spliacrograpliiuiit Loiüccrae [Fuck.] Sacc. und Pstiulographiiun sqiiarrosuui [Riess] Jacz. sind Synonyme).
Es scheint, daß von den in der Sylloge Fung. in die Gattung Sphaerographinin gestellten 14 Arten keine einzige weitere in dieselbe gehört.
1. Sphaerograpliinin capillare (Ell. et Harkn.) Sacc. (Syll. Fung., HL, 597) ist nach der Beschreibung und den Angaben Jaczewski's (1. c, p. 375) gewiß kein Sphaero- graphiiinr, auch kein Pscudographinnt, vielleicht eine Subit- larieUa v. H. (in diesen Fragmenten, Nr. 1)21).
2. Sph. hystricinnm (Ell.) Sacc. (Syll. Fung., 111., p. 597) ist nach dem Originalexemplar ein Choudropodiutn v. H. (in diesen Fragmenten, Nr. 958).
3. Sph. echinatum (B. et C.) Sacc. (Syll. Fimg., III., p. 597) ist nach der Beschreibung wahrscheinlich eine neue Gattung.
4. Sph. stcllatnm (Ell.) Sacc. fSyll. Fung., 111., p. 598) ist nach der Beschreibung nicht hierhergehörig und nach Jaczewski (1. c, p. 306) eine Micropcra, was mir auch scheint {Micropera stellata [EH.] Jacz.).
5. Sph. scriatnm (B. et C.) Sacc. (Syll. Fung., 111., p. 598) ist wahrscheinlich ein Gelatiiiosporiuin.
6. Sph. fraxini (Beck.) Sacc. (Syll. Fung., III., p. 598) ist ein typisches Clwndropodium v. H. (in diesen Fragmenten, Nr. 958).
7. Sph. Microperae (Cooke) Sa'cc. (Syll. Fung., III., p. 598) ist gewiß kein Sphaerographinin, vielleicht eine 5/;^//- lariella v. H.
8. Sph. Laiitanoidcs Beck. (Syll. Fung., X., p. 401) ist vielleicht eine Snhnlariella v. H.
9. Spli. Coryli Richon (Syll. Fung., X., p. 401) ist viel- leicht eine CoUonaemdla v. M. oder eine neue Gattung.
Fragmente zur Mykologie. 103
10. .S/7//, alh/i/iiin Sacc. et Scalia (Syll. Fung., .Will., p. lO-l) gehört gewiß nicht hierher. Ähnlich der vorigen Art.
11. Sfh. peliolicola Karsten (Syll. Fung., XXII., p. 1138) gehört nicht hierher, vielleicht eine Collonaeniellu v. II.
913. Über die Gattung Excipula Fries.
Die (iattimg Excipiihi wurde 1823 in P'ries, Syst. inycol.,
II. Bil., p. 180, aiifgeslellt. Fries setzt die Gattung zwischen ( 'lilhris und Sfic/is, also Discomyceten. Man muß daher Excipula als Discomycetengattung ansehen. .So faßt sie aucli Fuckel (Sym. myc, 1861), p. 400) auf. Von den von ihm angeführten sielten Excipula- Arien sind in der "Fat sechs Discomyceten aus den Gattungen Sclerodcrris (?), Trochila und Pyrcuopc:i:a, n'ar die siebente Art (Excipula niclauophaca |Kze.| Fr.j ist eine Nebenfruchtform, deren Stellung noch nicht feststeht.
Während Fuckel 1. c. ExcipuUi mit Recht noch als eine sehr zweifelhafte Gattung, die aus den heterogensten Gliedern zusammengesetzt ist, bezeichnet, betrachtet er im erste'n Nachtrag, p. 41 (32U), Excipula als eine unzweifelhafte Discomycetengattung, in die er nur die vier Arten E. slromatica, peliolicola, Viburui und Galii stellt, die allerdings heule in drei verschiedene Gattimgen gehören. F'ries, der zweifellos Excipula als Discomycetengattung aufstellte, versetzte in die- selbe sechs Arten. Von diesen sind Exe. Rubi und Exe. spliac- i'oidcs zweifellos Pyrenopeziza-Avten. Exe. Empetri wird ktium etwas anderes als Sphaeropcda Empetri sein. Excipula Strobi ist nicht näher bekannt und Exe. nielanophaea wird heute als Nebenfruchtform betrachtet, ob mit Recht, läßt sich kaum mehr feststellen. So bleibt nun nur noch die erste, also Typusart über, nämlich die Excipula turgida Fr. Aus der kurzen Beschreibung: »erumpens, cupulis subcoriaceis rugu- losis nigris, disco conca\'o albido, humectate molle turgido« läßt sich nichts Sicheres entnehmen. Doch würde sie noch am ehesten auf einen kleinen Discomyceten passen.
Indessen hat Des mazi eres (Ann. scienc. nat., 1852,
III. Ser., XVlil. Bd., p. 374) einen Pilz unter dem Namen Caliiiula liirgida Desm. beschrieben und in Fl. crypt. France,
104 F. V. Uölmcl
1851, Nr. 2168, ausgegeben, der keii. Üiscomycet ist, den er aber als identisch mit ExcipnJa iiirgida Fries erklärt. Den Beweis hierfür bleibt er aber schuldig, denn er erwähnt trotz der ausführlichen Behandlung des Pilzes mit keinem Worte, daß er sich durch Vergleich seines Pilzes mit einem Originalexemplar des Fries'schen von der Identität beider Pilze überzeugt hat.
Es ist mir daher durchaus zweifelhaft, ob CatiiiuUi Iiir- gida Desm. gleich Excipula turgida Fries ist. Da Fries unter Excipula nur Discomyceten verstehen wollte, so er- scheint es mir als mehr als unwahrscheinlich, daß er gertide als erste Art der Gattung einen davon ganz \"erschiedenen Pilz angeführt hätte. Ich glaube daher, daß Excipida tiirgida Fries sowie die Mehrzahl der angeführten Arten auch ein Discomycet ist und daß Desmaziere mit seiner Identifi- kation im Irrtum ist.
Wollte man Excipula Fries als Discomycetengattung wieder einführen, so müßte man sie wohl als synonym mit Pyreuopeziza Fuckel betrachten, da die zweite Art bei Fries eine solche ist und ebenso die sechste.
Catiniila turgida Desm. hat mit der Typusart von Cati- nula Lev. nichts zu tun (siehe diese Fragmente, 341, VII. Mitt., 1909). Sie ist eine Stromacee, die mit Psilospora faginea Rbh. \"erwandt ist und ist daher Psilospora turgida (Desm.) v. II. zu nennen.
Excipula im Sinne und Umfang der vSyll. Fung., III. Bd., p. 665 ist eine ganz unhaltbare Mischgattimg, die gestrichen werden muß. Dies geht schon daraus her\or, daß bei den meisten Arten die Conidien ganz unbekannt sind und daß bei jenen sechsen, wo dies nicht der Fall ist, die Conidien von höchst verschiedener Gestalt und Größe sind.
914. Über Cenangium Fraxini Tulasne und Fusicoccum cryptosporioides B. R. et S.
L. R. Tulasne beschrieb 1853 (Annal. sc. nat., 111. Ser., Bot., Tome XXV, p. 140, und Botan. Zeitung, XI. Jahrg., p. 53) eine Nebenfruchtform, ohne sie zu benennen, von der er an-
Fi;iL;mcntc zur Mykologie. 105
gibt, da(3 sie zu einer von ihm Cenanghmi Fraxini genannten Dermateacee gehört.
Diese auf Taf. XVf, Fig. 14, in einem Längsschnitt ab- gebildete Form tritt nach Tulasne in dreierlei Art auf, indem sie entweder nur spindelförmige, ziemlich große, stark ge- krümmte Stjdosporen enthält, welche sich nur an der Basis der Gehäuse entwickeln, oder nur etwa 10^1[j. große, fadenförmige, bogig gekrümmte Spermatien, oder endlich beide Conidienformen, wo sich dann die Stylosporen an der Basis und die Spermatien oben an der Decke der Gehäuse ent- wickeln. Gewöhnlich findet man in den Gehäusen nur die Stylosporen; die Spermatien sind seltener und verschwinden auch bald.
Diese also schon 1853 beschriebene Nebenfrucht ist nun identisch mit der 181)1 als Fiisicoccum cryptosporioides B. R. S. bekanntgemachten Form. Dieselbe ist in Niederösterreich nicht allzu selten. Aber nur einmal fand ich hier die dazu- gehörige Dermateacee, und zwar an am Sonntagsberg 1914 gefundenen Exemplaren. An diesen waren zwischen den zahlreichen Pycniden \'on Fiisicoccum cryptosporioides teils einzelnstehende, teils in zu zwei bis drei in kleinen Büscheln angeordnete Apothecien zu finden, die nach Aussehen, Kon- sistenz, Bau des Gewebes usw. zweifellos metagenetisch zu dem Pycnidenpilz gehörten. L. R. Tulasne beschreibt sein Cenaiigiiim Fraxini nicht näher, sondern gibt nur an, daß die Asci acht elliptische und meist zweizeilige Sporen haben.
Bei dem Umstand jedoch, daß der von mir gefundene Pilz ganz so wie (eiiangiiiin Fraxini Tul. zusammen mit Fiisicocciiiii cryptosporioides wächst und sicher beide Formen metagenetisch zusammengehören, kann nicht daran gezweifelt werden, daß mein Pilz mit dem Tulasne's identisch ist.
Tulasne ist nun der irrtümlichen Meinung, daß sein Ccnangiiiui Fraxini mit Pc-:i::a Fraxini Schweinitz= Tynt- panis Fraxini Fries (.System, myco!., 1823, 11. Bd., p. 17-1) zusammenfällt.
lOß F. V. ]ir,linel,
Darnach führt auch Kehm (1 [ysteriac. und Oiscomycel., 1 8U6, p. 2(36) Ceuangiimi Fraxiiii Tul. als synonym mit Tyuijhiiiis Fraxiiii (Schvv.) an.
Das ist aber unrichtig, denn Tyiupauis Fraxiiii (Schw.) besitzt schwarze, glänzende, hoinartig-feste Apothecien und hat Cornnlaria Spina (Berk. et Rav.) S. et S. (Syll. fung., XVI., p. 982) als Nebenfruchtform, während Ccnaiiginin Fraxiiii l'ul. oli\engraubraune, nicht hornige, matte Apothecien hat und Fnsicoccuin cryptosporioides als Nebenfrucht.
Hingegen hat Rehm (!. c.) vollkommen recht, daß er Cenangiinn Fraxiiii Sa cc. (Michelia, 1., p. öN, Fungi italici dcl. Tab., p. 14;'>7) für \on Tyiiipaiiis Friixiiii (Schw.) Fries \()llig verschieden erklärt, denn Cenaiigiiun Fraxiiii Sacc. (= Ccnaiigella Fraxiiii Sacc.) ist offenbar identisch mit Cenangium Fraxiiii Tu!.
Tyiupauis Fraxiiii{Sch\\\)Fries ist keine echte Tyiiipaiiis- Art, denn diese haben, soweit bekannt, Pleiiroplioiiiella v. H. als Nebenfruchtform (siehe diese Fragmente, 1914, XVI.Mitt.,Nr.858, p. 123), während zu Tympaiiis Fraxiiii (Schw.) V\\ Cornn- laria Spina gehört. Conmlaria Spina ist aber ein Clwiidro- podinin V. H. (siehe diese Fragmente, Nr. 958) und die Arten dieser Gattung sind Nebenfruchtformen \"on Godronia-Avien. Daher muß Tympaiiis Fraxini (Schvv.) Fr. eine Godronia sein, als welche sie sich in der Tat herausgestellt hat, da Rehm fand, daß sie langnadelförmige Sporen hat (Bayr. Bot. Gesellsch., 1912, Xlll. Bd., p. 205).
Was die Stellung von Cenangintn Fraxini Tul. anlangt, so kann dieser Pilz wegen des dicken Hypotheciums nur als Dermatee betrachtet werden und wird am besten als Derniaiea {Derniatclla) Fraxini (Tul.i \-. FI. bezeichnet. Nach Tulasne ist derselbe in der Tat zunächst mit Derniafca (Derniatella) Frangidac (Fers.) verwandt.
Nachdem die echten Fiisicoccnni -Avten Nebenfruchtformen von stromatischen Sphaeriaceen sind, ist es klar, daß Fiisi- coccnni cryptosporioides nicht in diese Gattung gehören kann. Die nähere Untersuchung des Pilzes zeigte mir nun, daß der Pilz eine ganz typische Micropera ist und daher Micro- pcra cryptosporioides (B. R. S.) v. Fl. genannt werden muß.
Fragmente zur Mykologie. 10/
Mit dieser Tatsache stimmt nun bestens die überein. daß der dazugehörige Schlauchpilz sich als eine Dcnnatca-Axt heraus- gestellt hat. Bekanntlich gehören die echten Micropcra-Avian als Nebenfrüchte zur Gattung Dcrmatea.
Mici-opera cryptosjwrioidcs (R. B. S.) v. H. hat Conidien- stromata, die einzeln oder gebüschelt stehen und rundlich oder aufrecht eiförmig bis kurz keulig sind. Der Loculus ist oben und bildet das dicke Basalgewebe einen kurzen dicken Stiel, der einem eingewachsenen, oft wenig entwickelten llypostroma entspringt. Der Pilz ist dunkelfarbig, derb lederig- tleischig, ohne Ostiolum, schließlich oben aufreißend und schalenförmig geöffnet; Höhlung unten Hach, meist einfach, seltener unvollständig gekammert, seitlich und an der Basis dicht mit den einfachen, mäßig langen Conidienträgern be- setzt, die an der Spitze je eine (größere) hyaline, einzellige, spindelförmige, gerade oder meist gebogene Conidie bilden. Gewebe derbwandig, kleinzellig-parenchymatisch bis plect- enchymatisch.
Aus dieser Beschreibung ist zu ersehen, daß der Pilz eine ganz typische Micropera ist.
915. Über die Gattung ExcipuHna vSaccardo.
Diese Gattun.g wurde 1884 in der Sylloge fungorum, 111. Bd., p. 688, ohne Kenntnisnahme der betreffenden Arten theoretisch aufgestellt. In derselben sind ursprünglich zwei Arten eingereiht. Als Typusart muß die zweite Art, nämlich ExcipuHna cougliiHucüa E. et Ev., die in Ellis und E ver- hart, North-Americ. Fungi, Nr. 1373, als Originalexemplar aus- gegeben ist, angesehen werden, da Saccardo von der ersten Art, E. rcciirvispora (B. et C.J Sacc, sagt: »in una specie sporulae apice rostratae«, dieselbe also offenbar als vom Typus abweichend betrachtet.
Die Untersuchung des zitierten Originalexemplars zeigte mir nun, daß E. couglntiiniia E. et Ev. nichts anderes ist als Heteropatella laccra Fuck.; auch die dazugehörige Haupt- fruchtfo!-m, die Hetcrosphacria PatcUa (Tode) befindet sich (unreit) dabei.
108 1'. V. Il.lhnel,
Daher ist KxcipnUiia Sacc. 1884 r= Hctei-opalclla Fuck. 1873 (Symb. myc, II. Nachtr., p. 54).
Bei Hetet'opatella laceva Fuclv. sind die Conidien nicht stets einzellig, wie in der Sylloge fungorum angegeben ist, sondern sogar meist vierzellig. Die bisher zu Excipnlina ge- stellten Arten müssen anders benannt werden.
In Fragment Nr. 314 (1909, VII. Mitt.) gab ich an, daß das von Lind aufgelegte Exsiccat in Kabät etBubak, F. imperf., Nr. 426, nicht Rhabdospora cercosperma (Rostr.) enthält, sondern nur Rhabdospora pleosporoides Sacc. Trotzdem führt Lind (Rostrup's Danish fungi, p. 473) dieses Exsiccat bei Heteropatella cercosperma (Rostr.) an. Die nochmalige genaue Prüfung der reichlich aufgelegten Nr. 426 ergab mir dasselbe Resultat. Ebenso zeigte eine zweite Aufsammlung von J. Lind aus einem anderen Jahr und von einem anderen Standorte nur Rhabdospora pleosporoides. Daraus geht hervor, daß Lind die beiden Funde mikroskopisch zu prüfen unterlassen hat.
916. Über Exeipulina Patella v. H.
\'on diesem in der Österr. bot. Zeitschrift, 1905, 55. Bd., p. 187, beschriebenen Pilze, der in Gesellschaft von Hetero- sphaeria Patella auftrat, habe ich die Vermutung geäußert, daß er neben Heteropatella lacera Fuck. ein zweites Pycniden- stadium von Helerosphaeria Patella sein könnte. Die Über- prüfung des Pilzes lehrte mich nun, daß nach der ganzen Gewebebildung, die von der der Helerosphaeria völlig ver- schieden ist, dies gewiß nicht der Fall ist.
Nachdem nach Fragment Nr. 915 die Gattung Excipnlina Sacc. 1884 gleich Heteropatella Fuck. 1873 ist, so muß der obige Pilz anders benannt werden.
Die nochmalige Untersuchung des Pilzes zeigte mir, daß er eine jener schwer zu klassifizierenden Formen ist, die man ebensogut als einfache Pycnidenpilze wie als stromatische betrachten kann.
Der Pilz ist linsen- oder scheibenförmig, rundHch, etwa 180 ;j- breit und 90 ji dick, mit einem einfachen Conidienraum. Er entwickelt sich in der Rinde und wird nach Abwurf der
Fragmente zur Mykologie. 109
Epidermis IVei. Das braune Gehäuse ist ringsum kleinzellig parenchymatisch. Im mittleren Teile der Basis feiiit es, seit- lich wird es 20 bis 25 »j- dick und nach obenhin wieder dünner. Oben reißt es lappig auf und öffnet sich der l^ilz weit scheibenförmig. Die 8 bis 10- 1 bis l"5;x großen Conidien- träger sitzen bloß unten, und zwar auf einer 25 u, dicken, hyalinen, undeutlich kleinzelligen Basalschichte.
Die hyalmen, bogig gekrümmten, beidendig spitzen, spindelförmigen, 15 bis 24:^2 bis 8 »j, großen Conidien sind drei- bis vierzellig.
Der Pilz dürfte praktisch am besten als Excipulee auf- gefaßt werden, kann aber wegen des ganz anderen Gewebe- baues nicht zu Hcteropittclhi gestellt werden, sondern bildet eine neue Gattung.
Excipulella n. g.
Excipulaceae. Gehäuse durchaus braunzellig, parenchyma- tisch, eingewachsen, schließlich diu'ch Gewebeabwurf ober- flächlich. Conidienträger einfach, auf der kleinhyalinzelligen dicken Basalschichte sitzend.
Conidien spindelförmig gekrümmt, spitzendig, hyalin, septiert.
Gehäuse schließlich oben lappig aufreißend und die Scheibe bloßlegend.
Typusart: ExcipulcILi I\iU'ILi v. H.
J. Lind hat in Kostrup's Danish Fungi, 1913, p. 473, die Exci/ni/liia PatcUci v. H. als Hetcropatclla Bouorücuii fHazsl.) synonym angeführt. Da H. Boiiordeiiii die Neben- frucht von Hctci'osphaeria paiclla ist, so kann Lind's Annahme nicht richtig sein. Vergleicht man in der Tat Bonorden's Angaben und Figuren (Abhandl. a. d. G. d. Mykologie, 1<S(34, p. 138, Taf. II, Fig. 10) mit dem oben Gesagten, so erkennt man die völlige Verschiedenheit der beiden Pilze.
In Fragment Nr. 341 (1909, VII. Mitt.) habe ich Rhabdo- spora cercosperma (Rostr.) zur Gattung Excipiilina gestellt. Da ich nun aber festgestellt habe, daß Excipiiliua Sacc. 1884 — Hcleropatclla Vwck. 1873 ist, muß der Pilz I IcUropiilclUi
110 F. V. HöhncI,
cercospcTiiia (Rostr.j genannt werden, wie dies schon J. Lind (1. c.) getan hat.
917. Über Melanconium Typhae Peck.
Von dieser Art kenne ichi nur die Beschreibung in der S^iloge fungorum, III. Bd., p. 751», und kein Originalexemplar. Indessen ist anzunehmen, daß das in AUesch. und Sehn ab 1, Fung. bavar., Nr. 385, und Rabenhorst- Pazschke, Fung. europ. et extraeurop., Nr. 4101, ausgegebene Exemplar der- selbe Pilz ist.
Dies gilt auch von FiiscJla TxpJiac Lindau (1906) in Rabenhorst, Kr. Fl., Pilze, VIII. Abt., p. 566, nach dem Exemplar in Sydow, Myc. march., Nr. 3593. Der Pilz ist weder eine Melanconiee noch ein Hyphomycet, sondern eine t^^pische Excipulee.
Der Pilz sitzt herdenweise in Menge oberflächlich auf den morschen Blättern von Tvpha Jafifolia. Da die Blalt- epidermis schon abgeworfen ist, so läßt sich nicht entscheiden, ob er sich unter der Epidermis entwickelt hat oder ganz oberflächlich entstanden ist. Er bildet schwarze, glänzende, etwa 200 |j. breite und 300 »x lange Pycniden, die oft eine Längsfurche erkennen lassen, und besteht aus einer hyalinen, sehr kleinzelligen, etwa 8 [x dicken Basalschichte, die am Rande in die etwa 12|x dicke, aus schwärzlich-olivengrünen, etwas verkrümmten, ziemlich parallelen, 2-5 [jl dicken Hyphen bestehende Wandung übergeht. Anfänglich geschlossen, reißt die Wandung oben, wohl meist zunächst mit einem Längs- spalt auf und öffnet sich die Pycnide schließlich schalen- förmig. Außen zeigen sich unten manchmal einzelne kurze, verbogene Haare (Hyphenenden). Auf der Basalschichte sitzen dicht parallel die hyalinen, einfachen, 12 bis 28 - 1-5 \k großen Conidienträger, an denen die spindelförmigen, olivengrünen, etwa 10 bis 14 r 3 bis 4 [jl großen Conidien entstehen, die eine fest zusammenhängende Masse bilden.
Der Pilz ist ganz ähnlich gebaut wie die Gattungen Crocicrcas! Fries 1849, Myxonnia B. et Br. 1850, Auicro- sporiimi Speg. 1882, Godnniiclln karst. 1885 und IIvuicu-
Fragmente zur M^vkologie. i 1 1
opsis Sacc. 1 8(St), die sicli einander sehr nahe stehen und zum Teil zusammenfallen.
In Ann. mycol., 1003, I. Bd., p. 403, habe ich die beiden Gattungen Myxonuia Berk. et Br. 1850 und Crocicreas Vv. 1849 miteinander identifiziert. Doch ist es zweckmäßiger, beide auseinanderzuhalten, denn Crocicreas graniimint Fr. hat hervorbrechende, kurzgeslielte, außen hyalinhaarige Pycniden, sowie subhyaline stäbchenförmige Conidien, deren Träger nicht nur an der Basis auftreten, sondern auch die Seiten- wände der Pycniden weit hinauf bekleiden, während Myxonnia der Grasepidermis aufsitzende, subcuticuläre, ganz oder fast kahle Pycniden hat und oli\'engrüne, spindelföi'mige Conidien, deren Träger nur die Basis bekleiden.
Di ed icke (Krypt. Fl. Brand., 1914, IX. Bd., p. 738 und 718, Fig. '1) steht noch auf meinem Standpunkte vom Jahre 1903 und \ereinigt beide Gattungen. Seine Angaben über Myxoruiia atrouiridis B. et Br. »Sporen hyalin und Sporen- träger das ganze Innere auskleidend« sind falsch, seine Fig. 2 zeigt einen Stiel, der nicht vorhanden ist.
Die Gattung Godrouiclla Karst. (Meddel. soc. Fauna et Fl. Fenn., 1885, XI. H., p. 158) ist nach den Angaben und Figuren Diedicke's (I. c, p. 737 und 718, Fig. 1) von Myxonuia generisch nicht verschieden. Crocicreas bildet den Übergang von Myxonuia zu Aruerosporiuiu, wo die Pycniden außen beborstet und (beim Typus der Gattung) die Conidien hyalin sind.
Ich halte es heute tur zweckmäßig, die Gattung Myxonnia aufrecht zu erhalten, schon deshalb, weil Melancouium Typhae nicht gut zum Typus der Gattung Crocicreas paßt, wohl aber als gute Myxormia- Art, die Myxonnia Typhae (Peck) \'. H. zu heißen hat, gellen kann.
Von Interesse ist, daß das Gräser bewohnende Amero- sporium cavicicolum v. H. den Gattungen Crocicreas und Myxoruiia sehr nahe steht (siehe Fragm. zur Mykol., IUI 3, XV. Mitt., Nr. 810 sub A. Caricnm (Lib.) Sacc).
Myrollieciuui Typ/iae Fuck. (Symb. myc, 1869, p. 304, Taf 1, Fig. 2\) z=. Hyuienopsis Typhae (Fuck.) Sacc. (Syll. fung., ISSC), i\'. p,d., p. 7^l5j ist offenbar gleich Melaiicouium
112 F. V. Höhne),
Typhae Peck. Sicher ist dies bei dem untersuchten Exemplar in Sydow, Mycoth. march., Nr. 3593, der Fall.
Betreffend die Gattung Hyuicnopsis Sacc. siehe P'ragment Nr. 918.
Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Thysaiiopyxis; pitlchella Cesati wegen der hellen F"ärbung nicht zu den Excipuleen gehört, wohin sie Diedicke (1. c, p. 740) stellt, sondern zu den Patelloidaceae-Patellatac (Ann. myc, 1911, IX. Bd., p. 263).
918. Über die Gattung Hymenopsis Sacc.
Wurde aufgestellt 1886 in Sylloge fungorum, IV. Bd., p. 744, auf Grund von Myrotliecinm trochiloides Sacc. fMichelia, 1881, 11. Bd., p. 367; Fungi italici, Taf. 857 j.
Von dieser Art habe ich zwar kein Originalexemplar gesehen, doch ist anzunehmen, daß die zwei Exsiccaten des Pilzes in EUis and Everhart, F. Columb., Nr. 299, und Roumeguere, F. gall. exs., Nr. 2154, die miteinander überein- stimmen, richtig bestimmt sind.
Die Untersuchung derselben zeigte mir, daß der Pilz ein Gehäuse besitzt und daher keine Tuberculariee ist. An der .Stelle, wo der Pilz sitzt, bemerkt man in der Epidermis und dem darunterliegenden Parenchym reichliche Mengen von hyalinen Nährhyphen; diese dringen einzeln durch die Außen- wand der Epidermiszellen und heben die Cuticula empor, so daß sich der Fruchtkörper unter der Cuticula entwickelt, die über ihm rasch verschwindet und dann der Pilz ganz ober- flächlich sitzt. Derselbe besitzt ein aus parallelen, subhyalinen, bis olivengrünen Hyphen, die in mehreren Lagen stehen, bestehendes Gehäuse, das sich oben bald rundlich öffnet und schließlich scheibenförmig wird. Der reife Pilz ist etwa 280 \i breit, länglich-rund und dick scheibenförmig; die ganz flache Basalschicht ist kleinzellig, blaßolivengrün und etwa 12 (x dick. Darauf sitzen die einfachen, hyalinen, 20 :^ 1 |x großen Conidienträger dicht parallel. Ringsum sieht man die noch etwa 50 u, hoch hinaufragende Wandung, die unten 1 2 [a dick ist und nach oben rasch dünner wird. An der Basis zeigt
Fragmente zur M\'kologie. llo
der Filz eine Randmembran, die von der ruticula bedeckt ist, aus parallelen hyalinen Hyphen besteht und 18 [). breit ringsum vorsteht. Die blaßolivengrünen Conidien sind gerade, stäbchen- spindelförmig, einzellig und 8 bis 10^2[x groß. Sie werden in Menge gebildet und hängen zu einer festen dunkeloliven- grünen Masse zusammen.
Der Pilz unterscheidet sich von Myxoniiia B. et Br. nur durch das blassere Gehäuse.
Von Hynienopsis ellipsospora (Fuck.) Sacc. habe ich das als Myrothecium ellipsosponiiu Fuck. (Symb. myc, 1869, p. 3G4) in den Fung. rhen., Nr. 1532, ausgegebene Original- exemplar untersucht. Der Pilz ist dem vorigen gleich gebaut, hat aber dunkelolivengrüne, 12 bis 14 c; 2-5 bis 3-o[j. große Conidien und das Gehäuse besteht aus olivengrünen Hyphen und reicht 80 »x hoch hinauf. Der Pilz ist generisch von Myxonnia nicht verschieden.
Von H. media Sacc. et Win t. (Syll. fung., 188(3, IV. Bd., p. 745) =: Myrotheciwn medium Sacc. et Wint. (Hedvvigia, 1883, XXII. Bd., p. 14) konnte ich das Originalexemplar in Rabenhorst-Winter, F. europ., Nr. 2890, untersuchen. Der Pilz ist ganz so gebaut wie die vorige Art, der sie sehr nahe verwandt ist, nur reicht die parallelfaserige Wandung bis 150[j, weit hinauf. Sie ist oben zirka 40 bis 50 [x weit herab fast hyalin und etwas zerrissen gevvimpert, der größere untere Teil der Wandung ist dunkelolivengrün.
Diese Art wird von H. ellipsospora kaum spezifisch ver- schieden sein.
H. Typhac (Fuck.) Sacc. (Syll., 1886, IV. Bd., p. 745) = Myrotlieciirm Typhae Fuck. (Symb. myc, 1869, p. 364) habe ich im Original nicht gesehen, der Pilz ist aber gewiß gleich Melaiiconitim Typhae Peck :=: Fiisella Typhae Lindau (siehe Fragment Nr. 917). Das in Sydow, Mycoth. march., Nr. 3593, ausgegebene Exemplar stimmt zu diesen Angaben. Der Pilz ist eine typische Myxonnia B. et Br.
H. Ar und in is (Fries) Sacc. ist eine Hymcnclhi Vester- gren (non Fries) und gehört nicht hierher.
Aus dem Gesagten ergibt sich, daß die typischen Hymcu- opsis- Av[en generisch von Myxonnia B. et Br. (= Godroniella
Sitzb. d. m.Ttlicm.-naliirw. Kl., Abi. I, 124. Bd. 8
114 F. V. Höhnel,
Karst.) nicht abweichen. Dieselben stehen soga.r der Myxormia atroviridis B. et Br., dem Typus der Gattung, spezifisch nahe. Daher ist Hymenopsis Sacc. 1886 r=: iVv.r0/7///a B. et Br. 1850 = GodronieJla Karst. 1885.
919. Über Chaetomella atra Fuck.
Diese zweite angebliche CliaefonicHa -Art, in Fuckel, Symb. myc, 1869, p. 402, beschrieben und in den Fung. rhen., Nr. 1572, ausgegeben, hat Saccardo (Syll. fung., 1884, III Bd., p. 321) in sein Subgenus Euchaetomclla gestellt.
Die Untersuchung von Fuckel's Originalexemplar hat mir aber gezeigt, daß der Pilz ein typisches Auierosporimu ist. Daher ist Euchaetomclla Sacc. 1884 = Amerosporiitiii Speg. 1882.
Die Pycniden entwickeln sich unter der Epidermis und werden schließlich oberflächlich. Sie sind anfangs fast kugelig, etwa 360 bis 400 [x breit und über 300 [x hoch, schwarz und öffnen sich schließlich schalenförmig. Die Basalschichte ist fast hyalin, besteht aus derbwandigen, 3 bis 5 [x breiten Zellen und ist etwa 50 jx dick und 110|x breit. Darauf sitzt eine sehr kleinzellige, 15 [x dicke Schichte, auf der die einfachen, 25 ^ 1 [x großen Conidienträger dicht parallel sitzen. Die Pycnidenmembran ist schwärzlich tintenblau, 15 »x dick und besteht aus wenigen Schichten von parallelen, 4 bis 5 »x breiten, deutlich septierten Hyphen. Außen sitzen ziemlich zahlreiche, steife, spitze oder stumpfliche, schwarze, derbwandige, un- deutlich septierte, gegen die Spitze hin blassere, 100 bis 200 [X lange, unten 6 bis 8 (x, oben 4 [x dicke Borsten.
Die zahlreichen Conidien bilden eine schwärzlich blau- graue, ziemlich fest zusammenhängende Masse, sind einzeln subhyalin, .spindelförmig, an den Enden spitz, gerade und 10 bis 12^2 bis 3 [x groß.
Der Pilz ist nicht wieder beschrieben worden und hat AfHerosporümt atriun (Fuck.) v. H. zu heißen. Der Pilz kommt auf Maisblättern vor (F. gallic. exsicc, Nr. 991); ferner fand ich ihn auf dürren dicotylen Stengeln 1903 bei Metkovich in Dalmatien.
Fragmente zur Mj'kologie. 1 i 5
920. Über Amerosporium Caricum (Lihert) Sacc.
In diesen Fragmenten, HH.S, X\\ Mitt., Nr. 810, habe ich unter obigem Namen einen I^ilz beschrieben, der zur kurzen Charakteristik der Art in der Sylloge fungorum, III. Bd., p. 682, genügend stimmte. Seither habe ich das Libert'sche Original- exemplar dieser Art kennen gelernt und gefunden, daß dasselbe von dem von mir beschriebenen Pilze verschieden ist. Das Originalexemplar ist aus dem Nachlasse Libert's in Roume- guere, Fung. gallic. exsicc, Nr. 675, unter dem falschen Namen Cliactoiuclla afra Fuck. ausgegeben.
Die Untersuchung desselben zeigte mir, daß der etwa 200 bis 300 [x breite, rundliche Pilz eine blasse Basalschichte zeigt und eine schalenförmig geöffnete, etwa 280 [j. hohe, blaß olivengrüne I^ycnidenmembran, die aus einigen Lagen von parallelen, subhyalinen, 1'5 bis 2 [j. breiten Hyphen besteht. Außen trägt dieselbe unten wenig zahlreiche, opak-schwarze, 600 bis 700 ;x lange, unten 14 bis 15 [i, oben 5 bis 6 [j. breite, stumpfliche Borsten, ohne sichtbare Septen. Die Coni- dien sind grünlich-subhyalin, in Massen dunkel olivenfarbig, spindelförmig, gerade, beidendig scharf spitz und 11 bis 14^ 2 bis 3 [X groß.
Vergleicht man diese Angaben mit jenen in Fragment Nr. 810, so erkennt man die großen Unterschiede.
Der im Fragment Nr. 810 beschriebene Pilz ist eine neue Art, die ich Auicrosporiiim caricicohim v. H. nenne.
921. Über die Gattung Pseudographium Jaczewski.
Wurde in Nouv. Mem. societ. natural. Moscou, 1898, XV. (XX.) Bd., p. 370, aufgestellt. Nach Saccardo (Syll. fung., 1902, XVI. Bd., p. 982) stimmt die Gattung mit Sphaero- graphmm Sacc. oder Conmlan'a Karst, völlig überein. Das ist aber, wie sich zeigen wird, nicht der Fall.
Jaczewski versteht unter Psciidographimn Pilze, die. braune (mit der Lupe betrachtet schwarze) aufrechte Keulen bilden, die aus parallel verklebten (braunen) Hyphen bestehen, die oben pinselförmig auseinandertreten und seitlich(?) und im Innern des Hyphenbündels Conidien bilden. Die Definition
116 F. V. Ilrihnel,
läßt völlig im unklaren, ob es sich um Sphaerioideen oder Stilbaceen handelt.
Jaczewski stellt acht Arten in seine Gattung. Von diesen acht Arten sind zwei ohne weiteres auszuscheiden:
1. Pseudograpliinm sqarrosum (Rieß) Jacz. ist der Typus der Gattung Spliaerograpliitnu und kann als solcher nicht in eine neue Gattung versetzt werden. Er ist auch ganz anders gebaut, paßt nicht in seine Gattung und wurde von Jaczewski völlig verkannt.
2. Ps. ßavoviride (Fuck.) Jacz. kann schon wegen der eiförmigen Conidien nicht hierher gehören und ist, wie ich schon 1908 (in diesen Fragmenten, V. Mitt., Nr. 180) an- gegeben habe, eine typische Stilbella.
Von den übrigbleibenden sechs Arten konnte ich zwei nachuntersuchen, nämlich Ps. Persicae (Schw.) Jacz. und Ps. macrospora (B. et C.) Jacz. Von diesen zwei Arten ent- spricht die erstere soweit der Diagnose von Pscndograplüimi, daß man annehmen kann, Jaczewski habe so gebaute Pilze darunter verstanden. Die Untersuchung dieser Form, die ich als den Typus der Gattung Pseudographiuiit betrachte und in sicheren Exemplaren in Raben horst-Winter, Fung. europ., Nr. 3198, und Ellis und Ev er hart, Fung. Columb., Nr. 1061, ausgegeben ist, zeigte mir, daß der Pilz aus einem etwa 0*5 bis 0-8mm hohen, dünnen, von kurzen, abstehenden, braunen, einzelligen Härchen etwas rauhen, schwarzen, dünnen Stiel, der eine schmale, etwa 300 [x lange, länglich-spindelige, kahle Pycnide trägt, die spitzlich endigt, besteht. Der Stiel ist an der etwas verbreiterten Basis mit braunen Hyphen oberflächlich auf der Rinde befestigt. Er ist bis zur Pycnide hinauf solid und besteht aus zahlreichen dunkelviolettbraunen, dünnen, miteinander parallel fest verklebten Hyphen. Die Wandung der Pycnide besteht aus mehreren parallelen Lagen gleicher Hyphen. In der Pycnide finden sich ringsum an der Wandung aufwärtsgerichtete, dünne, einfache Träger, die die schönen, hyalinen, lang-spindelförmigen, sieben- bis achtmal septierten, beidendig scharf spitzen, etwa 60 bis 70 ^ 3 bis 4 \i großen Conidien entwickeln (siehe Jaczewski, 1. c, p. 372, Taf. I, Fig. 33).
l'"ia,L;iiicnlc ziic AlyUnlogic. 1 1 <"
Man ersieht aus dieser Besehreibiing, was Psciulo- grapliiniu ist. Danach muß diese Gattung, wie folgt, charak- terisiert werden.
Pseudographium Jacz. char. em. v. H.
Pst'udoi^raphieae. I\vcniden aufrecht-länglich, mit Ostio- lum, auf einem langen dünnen Stiel sitzend, der so wie die Pycnidenwandung aus braunen, parallelen, miteinander fest verklebten Hyphen besteht. Stiel an der Basis durch braune Hyphen am Substrat oberfiächlich befestigt. Conidienträger die Pycniden innen auskleidend. Conidien hyalin, lang und schmal spindelförmig, septiert.
Zu dieser Gattung gehören neben der Typusart Ps. Persicae (Schvv.) Jacz., nach Jaczewski's Angaben zu urteilen, wahrscheinlich noch: Ps. Boiidicri (Richon) Jacz., Ps. hispiditliiiii (Ellis) Jacz. und Ps. nluiicola (Ellis) Jacz.
Spliaeroiiacnia macrosponuii Berk. et C. (Grevillea, 1873, II. Bd., p. 178), das Jaczewski auch zu Pseiuiographmm stellt, ist nach dem sicheren Exemplar in Rabenhorst- Winter, F. europ., Nr. 3487, ganz anders gebaut und stellt, eine neue Gattung dar, die ich Snbnlariella nenne.
Der Filz sitzt oberflächlich auf der Rinde auf einer dünnen, braun-kleinzelligen Basis, ist zylindrisch, etwa 0-bmm hoch und zeigt oben keine Andeutung einer keuligen Verdickung. Es ist eine zylindrische, unten bis etwa 40 [x weit hinauf kleinzellig-parenchymatische, von da ab bis zur Spitze aus dünnen, dunkelbraunen, parallel-verwachsenen Hyphen be stehende Pycnide, deren Conidienraum bis zur Basis reicht, die dicht mit dünnen, einfachen, hyalinen Trägern besetzt ist, welche in Menge die schmal-spindelförmigen, hyalinen, septierten, beidendig scharf spitzen, 60 bis 70 ^ 4 jj- großen Conidien entwickeln. Die Conidienträger reichen nur so weit hinauf, als das Gehäuse parenchymatisch ist. Der parallel- faserige Teil ist der Schnabel.
Der Pilz ist also ganz anders als Pseuc/ograp/iiiiin gebaut.
] 18 F. V. Mölln el,
Subulariella \^ H. n. g.
Pseiidograpliicüc. Pycniden oberflächlich, langzyhndrisch, unten parench3^matisch, sonst aus parallelen braunen Hyphen aufgebaut, mit Ostiolum. Conidienträger einfach, hyalin, nur an und in der Nähe der Basis der Pycnide. Conidien hyalin, lang-spindelförmig, schmal, septiert.
T>'pusart: SnbnlarieUa macvospora (Berk. et C.) v. H. Syn.: Sphacronaetna niacrosporuin Berk. et C.
Conmlaria mact'ospora (B. et C.) Sacc.
Pseudographlnin inacrosponim (B. et C.j Jacz.
In die Gattung Subulariella könnten noch gehören: Sphacronaema capillare Ell. et Harkn., Sph. Microperac Cooke und Spliaerographium lanianoides Peck.
922. Cornucopiella n. g. v. H.
P3''cniden aufrecht zylindrisch, an der Basis flach, anfäng- lich geschlossen, sich schließlich weit (trompetenartig) öffnend, oberflächlich; Wandung braun, aus einigen Lagen von par- allelen Hyphen bestehend, ganz oben einschichtig und fast h\^alin. Conidienträger sehr lang, büschelig-besenartig ver- zweigt, die Wandung fast der ganzen Länge nach besetzend. Conidien an den Zweigen einzeln endständig, h^^alin, länglich, einzellig, klein. Saproph^^t.
Cornucopiella mirabilis v. H.
Pycniden oberflächlich, herdenweise, zylindrisch- obkonisch, 260 bis 500 [k hoch, über der etwas verbreiterten Basis 60 bis 70, oben (geöffnet) 100 bis 120[x breit, anfänglich ge- schlossen, sich schließlich weit, trompetenartig öffnend: Wandung aus braunen, Löbis 2 |j, breiten, parallel verwach- senen Hyphen bestehend, dazwischen einzelne dunklere, bis 3 ;j. breite Hyphen. Nach oben zu werden die Hyphen dünner und blässer, ganz oben sind sie 1 \i dick und hyalin. Conidien- träger stark büschelig oder besenartig verzweigt, 40 bis 80 [x lang und 1 bis 1-5 ;x dick; Zweige gerade, nach aufwärts gerichtet. Conidienträger die Wandung fast der ganzen Länge
FiMgmenle '/aw Mykologie. IIJ
nach bekleidend, an der flachen Basis fehlend. Conidicn an den Z\veit;en endständig, einzellig, h^'alin, länglich bis stäb- chenförmig, gerade, [^ ~ 1 bis 1-5 [x groß, sich an der weiten >[ündung in einer kugeligen Masse ansammelnd.
Auf am Boden liegenden Rotbuchenholzspänen im W^iener- wald am Vorderen Sattelberg bei Preßbaum, Oktober 1904, leg. \-. Höhnel. Auch von Fuckel im Östricherwald am Rhein 1870 auf Fai(iis-¥[o\z gefunden (Fung. rhen., ohne Nummer, sub Splnicrotiaema cylindriciim).
VÄn merkwürdiger Pilz, der sehr an eine Phaeostilbcc erinnert, aber ein geschlossenes Gehäuse besitzt.
Er bildet mit Pscitdographiuin Jacz., Snbiilariclla v. H. und Hölnie/icllii Bres. et Sacc. eine natürliche Gruppe. Mit GhiliniüiH Fries, welche Gattung nach der Diagnose scheinbar übereinstimmt, hat Coriiiicopiella gar keine nähere Form- verwandtschaft.
923. Über Höhneliella perplexa Bres. et Sacc.
Der Pilz wurde in Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien, 1U02, 52. Bd., p. 437, als Phaeostilbee beschrieben.
In den Annal. mycol., 1904, II. Bd., p. 53, wies ich darauf hin, daß der Pilz anfänglich so gebaut ist wie eine Excipulee und erst später lang zylindrisch wird, daß mithin der Pilz zu den Excipuleen zu stellen ist. Ich faßte denselben als gestielte Excipulee auf.
Schöne, mir vom Sonntagsberg in Niedei-österreich, wo der Pilz bisher allein gefunden wurde, jüngst zugekommene Exemplare ermöglichten mir, die vorhandenen Widersprüche zwischen meinen und den früheren Angaben aufzuklären und die wahre Stellung des Pilzes festzulegen.
Der Pilz stellt im gut entwickelten Zustande schwarze, dornenförmige, 0-öiiiin hohe, 90 bis 100 [x dicke Gebilde dar, die an der Basis bis auf 200 [j, verbreitert sind. Quer- schnitte an beliebiger Stelle dieser Dornen zeigen nun, daß diese röhrig-hohl sind. Die Röhrenwandung ist etwa 16 [x dick und be.steht aus 8 bis 9 Lagen von 1-5 bis 2 jx dicken, derbwandigen, hyalinen Hyphen, die parallel, fest miteinander
120 F. V. Hühnel,
verwachsen sind. Zwischen diesen dünnen hyalinen Hyphen und öfter auch auf der Außenseite der Röhre sind hie und da einzelnstehende, schwarze, dickwandige, 4 [x breite Hyphen vorhanden. Die äußeren dieser gefärbten Hyphen bilden die Borsten, die der Pilz außen spärlich zeigt.
Die Conidienträger finden sich nicht bloß an der Basis, sondern kleiden die Röhre bis gegen das Ende derselben aus, das anfangs geschlossen ist. Die ganze Röhre ist innen mit nach oben gerichteten, einfachen oder wenig verzweigten, langen Conidienträgern besetzt, die Abzweigungen der inner- sten hyalinen Hyphen darstellen.
Man sieht, daß Höliiicliella keine Phaeostilbee ist, aber auch nicht als Excipulee betrachtet werden kann.
Man bemerkt ferner, daß Höhneliella ähnlich gebaut ist wie Pseiidograplütiui Jacz., Snbnlariella v. H. und Coniii- copiella v. H. Diese vier Gattungen bilden eine eigene Formen- gruppe, deren Unterscheidung ebenso berechtigt ist wie die der Excipuleen, Leptostromaceen und anderer. Ich nenne sie
Pseudographieen v. H.
Pycniden oberflächlich, mehr minder lang zylindrisch, aus ganz parallel verwachsenen, braunen oder zum Teil hyalinen Hyphen bestehend, nur an der Basalfläche parenchymatisch. Conidienträger an der Basis oder fast der ganzen Länge der zylindrischen Pycniden nach vorhanden, einfach oder ver- zweigt.
Hierher gehören die Gattungen: Pscmiogrciphiiim Jacz. 1898, Höhneliella Bres. et Sacc. 1902, Snbnlariella v. H. 1915 und Cornncopiella v. H. 1915.
Noch sei bemerkt, daß Stysamis Clematidis Fuck. (Symb. myc, 1869, p. 365) nach dem Originalexemplar ■ in Fung. rhen., Nr. 1922, von Höhneliella perplexa verschieden ist. Die Untersuchung von zwei verschiedenen Exemplaren der Xr. 1922, wovon das eine keine Spur des Pilzes zeigte, das andere nur